Person der Woche: Suma Chakrabarti

Sir Suma Chakrabarti ist Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung @ EBRD

ASPEKTE

  • Den ersten Briten auf diesem Posten kennzeichnen weitreichende Erfahrungen in der Entwicklungshilfe.
  • Privat verfügt er über einen vielfältigen kulturellen Hintergrund.
  • Chakrabarti setzt sich für eine bessere Verteilung der Gewinne des Welthandels ein.

Als Sir Suma Chakrabarti 2012 als erster Brite, als erster Nicht-Deutscher oder Nicht-Franzose, zum Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gewählt wurde, war das für viele eine Überraschung. Der als Arbeitstier bekannte Chakrabarti hatte sich in einer für die EBRD ungewohnt kompetitiven Wahl gegen vier andere profilierte Mitbewerber durchgesetzt. Der in Indien geborene Oxford-Absolvent hat zwar seine Karriere im Entwicklungshilfe-Ministerium des Vereinten Königreichs begonnen. Doch hatte er schon früh Erfahrung in anderen internationalen Finanzinstitutionen gesammelt. Folglich war Chakrabarti gut gerüstet, als er seinen Posten antrat. Und das, obwohl er eigentlich kein Bankfachmann war.

Chakrabartis erste Amtszeit fiel in schwierige Jahre für das Förderinstitut, dessen Fokus traditionell auf Russland und den osteuropäischen Ländern gelegen hatte: Nach der Einführung der EU- und US-Sanktionen gegen Russland hatte die Bank ihre Geschäfte in Russland sogar komplett eingestellt und das Büro in Moskau nach Istanbul verlegt. Doch gab es auch Zuwachs: Neue Kunden der Bank waren Zypern, der Libanon und Griechenland. Darüber hinaus will die EBRD mit chinesischen Partnern Infrastrukturprojekte finanzieren.

Privat ist Chakrabarti genauso international wie die Länder, in die er berufsbedingt reist: Osteuropa, Westbalkan, Nordafrika, Zentralasien. Der Präsident fühlt sich überall „multilateral“: als Europäer und als Brite, mit einer japanischen Frau und seiner Familie in Indien. Vielleicht gelingt es dem 2006 zum Ritter geschlagenen 58-Jährigen deshalb so gut, sich unermüdlich für Demokratie durch Wachstum einzusetzen. Für ihn geht es um mehr Globalisierung, nicht weniger, um bessere Verteilung der Früchte des Handels durch stärkere Integration. Dafür ist der Zugang zu neuen Finanzdienstleistungen und Transportinfrastruktur unabdingbar. Diesen Sommer hat er Kasachstan, Aserbaidschan und Armenien besucht. Denn die EBRD sieht diese Regionen als einen Knotenpunkt für die weitere demokratische Entwicklung und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Ost und West – von China über den Balkan bis nach Westeuropa.


AUSSAGEN

  • Er fördert die Zusammenarbeit mit der EU.
  • Chinesische Projekte sind seiner Meinung nach eine gute Ergänzung zum traditionellen Programm.
  • KMU sind für ihn eine wichtige Gruppe, die unterstützt werden muss.

Über die Perspektiven des Westbalkans und Freihandels

„Um zu vermeiden, dass sie eine Erkältung bekommen, wenn die EU niest, müssen die Länder des Westbalkans widerstandsfähige, diversifizierte Volkswirtschaften haben, die sowohl in der Region integriert sind als auch mit der EU, und sich auch für andere Handelspartner öffnen wie China.“ (2017)

Über die EU

„Die EBRD arbeitet eng mit der Europäischen Union zusammen um Reformen und Investitionen voranzutreiben.“

„Für Europa ist eine der größten Herausforderungen die Wachstum-Agenda. Wir müssen schneller wachsen.“ (2017)

Über China

„China ist ein immer wichtigerer Handels- und Investitionspartner für Südosteuropa, und ein wichtiger Sponsor von Leuchtturmprojekten im Transport- und Energiebereich in der Region. (…) Wir sehen chinesische Investments als willkommene Ergänzung zu anderen Finanzierungsquellen für große Infrastrukturprojekte, inklusive der One Belt, One Road-Initiative.“ (2017)

Über kleine und mittelständische Unternehmen (KMU)

„KMU sind für uns eine Priorität und wir haben in der Tat mit Tausenden von ihnen zusammengearbeitet – manchmal bedeutet so ein kleines Projekt mehr Zeit und Mühen als eine große Investition. Aber um erfolgreich zu sein, müssen die KMU auch wettbewerbsfähiger werden.“ (2017)

Über die Globalisierung

„Die Globalisierung ist immer noch ein wichtiger Motor für wirtschaftlichen Wohlstand, aber sie muss besser funktionieren und eine inklusive Agenda haben.“ (2017)

Über das Potenzial von Ost- und Mitteleuropa

„Wir prognostizieren für dieses Jahr, dass Mittelosteuropa schneller wächst als Westeuropa. Das ist ein Zeichen für das Potenzial von Mittelosteuropa. (…) Viele dieser Länder haben jetzt begonnen haben, sich in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Sie versuchen, Investitionen aus der ganzen Welt zu erschließen; sie betrachten den Golf, sie betrachten Asien, sie betrachten Nordamerika und Westeuropa. Ich denke, das ist etwas ganz Neues in dieser Region, und das wird sie sehr erfolgreich machen. Und wenn sie erfolgreich sind, wird Europa als Ganzes erfolgreich sein.“

Über die Ukraine

„Wer hätte gedacht, dass eine Regierung, die mitten in einer militärischen Auseinandersetzung steckt, gleichzeitig Reformen verfolgen würde, die nötig sind um Jahre der halbgaren Maßnahmen, Fehltritte und Vernachlässigung der Wirtschaft, der politischen Führungskultur und des Investitionsklimas, auszuräumen.“ (2015)

Über die EBRD

„Am Ende des Tages sind wir eine Förderungsinstitution. Eine Institution, die den Ländern, in denen wir investieren, hilft, ihr Potenzial als produktive und wohlhabende Mitglieder der Weltwirtschaft zu identifizieren und realisieren.“ (2015)

Über den Brexit

„Es ist eine Art Gebt mir mein Land zurück-Stimmung. Aber zurück wohin? Zu einer Immigranten-freien Zeit? Es gab in Großbritannien nie eine Zeit ohne Immigranten.“ (2017)

Über Demokratie

„Es gibt Aspekte von Offenheit, Transparenz, Umgang mit Korruption – all diese Dinge, die mit dem Investitionsklima verbunden sind und in das demokratische Mandat hineinspielen, aber nichts mit den Wahlen zu tun haben. Hier können wir Druck machen.“ (2017)

Über sich selbst

„Ich fühle mich in einem multikulturellen Umfeld am wohlsten. Ich habe mehr als eine Identität – ich fühle mich indisch, englisch, europäisch, multilateral – ich habe viele Identitäten.“ (2013)


ANSICHTEN

  • Der EBRD-Chef gilt als anerkannter Experte in der Entwicklungshilfe.
  • Kollegen loben ihn als Arbeitstier, das Strukturen durchbricht.
  • Seine Leistungen werden allgemein anerkannt.

Neil Buckley, Osteuropa-Redakteur der Financial Times

„Chakrabarti war immer nicht nur ein Hochleistungsarbeiter, sondern auch jemand, der vorgefertigte Strukturen durchbricht.“

„Er verkörpert die modernisierende, hemdsärmelige Kultur, die in der letzten Dekade oder durch Teile des britischen Beamtentums fegte.“ (2013)

Bozidar Djelic, ehemaliger Vize-Premier von Serbien, Mitbewerber um den Posten des EBRD-Direktors 2012, jetzt Managing Director bei Lazard

„Man muss es ihm lassen, Chakrabarti und sein Team haben unter schwierigen Bedingungen gute Arbeit geleistet.“ (2016)

George Osborne, Kanzler von Großbritannien

„Ich habe Suma 2012 [bei der Wahl zum Direktor der EBRD] unterstützt, weil er die beste Person für den Job war, und seitdem hat er eine fantastische Bilanz bei der EBRD aufgebaut. Er ist die richtige Person für die Zukunft.“ (2012)

Jenny Lei Ravelo, Journalistin mit Fokus auf Entwicklungspolitik bei Devex, Medien-Plattform für Entwicklungshilfe

„Suma Chakrabarti, das unbeschriebene Blatt, im Rennen um die EBRD-Präsidentschaft, hat die vier anderen Kandidaten geschlagen.“ (2012)

Jean-Jacques Mevel, Journalist bei Le Figaro (Frankreich)

„Ein anerkannter Experte in der Entwicklungshilfe.“ (2012)

Ishani Duttagupta, Journalist bei The Economic Times (Indien)

„Wenn Sie sich nicht mit den Feinheiten der Entwicklungsfinanzierung beschäftigt haben, sind die Chancen, dass Sie noch nie von Suma Chakrabarti gehört haben, relativ hoch.“ (2013)

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