Die richtige Entscheidung

Vor einem Jahr wurde in Taicang die Niederlassung des German Centres Shanghai gegründet. Mit dieser strategischen Ausrichtung reagiert das German Centre auf den Trend, dass Städte der zweiten Reihe mehr Bedeutung gewinnen. Für Geschäftsführer Matthias Müller war es die richtige Entscheidung zum richtigen Moment.

Peter Tichauer

Herr Müller, vor wenigen Tagen haben Sie einjähriges Jubiläum gefeiert. Wie wichtig war es, die Niederlassung des German Centres Shanghai in Taicang zu gründen?

Auf das Jahr zurückblickend, sind wir umso mehr davon überzeugt, dass die Gründung der Niederlassung in Taicang der richtige Schritt war. Es war für uns die erste strategische Neuausrichtung raus aus den Metropolen, rein in die Regionen. Denn die chinesischen Zukunftsmärkte entwickeln sich eher in den Städten der sogenannten zweiten Reihe. Taicang ist ein sehr deutsch geprägter Standort und ist damit für uns der ideale Startpunkt für diese strategische Erweiterung.

German Centre Taicang
German Centre Taicang

Wie hat sich die Auslastung in diesem Jahr entwickelt?

Wir haben fünf Etagen gekauft, von denen drei anfangs ausgebaut wurden. Diese sind nahezu komplett vermietet. Derzeit haben wir 23 Unternehmen im German Centre Taicang. Die beiden anderen Stockwerke, die wir ursprünglich erst 2018/2019 ausbauen wollten, sind gerade fertiggestellt worden und können ab sofort vermietet werden. Da die Nachfrage noch besser als anfangs erwartet ist, haben wir uns damit auf die Zukunft eingestellt.

Aktuelle Umfragen, beispielsweise der EU-Kammer, lassen vermuten, dass bei ausländischen Unternehmen das Inte­resse am Ausbau des Chinageschäfts gar nicht mehr so stark ist. Können Sie das bestätigen?

Aus dem Tagesgeschäft heraus kann ich das so nicht bestätigen. Selbstverständlich hat sich der Markt verändert. Für viele deutsche Firmen sind inzwischen chinesische Unternehmen die stärksten Wettbewerber. Das bedeutet, dass sich die deutschen Unternehmen anders aufstellen müssen. Neun von zehn Unternehmen, die jetzt nach China kommen, sind keine China-Newcomer, sondern machen schon seit Jahren oder Jahrzehnten Geschäfte mit China, müssen sich aber auf die veränderten Bedingungen einstellen. Sie können aus Deutschland heraus nicht mehr viel bewegen und müssen daher in China präsent sein: Zunächst bauen sie ein Büro auf, sehr schnell gefolgt durch die nächsten Schritte wie Lagerhaltung oder Produktion. Das sind schlicht und einfach die Markterfordernisse, auf die die Unternehmen reagieren müssen. Und das kostengünstigere Umfeld, das Taicang bietet, ist dafür eine sehr gute Alternative. Zumal die Stadt genauso gute Bedingungen bietet wie der „Image-Standort“ Shanghai, der gerade für kleinere Unternehmen nicht mehr so attraktiv ist.

Taicang ist ja das „German Valley“ in China. Was macht den Unterschied aus?

Taicang hat früher als andere Standorte angefangen, ganz gezielt deutsche Investitionen in die Stadt zu holen, mittelständische vor allem. Dem kam zugute, dass Taicang-Pioniere wie Kern-Liebers oder Trumpf schon vor 20 Jahren Produktionsstandort-Alternativen außerhalb Shanghais gesucht und sich für Taicang entschieden haben. Aktiv gefördert wurde das durch die unternehmerfreundliche Politik der Regierung, die gemeinsam mit den deutschen Unternehmen den Standort über Jahre entwickelt hat und die Rahmenbedingung kontinuierlich weiter verbessert. Selbstverständlich ist für Taicang die Nähe zur Metropole Shanghai ein Plus und die Stadt kann die Vorteile Shanghais nutzen, die Verkehrs- und Transport­infrastruktur oder die Flughäfen. Eigentlich profitieren Taicang und Shanghai voneinander.

Tatsache ist, dass Taicang heute in China der Vorzeigestandort für die Ansiedlung deutscher Unternehmen ist. Aus allen Ecken Chinas kommen Delegationen hierher, um von Taicang zu lernen. Viele besuchen auch unser German Centre. Selbst die Zentralregierung schickt regelmäßig Inspekteure in die Stadt, um besser zu verstehen, worauf sich der Taicang-Erfolg gründet.

Foto: German Centre Taicang

 

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