Person der Woche: Mateusz Morawiecki

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ASPEKTE

Mateusz Morawiecki: Der unverstandene Wirtschaftspatriot

  • Der Superminister gilt als fachlich kompetente Persönlichkeit.
  • Beim Streit mit der EU unterstützt der Ex-Bankchef Jaroslaw Kaczynski.
  • Der 49-Jährige verzichtet aus patriotischen Gründen auf Geld und Karriere.

Eigentlich ist der polnische Minister für Entwicklung, Mateusz Morawiecki, so fachlich versiert, dass jeder internationale Konzern ihn gerne beschäftigen würde: Seine Arbeit ist von klaren Vorstellungen geprägt, die er sich im Laufe seiner langjährige Karriere angeeignet hat. So war der heute 49-Jährige 1998 Mitglied einer Gruppe der polnischen Regierung, die den Beitritt zur EU vorbereitet hat. 2010 agierte der nationalkonservative Politiker als Berater für die damalige liberale Regierung – dem heutigen Gegner der PiS. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn: Zwischen 2007 und 2015 leitete Morawiecki den Vorstand der polnischen Santander-Tochter BZWBK. Im Mittelpunkt seiner jetzigen Regierungsarbeit steht der Entwicklungsplan für Polen, der unter anderem die erneute Industrialisierung des Landes vorsieht.

Doch hat der Minister, der ein Superressort aus Finanzen und wirtschaftlichen Kompetenzen leitet, einen kleinen Fehler: Er arbeitet für die PiS-Regierung, die mit der EU im Dauerclinch liegt. Ein Streitpunkt: Die Restrukturierung der Justiz, die Brüssel für einen Verstoß gegen rechtsstaatliche Prinzipien hält. Und jetzt hat auch Morawiecki in diesem Konflikt mit klaren Worten seine Regierung unterstützt: „80 Prozent der polnischen Bevölkerung fordern den Umbau des Justizwesens“, sagte der Minister dem TV-Sender Bloomberg Ende Juli.

So wird seine Einstellung klar: Einerseits zeigt er sich loyal der polnischen Regierung gegenüber. Andererseits bemüht sich der Pragmatiker internationale Investoren anzuziehen und somit die Wirtschaften der EU zu verflechten. Das beste Beispiel ist das neue Mercedes-Werk in der Nähe von Breslau. Dass sich Morawiecki aber immer wieder gegen die EU stellt, dürfte vielen Investoren, zu denen er ein pragmatisches Verhältnis hat, wohl kaum gefallen haben.

Auch in Polen versteht ihn fast niemand. Denn der Ex-Bankchef gehörte mit einem geschätzten Jahresverdienst von etwa drei Millionen Złoty (700.000 Euro) zu den bestbezahlten Managern seiner Branche. Dass ein so erfolgreicher Geschäftsmann nun in die Regierung geht und dort vergleichsweise niedrige Gehälter akzeptiert, stiftet Verwirrung.

„Warum wechselt Morawiecki auf diesen Posten, wo er im Jahr im Prinzip die Hälfte dessen verdient, was er vorher in einem Monat hatte?“ fragte die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza. „Er hat halt schon ausgesorgt“, erklärte ein Experte, der der PiS nahesteht, dem OstContact. „Jetzt will er sein Wissen einbringen, um Polen zu helfen, weil er aus einer patriotischen Familie stammt“, so der Fachmann.

 


AUSSAGEN

  • Die Polen sollten den Staat und Steuern als Eigentum der Allgemeinheit betrachten.
  • Seine Regierung fördert einheimisches Kapital.
  • Morawiecki findet, dass Polen nicht der Eurozone beitreten sollte.

Über Globalisierung und Europa (2017)

„Uns liegt sehr daran, dass der (Welt-) Handel nicht nur frei, sondern auch ehrlich und fair ist.“
„Wir lehnen den Populismus von Marine Le Pen in Frankreich genauso ab wie andere Arten von Populismus in der EU. Wir lehnen auch Extremismus ab, der unter dem Motto läuft ‚Lasst uns die Vereinigte Staaten von Europa gründen‘. Wir finden, dass Europa ein Europa der Vaterländer sein sollte.“

„Der Eurozone beizutreten, liegt nicht in unserem Interesse. Wir sehen keinen Grund, warum wir unsere eigene Geldpolitik aufgeben sollten.“

Über Grundwerte (2017)

„Wichtiger als das Recht sind das menschliche Leben und die Sicherheit.“

Über den Staat, Steuern und die Allgemeinheit (2016)

„Man hat uns schon lange genug solche neoliberale Hirngespinste eingeredet, dass wir den Staat gar nicht mehr brauchen. Oder dass Steuern schlecht sind und wir diese am besten gar nicht mehr zahlen sollten. Doch ist das völlig anti-patriotisch.“

„Langfristig wird uns niemand das Bruttoinlandsprodukt vorantreiben. Der Staat sollte weniger den Konsum fördern, als vielmehr Investitionen gewinnen und Einsparungen vornehmen.“

„Die Polen sollten die Steuern nicht als Schutzgeld auffassen, das sie zahlen müssen, sondern als Gut der Allgemeinheit.“

Über die Arbeit seiner Regierung und seiner Vorgänger (2016, 2017)

„Wir sind eine Regierung, die das polnische Kapital und das polnisches Eigentum fördert.“
„Die Politik der vergangenen 27 Jahre hat bewirkt, dass sich 50 Prozent der Schulden Polens in Händen ausländischer Investoren befinden. Folglich sind wir hier stark abhängig.“

Über die künftige Entwicklung Polens und seiner Partei (2016, 2017)

„Polen wird zu den 15-20 stärksten Volkswirtschaften der Welt gehören.“

„Die PiS wird noch bis 2031 regieren.“

 


ANSICHTEN

  • Die Opposition sieht Morawiecki als machtbesessenen Zögling des PiS-Chefs Kaczynski.
  • Sein Plan sehe zwar schön aus, lasse sich aber nicht finanzieren, sagen Volkswirte.
  • Für unehrlich halten ihn frühere Finanzminister, da er früher Tusk beraten hat.

Der PiS-Partei-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski (2017)

„Morawiecki stößt ganz viele Dinge an, und er verfügt über ein riesiges Potenzial.“

Premierministerin Beata Szydlo (2016)

„Mateusz und ich sind beide die Gesalbten von Jaroslaw Kaczynski.“

Ryszard Petru, liberaler Oppositionspolitiker (2016)

„Da will sich Morawiecki nur bei Kaczynski anbiedern, um nur noch mehr Macht zu bekommen.“

Jan Korwin-Mikke, nationalistischer polnischer EU-Abgeordneter (2017)

„Ein Finanzfachmann, der gar keine Ahnung von der Wirtschaft hat.“

Roman Giertych, nationalistischer polnischer EU-Abgeordneter (2017)

„Das bewirkt nur ein riesiges Haushaltloch und ein kümmerliches Bruttoinlandsprodukt.“

Leszek Balcerowicz, Ex-Finanzminister und Reformer (2017)

„Morawiecki ist nur ein primitiver Propagandist, weil sein Plan die größten Bedrohungen verschweigt, die es für Polen gibt.“

Rafał Woś, Wirtschaftsjournalist des Wochenmagazins Polityka (2017)

„Für die einen sind Morawiecki und sein Plan ein zwar schönes, aber innen hohles aufgeblasenes Osterei. Für die anderen ist er das größte politische Juwel, das die Rechte seit Jahren hat. Beide irren sich jedoch.“

Grzegorz Kołodko, polnischer Volkswirt und Ex-Finanzminister (2016)

„Das ist kein Plan, sondern nur ein Konzept mit einigen sicherlich interessanten Schwerpunkten, die größtenteils nicht neu sind. Sie lassen sich jedenfalls nicht mit den finanziellen Realitäten vereinbaren.“

Janusz Lewandowski, liberaler Oppositionspolitiker der PO und Volkswirt (2017)

„Überhaupt keine Ideen für die Wirtschaft, Null Inhalte. Peinliches pseudopatriotisches Gestammel.“

Marek Borowski, linker Ex-Finanzminister (2016)

„Morawiecki hat sich ironisch über die PO-PSL-Regierungen geäußert, die das Land verschuldet haben. Doch war er selbst einmal Berater von Tusk.“