Person der Woche: Kurt Bock

Dr. Kurt Bock © BAS

ASPEKTE

  • Bock ist der erste Betriebswirt seit 100 Jahren an der Spitze von BASF SE.
  • Viele Ortswechsel prägen die Karriere des Senkrechtstarters.
  • Seine Arbeit ist zudem vom gesellschaftlichen Engagement gekennzeichnet.

Als Dr. Kurt Bock 2011 zum Vorsitzenden des Vorstands der BASF SE ernannt wurde, kam der erste Betriebswirt seit knapp 100 Jahren an die Spitze des „Verbunds“. Viele hatten auch die Ernennung seines Mitbewerbers Martin Brudermüller, damals Chef des florierenden Asien-Geschäfts, erwartet: Denn der Chemiker galt als jovialer als sein Kontrahent. Zudem sagte man, Brudermüller verstehe sich besser mit den Gewerkschaften.

Bock studierte Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten in Münster, Köln und der Pennsylvania State University, promovierte 1985 in Bonn bei Horst Albach zum Dr. rer. pol. und kam noch im selben Jahr zu BASF in den Bereich Finanzen. Das Thema seiner Dissertation „Unternehmenserfolg und Organisation“ scheint seither seine Leitlinie zu sein: „Still, aber zielstrebig“, so schrieb die Zeit, optimierte der Sohn eines Hotelier-Ehepaars seine Karriere. Innerhalb von zwei Jahren hatte der damals 27-Jährige es in den Stab des Finanzvorstandes der BASF geschafft. Fünf Jahre später wechselt der Zahlenmensch, dem es in Ludwigshafen zu langsam voranging, zum Autozulieferer Robert Bosch, später wird er zwei Jahre lang dessen brasilianische Filiale managen. Bei BASF vermissen sie ihn schnell, Aufsichtsratschef Eggert Voscherau lässt ihn 1998 zurückholen: Bock wird Finanzdirektor der US-Tochter BASF-Corporation in New Jersey. Das viele Umziehen hat den Ostwestfalen, der inzwischen Großvater ist, nicht gestört. Auch professionell konnte Bock sich in den USA beweisen, die Sanierung des US-Geschäftes und die erfolgreiche Ausweitung der Aktivitäten trotz der Krise 2009, haben sicherlich einiges zu Bocks Aufstieg an die Konzernspitze beigetragen. Anfang 2003 trat er in den Konzernvorstand ein und war als Finanzvorstand maßgeblich an mehreren Übernahmen beteiligt, 2007 wurde der überzeugte Transatlantiker zusätzlich Chairman und CEO der ihm gut bekannten US-Tochter.

In der Verbandsarbeit deckt Bock, der sich immer wieder für die Belange der Chemie-Industrie, international aufgestellter Unternehmen und den Industrie-Standort Deutschland einsetzt, alle Kompetenz-Ebenen ab: Er ist Präsident des Internationalen Rats der Chemie-Verbände, Mitglied im Exekutivkomitee des Verbands der Europäischen chemischen Industrie und außerdem Vorsitzender des Verbands der Chemischen Industrie e.V. in Deutschland.

Bock engagiert sich auch gesellschaftlich, nicht zuletzt als Vize-Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und im United Nations Global Compact, einem weltweiten Pakt, der zwischen Unternehmen und der UNO geschlossen wird, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten.

 


AUSSAGEN

  • „Handel schafft Wohlstand.“
  • Die Deutschen sollten seiner Meinung nicht alles besser wissen, sondern von den anderen lernen.
  • Deutschland lebe von seinem Handel, findet der Betriebswirt.

Über Freihandel:

„Für beide Seiten des Atlantiks gilt: Wir brauchen offene Märkte, wenn wir unseren Wohlstand sichern wollen.“

„Eine nachhaltige Industriepolitik muss sich (…) für offene Märkte einsetzen.“

Über die Aufgaben der Wirtschaft:

„Die Wirtschaft muss den Menschen von Nutzen sein, und genau daran halten wir uns.“

„Handel ist eine Quelle für Wohlstand.“

Über die Beziehung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft:

„Nach meiner Beobachtung verschlechtert sich die Einstellung zur Industrie, je produktionsferner eine Gesellschaft ist.“

„Am besten können wir Chancen nutzen, wenn alle relevanten Gruppen in Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft an einem Strang ziehen.“

„Über die Rolle der Digitalisierung und Innovationen“

„Wir können mit der Digitalisierung die Produktionen verbessern und übrigens auch die Forschung. Wie wir die Digitalisierung meistern, ist deshalb vor allem eine Frage der Ausbildung und der Weiterbildung. (…). Mir ist die Diskussion über Digitalisierung viel zu defensiv. Wir sollten uns etwas zutrauen.“

„Wachstum kommt in entwickelten Ländern fast ausschließlich aus Innovationen. Wenn wir Wachstum verhindern, verbieten wir den Menschen zu denken.“

Über Protektionismus:

„Wir wollen nicht, dass Europa sich abschottet.“

„Wenn es in der Globalisierung Rückschritte oder auch nur einen Stillstand geben sollte, gibt mir das zu denken.“

Über Deutschland:

„Es ist schon merkwürdig, wie wir in Deutschland manchmal wie auf einem moralischen Feldherrnhügel stehen und auf den Rest der Welt schauen. Wir sollten stattdessen versuchen, von anderen zu lernen.“

„Am Standort Deutschland hängen wir alle – große, mittlere und kleine Unternehmen. Es gibt keine Abwanderung ins Ausland, obwohl in Deutschland die Rahmenbedingungen nicht ganz einfach sind. Die Industrie ist heterogen, ja, aber das ist auch ihre Stärke.“

Über die EU:

„Nur gemeinsam sind die europäischen Staaten stark genug, auch in einer Welt im Wandel vorne mitzuspielen.“

„Europa hat keinen Grund zum Kulturpessimismus.“

Über TTIP:

„Vielleicht liegt TTIP auch nur im Kühlschrank. Wir werden weiter für den Freihandel trommeln.“

Über die neuen US-Sanktionen gegen Russland:

„Das wäre eine neue Qualität in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen USA und Europa, (…) Sanktionen zu beschließen zu Lasten eines Dritten – nämlich zu Lasten von Europa. Das ist schon bemerkenswert.“

 


ANSICHTEN

  • Kritiker schätzen seinen trockenen Humor und seine Fachkompetenz.
  • Der Manager gilt als international erfahren und vielseitig.
  • Bock zähle zu den Führungskräften, die sachlich analysieren und nicht die Welt verändern wollen.

Joseph Chang, Herausgeber der Fachzeitschrift ICIS Chemical Business:

„Kurt Bock hat das weltgrößte Chemie-Unternehmen mit ruhiger Hand durch herausfordernde Wirtschaftszyklen und große strukturelle Veränderungen in der Chemie-Industrie geführt, mit disziplinierten Investments und Portfolio- Anpassungen, um die Firma für optimale Performance zu positionieren.“

Jürgen Salz, WirtschaftsWoche

„Sein Humor ist knochentrocken, seine Kompetenz unbestritten.“

„Zu seinen bevorzugten Eigenschaften zählen Familiensinn, Loyalität und ein Hang zur Sparsamkeit.“

Manfred Steinmann, Lehrer von Kurt Bock am Söderblom-Gymnasium:

„Extrem engagierter Junge, einer der Jahrgangsbesten, Einser-Abitur.“

Oliver Schwarz, Chemieexperte der Hamburger Warburg-Bank:

„Mit seiner nüchternen Art bringt Bock die Dinge gut auf den Punkt.“

Eggert Voscherau, Aufsichtsratschef der BASF:

„Mit Kurt Bock übernimmt ein international erfahrener und vielseitiger Unternehmer die Führung der BASF“

Bernd Freytag, Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Der Unterschied zu seinem Vorgänger Jürgen Hambrecht: Bock wird nicht versuchen, die Welt zu ändern, er ändert die Unternehmensstrategie.“

„Kurt Bock ist ein Kind der Globalisierung, kein Strippenzieher der alten Deutschland AG.“

Benedikt Fuest, Die Welt:

„Wer Kurt Bock kennenlernt, ist vielleicht zunächst ein wenig erstaunt: Dieser ruhige, große, dünne Westfale könnte vielleicht Hochschulprofessor sein oder Entwicklungsingenieur.“

„Der Finanzspezialist Bock beherrscht die Sprache der Analysten, er kennt die Welt der Investmentbanker aus seiner Zeit in New York genau.“

 

 

FOTO: Flickr/BASF SE

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