Putins asiatischer Vektor

Die Wirtschaft im Fernen Osten Russlands wächst. Der Präsident Wladimir Putin will weitere Investoren anlocken und kündigte auf dem „Eastern Economic Forum“ Vergünstigungsmaßnahmen an.

Von Moritz Gathmann

Wladimir Putin sprach beim Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok
Wladimir Putin will die Wirtschaft im Fernen Osten weiter entwickeln und setzt auf Partner aus der Region Asien. © TASS/Eastern Economic Forum

Wladimir Putin hat auf dem „Eastern Economic Forum“ in Wladiwostok neue Steuervergünstigungen für Investoren angekündigt, die Projekte im Fernen Osten realisieren wollen. Bis heute ist der Ferne Osten – neben dem Nordkaukasus – das Sorgenkind der russischen Wirtschaftspolitik. Das soll sich durch die Zusammenarbeit mit Investoren aus der asiatischen Region ändern. Über die letzten drei Jahre wuchs die Industrieproduktion in der Region um 8,6 Prozent – allerdings von einem niedrigen Niveau aus.

Der russische Vizepremier Jurij Trutnew, der für die Entwicklung des Fernen Ostens zuständig ist, lobte die Errungenschaften: Um Investitionen anzuziehen, seien innerhalb der letzten drei Jahre 19 föderale Gesetze erlassen worden, die Tarife für Strom auf 6,5 Cent pro Kilowattstunde gesenkt und für den freien Hafen Wladiwostok elektronische Visa eingeführt worden. Trutnew bedankte sich explizit bei den Investoren aus Japan, Korea, China, Vietnam, Indien und Australien. Derzeit gebe es 837 Investitionsprojekte mit einem Volumen von 3,3 Billionen Rubel (etwa 50 Mrd. EUR).

Dreißig Geschäftsleute aus Asien und ein Schweizer

Putin kündigte in seiner Rede am Donnerstag an, dass Investoren im Freihafen Wladiwostok oder in den 15 Sonderwirtschaftszonen („TOR“) für die ersten zehn Jahre nur reduzierte Versicherungsbeiträge zahlen müssten. Für Großprojekte (ab 100 Mio. USD) sollen Investoren für 19 Jahre eine stark reduzierte Gewinnsteuer bezahlen. Für Investitionsprojekte ab zehn Millionen Dollar soll es Erleichterungen bei der Gewährung der russischen Staatsbürgerschaft geben. Mit Linde, Metro und Siemens waren auch deutsche Firmen in Wladiwostok vertreten. Allerdings dominierten Geschäftsleute aus dem asiatischen Raum. Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), zählte auf dem Abendessen mit Putin 30 Geschäftsleute aus Asien – und einen Schweizer.

Putin stößt trinationale Projekte mit Nord- und Südkorea an

Ganz oben auf der Tagesordnung des Wirtschaftsforums stand die internationale Politik. Kein Wunder: Zwischen dem Tagungsort und der Grenze Nordkoreas liegen ganze 123 Kilometer. Putin schlug dem frisch gewählten südkoreanischen Präsident Moon Jae-in vor, durch trilaterale Projekte mit Nordkorea die Bedrohung durch den gemeinsamen Nachbarn zu mindern. Konkret soll es dabei um eine Gaspipeline durch Nordkorea nach Südkorea gehen sowie eine Integration des Eisenbahn- und Stromnetzes. Moon Jae-in antwortete, ihn erfreue die Initiative, blieb aber unbestimmt. „Die Entwicklung des Fernen Ostens wird nicht nur zum Aufblühen unserer beiden Länder beitragen, sondern auch zu Veränderungen in Nordkorea, was die Grundlage für die Realisierung der trilateralen Beziehungen wird.“

Hoffnung auf Friedensvertrag zwischen Russland und Japan

Auch der japanische Premierminister Shinzo Abe zeigte sich offen für eine Vertiefung der Beziehungen zu Russland. Abe bekräftigte seine Hoffnung, zusammen mit Putin endlich einen Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern zu schließen. Als sein Erbe wünsche er sich eine Eisenbahnlinie zwischen Tokio und Wladiwostok.
Mit viel Beifall wurde zudem der Auftritt von Gerald Brown, Gouverneur von Kalifornien, auf dem Forum bedacht. Dieser rief zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf: „Die Welt wird nur funktionieren, wenn Russland und die USA zusammenarbeiten“, so Brown in Wladiwostok.

 

Mehr Außenwirtschaftsnachrichten zu Russland erhalten Sie in Russland aktuell

Zum E-Paper
Zum Ländernewsletter Russland

 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here