Kurs auf Digitalisierung

Die russische Wirtschaft soll digital stärker vernetzt werden. Foto: iStock/Dvoinik

Von Moritz Gathmann

Die Digitalisierung der Wirtschaft gehört zu den Prioritäten der russischen Regierung. Im Juli wurde das vom Ministerium für Telekommunikation erarbeitete Programm „Digitale Wirtschaft“ von Präsident Wladimir Putin angenommen. Damit ist der Weg frei für massive staatliche Investitionen: Bis 2024 sollen jährlich 100 Milliarden Rubel (1,5 Mrd. Euro) in die Entwicklung der Digitalwirtschaft gesteckt werden.

Digitale Bildungsoffensive

Inwiefern davon allerdings ausländische Unternehmen profitieren können, ist fraglich. Denn das Programm entspricht der allgemeinen Tendenz der „Importsubstitution“, die in Russland seit mehreren Jahren dominierend ist. Zudem wirkt es stark planwirtschaftlich. So sollen mindestens zehn High-Tech-IT-Unternehmen geschaffen werden, zehn „industrielle digitale Plattformen für die Hauptzweige der Wirtschaft“ (wie etwa Bildung und Gesundheit) sowie 500 kleine und mittlere Unternehmen im Bereich digitaler Technologien. Jedes Jahr sollen 120.000 diplomierte IT-Spezialisten an den Hochschulen ausgebildet werden, 97 Prozent der Haushalte sollen einen Breitband-Internetzugang mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s (2016 lag die Geschwindigkeit im Schnitt bei 12 Mbit/s) erhalten. 95 Prozent des Internetverkehrs soll über russische Netze laufen, in den Städten mit einer Größe über einer Million Einwohner soll stabiler 5G-Datenverkehr möglich sein.

Kritiker befürchten Abschottung im Digitalbereich

Zudem soll der weltweite Anteil Russlands im Bereich der Datenspeicherung von heute knapp 1,0 Prozent auf 10 Prozent wachsen. Das gewünschte Ergebnis ist die Reduzierung ausländischer Telekommunikations- und Computerausrüstung, die von staatlichen Einrichtungen genutzt wird, auf 50 Prozent, die Reduzierung ausländischer Software auf 10 Prozent.
Diese Tendenz kritisierte jüngst etwa Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender der Auslandshandelskammer. „Leider gibt es auch im IT-Sektor nicht unerhebliche Probleme. Für ausländische Softwarehersteller ist es seit vergangenem Jahr nicht erlaubt, sich an staatlichen Aufträgen zu beteiligen. Eine Abschottung gerade im Digitalbereich wird das Land schwerlich nach vorne bringen. Ein solcher Protektionismus sollte insbesondere in der international agierenden Digitalbranche kritisch hinterfragt werden“, so Schepp.
Dies vor dem Hintergrund, dass die Auslandshandelskammer im Bereich IT im letzten Jahr mit ihrem „Komitee für Digitalisierung“ eine eigene Unterabteilung gebildet hat, mit drei Arbeitsgruppen: Start-ups, IT-Sicherheit sowie E-Commerce und E-Marketing.

Deutsches Engagement bei der Digitalisierung ist gefragt

Dabei gibt es durchaus positive Beispiele der „Digitalisierungspartnerschaft“, welche die Modernisierung der russischen Wirtschaft vorantreiben soll: So wird der Hersteller von Industrierobotern Kuka dieses Jahr über 100 Roboter an den russischen Lkw-Hersteller KAMAZ liefern. Daneben arbeitet Kuka eng mit russischen Start-ups zusammen, etwa mit Quantum Systems, das Bargeld-Zähllösungen für Geldinstitute entwickelt. Und der Software-Entwickler SAP betreibt zusammen mit dem größten russischen Stahlproduzenten NLMK ein Innovationslabor, in dem nach innovativen Lösungen für den Bergbau und für die metallverarbeitende Industrie gesucht wird.