Die EXPO als Sprungbrett

Lange war die Zuversicht der österreichischen Wirtschaft gedämpft, in Kasachstan zu investieren. Doch die Weltausstellung ermutigte einige Unternehmen zu neuen Aktivitäten.

Von Dominik Vorhölter

Die Weltausstellung in Kasachstan läuft bis zum 10. September 2017.

Niedrige Rohstoffpreise, Rubelkrise und Nachlassen des Handels mit den wichtigsten Partnern Russland und China sowie eine nachlassende Kaufkraft der kasachischen Haushalte – mit diesen Herausforderungen war die Wirtschaft Kasachstans in den vergangenen zwei Jahren konfrontiert. 2017 soll es wieder aufwärtsgehen – und dies nicht nur, weil die Weltausstellung die Aufmerksamkeit auf das neuntgrößte Land der Erde lenkt, sondern auch die Zuversicht internationaler Investoren belebt. „Kasachstans Wirtschaft kann wieder Fahrt aufnehmen. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für österreichische Unternehmen, bestehende Potenziale zu heben“, glaubt jedenfalls Phillip Winkler, Handelsattaché der österreichischen Wirtschaftskammer in Almaty.
Die EXPO 2017, die vom 10. Juni bis 10. September in der kasachischen Hauptstadt Astana stattfand, war für einige Unternehmer zweifelsohne ein großes Ereignis. Dazu zählte zum Beispiel der Hersteller von Wasserrohrleitungen aus Gusseisen, Tiroler Rohre. Das Unternehmen aus Westösterreich war am Bau des EXPO-Geländes beteiligt und hat auf einer Strecke von anderthalb Kilometern Wasserleitungen in der EXPO City verlegt. „Das war unser erstes Projekt in Kasachstan“, sagt Romana Bohm. Einfach sei es nicht gewesen, diesen Auftrag zu bekommen. Tiroler Rohre hatte sich gegen andere Bewerber durchsetzen können, weil das Unternehmen nicht nur qualitativ hochwertige Wasserleitungen verkauft, sondern auch bereit war, sein Know-how anzubieten. „Wir haben für die Leute, die auf der Baustelle arbeiten, ein Training angeboten und sind sehr konkret ins Detail gegangen“, erklärt Bohm. Die Bauarbeiter haben zum Beispiel gelernt, die Rohre richtig zu schneiden und zu verbinden.

Baustellenarbeit bei minus 30 Grad

Nicht nur die kasachischen Bauarbeiter, auch die Österreicher mussten lernen: Denn die Rohre mussten im vergangenen Winter bei einer Außentemperatur von minus 25 Grad verlegt werden. „Das läuft in Kasachstan ganz anders ab als bei uns in Europa“, stellt die Sales-Managerin fest. Aufgrund der Witterung müssen die Rohre in Kasachstan mindestens sechs Meter tief verlegt werden.

Tiroler Rohre konnte von der EXPO Geschäfte machen.

Eine ähnliche Erfahrung hat auch Dieter Moor, Geschäftsführer von Ertex Solar, gemacht. Das Solartechnikunternehmen aus Niederösterreich hat ebenfalls von der Weltausstellung in Kasachstan profitiert und das Hauptgebäude der EXPO mit Solarpanelen im Wert von 1,5 Millionen Euro ausgestattet. Bei der Montage war es sogar noch kälter – minus 30 Grad. Für die Organisatoren der EXPO spielte es keine Rolle, ob die Arbeiten im Winter oder Sommer stattfanden. „Weil uns dabei einige Solarpanel kaputtgegangen sind, mussten wir kurzfristig Nachschub einfliegen lassen“, erinnert sich Moor.
Die 380 Solarelemente, die nun auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern das Dach des 80 Meter hohen kugelförmigen Gebäudes zieren, sind mit ihrer Form und der Anzahl der Solarzellen Unikate. Sie anzufertigen und bei widriger Witterung unversehrt zu montieren, war nicht die einzige Herausforderung, die der EXPO-Auftrag mit sich brachte.

Netzwerkarbeit erforderlich

Erfahren hatte Bohm von den Möglichkeiten, die das staatliche Großprojekt EXPO bieten würde, während einer Delegationsreise. Vor zwei Jahren hatte die Wirtschaftskammer Österreich verschiedene Unternehmen nach Kasachstan eingeladen, um ihnen Geschäftschancen aufzuzeigen und Gelegenheit zu bieten, Kontakte zu politischen und wirtschaftlichen Vertretern zu knüpfen. Damals wurden die Aufträge für das heutige EXPO-Gelände ausgeschrieben. „Es war aber nicht einfach, einen solchen Auftrag zu bekommen“, erinnert sich Bohm. Das EXPO-Projekt wurde beispielsweise über zwei unterschiedliche Verfahren ausgeschrieben, an dem je eine kasachische Baufirma beteiligt war.
Moor hatte aus seinem eigenen Netzwerk von der Möglichkeit erfahren, sich am Bau des EXPO-Geländes zu beteiligen. Für ihn war es jedoch eine Herausforderung, den Kontakt zur Baufirma herzustellen, die den Bauauftrag für das EXPO-Hauptgebäude gewonnen hatte. „Schon allein den Auftrag zu bekommen, war eine große Anstrengung“, sagt Moor. Darüber hinaus mussten beide Unternehmen die sprachlichen Hürden überwinden, um ihre Aufträge zu gewinnen.

EXPO als Plattform

Moor ist trotzdem zufrieden: „Dies war unser erster Auftrag in Kasachstan und er hat uns weltweit publik gemacht.“ Ob weitere Aufträge folgen, darüber ist sich Moor angesichts des geringen Anteils von erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung, der derzeit bei gerade einmal 1,1 Prozent liegt, nicht sicher.
Dagegen kann sich Romana Bohm, Sales-Managerin von Tiroler Rohre, Kasachstan als neuen Markt durchaus vorstellen. Sie hofft auf neue Aufträge aus den Städten zur Erneuerung der Wassernetze. „In Kasachstan liegt die Wasserverlustquote bei über 40 Prozent. Das birgt Potenzial.“ Einen ersten Folgeauftrag hatte der Rohrehersteller mit einer Beschneiungsanlage für die Winter-Universade in Almaty Anfang dieses Jahres bereits ausgeführt.

Fotos:
National Company Astana EXPO 2017
Tiroler Rohre

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