Heidi Klum für Rumänien

Der deutsche Einzelhändler Lidl will mit exklusiven Produkten sein Image ändern. Auch der südosteuropäische Wachstumsmarkt ist Bestandteil einer internationalen Kampagne, die der Konzern in fast 30 Ländern gestartet hat.

Von Sebastian Becker

Der deutsche Einzelhändler Lidl will mit exklusiven Produkten sein Image ändern. Rümänien ist jetzt Bestandteil einer internationalen Kampagne.
Soll bei Lidl für Glamour und ein Gefühl von Hochwertigkeit sorgen: die Heidi-Klum-Marke Esmara. Foto: Lidl.

Der Magheru Boulevard im Zentrum Bukarests wurde in den späten Zwanzigerjahren erbaut und gehört zu den Top-Adressen des Landes, wenn es um den Handel geht. Die Flaniermeile ist nicht nur eine der ältesten Verkaufsstraßen der rumänischen Hauptstadt, sondern auch eine der teuersten. Hier sind die Ladenmieten besonders hoch, und nur diejenigen Händler, deren finanzielle Situation besonders gut ist, können hier investieren. Jetzt hat der deutsche Einzelhandelsriese Lidl in der zweiten September-Hälfte seinen ersten Pop-up-Laden in Rumänien eröffnet, dessen Markt mit knapp 20 Millionen Konsumenten zu den größten in Südosteuropa zählt. Wie das einheimische Wirtschaftsportal Profit.ro berichtet, hat das Unternehmen Textilien seiner hauseigenen Damen-Marke Esmara verkauft, die Teil einer Kampagne mit dem Top-Model Heidi Klum waren, die zeitgleich in insgesamt 28 Ländern über die Bühne ging.

Rumänien ist wichtiger Teil der Lidl-Kampagne, weil das Land wachstumsstark ist.

Bei einem Pop-up-Laden handelt es sich um einen Shop, der nur für eine begrenzte Zeit existiert, um bei den Kunden den Eindruck zu erwecken, die Waren, die dort verkauft werden, seien besonders exklusiv. Weltweit gab es 1997 in Los Angeles die erste Verkaufsstelle dieser Art. 2004 gelangte dieses Konzept nach Deutschland und wiederum sechs Jahre später nach Rumänien.

Damals eröffnete mit Henkel auch ein deutscher Investor im Zentrum von Bukarest ein solches Geschäft: Auf der Calea Victoriei, „der Siegesstraße“, verkaufte der Konzern Produkte seiner Kosmetikmarke Syoss. Deutsche Unternehmen sind seit der politischen Wende in Rumänien wichtige Akteure, die dem Markt entscheidende Impulse geben. So gehören Lidl und Kaufland zu den größten Einzelhändlern – gemeinsam mit der französischen Carrefour. Mit der Eröffnung des ersten Pop-up-Ladens betont nun der Lidl-Vorstand um den dänischen Manager Jesper Højer, wie wichtig der rumänische Markt für den Gesamtkonzern ist. Das Unternehmen ist gerade dabei, einen Strategiewechsel einzuleiten. Lidl will verstärkt hochwertige Produkte ins Sortiment nehmen, um das Image vom Billiganbieter loszuwerden. In diesem Zusammenhang steht auch die Kampagne mit Heidi Klum.

Rumänien ist ein wichtiger Teil dieser Marketing-Aktion – und das, obwohl die Geschäfte in dem südosteuropäischen Land innerhalb des Konzerns relativ gering sind. So hat die rumänische Tochter des Händlers im vergangenen Jahr ihre Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 4,7 Milliarden Leu (etwa 1,2 Mrd. EUR) erhöht. Dabei steigerte das Unternehmen seinen Gewinn um fast 27 Prozent auf 171 Millionen Leu (rund 48 Mio. EUR). Darüber hinaus betreibt Lidl România mehr als 200 Filialen. Weltweit erreicht der Konzern in etwa 10.000 Verkaufsstellen einen Erlös von fast 70 Milliarden Euro.

Konsum bringt Wirtschaft entscheidende Impulse

Dass Lidl auf Rumänien setzt, liegt daran, dass sich derzeit der rumänische Einzelhandel positiv entwickelt. Die Umsätze sind im Juli im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,6 Prozent gestiegen, berichtet das rumänische Statistikinstitut Institutul Naţional de Statistică (INS). Gegenüber dem Vormonat war der Sprung sogar noch größer: Hier schrieben die Statistikfachleute der Einrichtung ein Wachstum von 13,6 Prozent in ihre Bücher.

Der private Konsum ist aktuell einer der Wachstumsmotoren für die gesamte Volkswirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent geklettert – ein Spitzenwert in der EU. „Rumäniens wirtschaftlicher Aufschwung hält an“, finden die Experten von GTAI. Sie rechnen damit, dass diese Entwicklung im laufenden und kommenden Jahr ihre Fortsetzung findet – mit leichten Abstrichen zwar, doch grundsätzlich ohne Unterbrechung.

Dieser Beitrag erscheint zunächst in OstContact 10/2017.

 

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