Aufschwung auf dem Automarkt

Der russische Automarkt wächst wieder zweistellig. Deutsche Autobauer reagieren mit Lokalisierung. Nun will auch BMW ein eigenes Werk bauen – in Kaliningrad.

Von Moritz Gathmann

Deutsche Autobauer planen Lokalisierung: Nun will auch BMW ein eigenes Werk bauen – in Kaliningrad.
BMW plant, ein eigenes Autowerk in Kaliningrad zu bauen. Foto: Wikimedia Commons / BMW Leipzig

Die Statistik liest sich wie in den besten Jahren: Im September stiegen die Neuwagenverkäufe in Russland um 17,9 Prozent, in Zahlen bedeutet das 148.371 und damit einen Zuwachs von 22.524 Autos im Vergleich zum September 2016. Und die European Businesses Association (AEB), welche die Zahlen erhebt, rechnet mit einem Gesamtwachstum für 2017 von 10,8 Prozent. „Auf dem Markt herrscht die Stimmung vor, dass der positive Trend auch in den kommenden Monaten anhalten wird“, sagt Jörg Schreiber, Vorsitzender des Komitees der Autoproduzenten in der AEB. Die russische Zentralbank rechnet sogar mit einem Wachstum der Verkäufe von zwölf Prozent.

BMW lokalisiert in Kaliningrad

An eine Fortsetzung des Wachstums glauben auch die deutschen Hersteller. Während Volkswagen im Oktober das zehnjährige Jubiläum des eigenen Werks in der Stadt Kaluga feierte, haben andere gerade die Entscheidung zur Lokalisierung getroffen. Der Stuttgarter Autobauer Daimler wird 2019 sein Werk im Gebiet Moskau eröffnen (Investitionssumme: 250 Mio. Euro) und dort SUVs sowie Wagen der E-Klasse produzieren. Und in dieser Woche gab der Gouverneur des Gebietes Kaliningrad bekannt, dass man sich mit BMW über den Bau eines Werkes einig geworden sei. Bereits seit 1999 hatte der Münchner Autobauer in Kaliningrad verschiedene Modelle im Werk des russischen Herstellers Avtotor montieren lassen.

Die Lokalisierung der Produktion hat sich als einziger Weg herauskristallisiert, um auf dem russischen Markt dauerhaft zu bestehen. Denn auch im September waren es wieder alle Modelle der Top-Ten-Automobile, die in Russland hergestellt wurden. Ganz oben steht das KIA-Modell „Rio“ mit 10.446 Stück, es folgen jeweils zwei Modelle von Lada und Hyundai. Auf Platz sechs steht der extra auf russische Verhältnisse adaptierte VW Polo mit 4.517 Stück. Bei den Gesamtverkäufen führt weiterhin Lada, auf Platz fünf liegt VW, Mercedes-Benz und BMW folgen auf den Plätzen zwölf und 13.

Trend soll erhalten bleiben

Wie nachhaltig das Wachstum wirklich ist, wird sich 2018 zeigen. Denn ein großer Teil der jetzigen Autokäufe ist darauf zurückzuführen, dass die Russen in den vergangenen Jahren größere Investitionen aufschoben. 2012 waren in Russland noch fast drei Millionen Neuwagen verkauft worden, seitdem fielen die Verkäufe dramatisch. 2013 sank die Zahl der Neuverkäufe um 5,5 Prozent, 2014 um zehn Prozent, 2015 sogar um 35 Prozent und 2016 um elf Prozent. Für das Jahr 2017 rechnet die AEB mit 1,58 Millionen verkauften Neuwagen in Russland.