Importsubsitutionen: Eine durchwachsene Bilanz

Russlands Wirtschaft macht sich unanbhängig von Importen. In einigen Branchen besteht noch starker Entwicklungsbedarf.

Von Moritz Gathmann

Der russische Premierminister Dmitrij Medwedjew besuchte die Messe für Importsubsitutionen. Foto: government.ru

Auf der Messe „Importosameschenie“ (Importsubstitution) in Moskau lobte Premierminister Dmitrij Medwedjew in dieser Woche die Erfolge Russlands und ließ sich ein Smartphone aus russischer Produktion überreichen. Aber in vielen Bereichen ist die strenge Wirtschaftspolitik Augenwischerei, und den Preis muss der russische Verbraucher bezahlen.
„Ungeachtet der Schwierigkeiten läuft die Importsubstitution bei uns im Land gar nicht schlecht“, sagte Medwedjew bei seinem Besuch der Messe in Moskau: „In Bereichen, die für uns von prinzipieller Wichtigkeit sind, sind wir sogar schneller als es geplant war.“ Medwedjew zählt dazu die Bereiche Landwirtschaft, den Energiebereich, den Maschinenbau und Funktechnik.

Landwirtschaft hat noch Entwicklungsbedarf

Gerade in der Landwirtschaft ist die Bilanz jedoch durchwachsen. Während Russland im Bereich Getreide einen Ernterekord nach dem anderen einfährt – Russland wurde 2016 zum Getreideexportweltmeister und wird den Titel wohl auch in diesem Jahr behalten – stagniert die für die Bevölkerung wichtige Milchproduktion. Seit der Einführung des Importembargos gegenüber den meisten westlichen Ländern sind die Preise für die meisten Milchprodukte jährlich zweistellig gestiegen. Deshalb sinkt der Verbrauch: 2012 konsumierte jeder Russe jährlich noch 249 Kilogramm Rohmilch, 2016 waren es nur noch 233 Kilogramm, Tendenz sinkend. In Deutschland lag der Wert 2016 bei 349 Kilogramm. Und trotz Subventionen und hohen Preisen sinkt die russische Produktion: 2016 wurden in Russland mit 30,7 Millionen Tonnen Rohmilch 0,2 Prozent weniger produziert als im Vorjahr. Auch der Milchkuhbestand sank 2016 um 1,9 Prozent. Der Importanteil im Bereich Milch und Milchprodukte lag 2016 bei 40 Prozent.

Ungewöhnliche Maßnahmen gegen die steigenden Rohmilchpreise ergreift etwa der Konzern Danone: Er importierte in diesem Sommer 5.000 Milchkühe aus Westeuropa in die sibirische Stadt Tjumen. Grund: Laut dem Unternehmen seien allein 2017 die Rohmilchpreise um 14 Prozent gestiegen. Erfolge gibt es dagegen bei der Fleischproduktion. So importierte Russland anstatt von 26 Prozent im Jahr 2013 im vergangenen Jahr nur noch acht Prozent des konsumierten Schweinefleisches, im Bereich Geflügel ging der Anteil von zwölf auf fünf Prozent zurück.

Gesetzlich verankerte Importsubsitution

Im Bereich Flugzeug- und Schiffsbau will der Kreml die Importsubstitution gesetzlich verankern: Ab 1. Januar 2018 soll ein Gesetz regeln, dass der Kauf von Schiffen ab einem Wert von zwei Milliarden Rubel (28 Mio. EUR), Flugzeugen ab einer Milliarde Rubel (14 Mio. EUR) und Hubschraubern ab 400 Millionen Rubel (5 Mio. EUR) durch mehrheitlich staatliche Unternehmen von der Regierung kontrolliert wird. So sollen Bestellungen für die neue Megawerft „Swesda“ im Fernen Osten, für den russischen Flugzeugbauer „Sukhoi“ und den Hubschrauberhersteller „Russian Helicopters“ sichergestellt werden.

Ziele verfehlt

Im Bereich IT verfehlt der Kreml bislang seine Ziele: Premier Medwedjew hatte im November 2015 ein Dekret erlassen, nach dem ab dem 1. Januar 2016 alle staatlichen Behörden russische Software kaufen sollten. Ausnahmen sollten nur für Software gelten, für die es keinen russischen Ersatz gebe. Wie das Consultingunternehmen TAdviser nun herausfand, ist der Anteil westlicher Software jedoch nur geringfügig gesunken. Bei den Datenbankbetriebssystemen lag der Anteil von Microsoft 2016 noch immer bei 38,6 Prozent (2015: 41,1 Prozent), jener von Oracle bei 25,4 Prozent (2015: 28 Prozent). Nur 2,9 Prozent der Einrichtungen nutzen russische Systeme. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Serverbetriebssysteme.

Das Smartphone „INOI“ übrigens, das Medwedjew überreicht wurde und mit dem bald die russischen Briefträger ausgestattet werden, ist nur sehr bedingt „made in Russia“: Die Hardware stammt aus China, das Betriebssystem (Sailfish) aus Finnland.

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