China: EU-Kammer-Report: Wieder leichter Optimismus

Von Peter Tichauer

Am 31. Mai wurde in Peking der aktuelle Business Confidence Survey der Europäischen Handelskammer in China vorgestellt. © EUCCC
Am 31. Mai wurde in Peking der aktuelle Business Confidence Survey der Europäischen Handelskammer in China vorgestellt. © EUCCC

PEKING. Die  im vergangenen Jahr wieder leicht anziehende chinesische Konjunktur blieb nicht ohne Auswirkungen auf das europäische Geschäft in China. Dem am 31. Mai in Peking vorgestellten „Business Confidence Survey“ der Europäischen Handelskammer in China zufolge gaben 71 Prozent der EU-Unternehmen in China an, positive Gewinne vor Steuern erzielt zu haben. Das ist der beste Wert seit 2012. Allerdings muss laut EU-Kammerpräsident Mats Harborn abgewartet werden, ob dieser Trend nachhaltig ist.

Immerhin gehen für das laufende Jahr nur noch 49 Prozent der Unternehmen davon aus, dass das Geschäft schwieriger wird. Für 2016 sagten das 56 Prozent voraus. Harborn betonte das Bekenntnis der europäischen Unternehmen zum chinesischen Markt und hob die Fähigkeit der in einer Marktwirtschaft groß geworden Firmen hervor, sich flexibel auf veränderte Bedingungen einstellen zu können. So auch auf die strukturellen Veränderungen in der chinesischen Volkswirtschaft.

Gleichwohl glaubt er, dass Europas Unternehmen derzeit nicht alle Chancen in China wahrnehmen können. Allerdings fühlte sich die Hälfte der Unternehmen heute in China weniger willkommen als zu der Zeit, als sie erstmals in China investiert haben. Das sagten die Hälfte der Unternehmen in Shanghai, Nanjing, Tianjin, Peking und Südchina. Anders sieht es dagegen an Standorten in Südwestchina aus oder in Shenyang, wo noch aktiv um Investoren geworben wird.

Harborn verwies auf das zurückgehende Investitionsvolumen aus Europa in China, während chinesische Investitionen in Europa massiv stiegen. Harborn zufolge investierten EU-Firmen im vergangenen Jahr acht Milliarden Euro in China, 23 Prozent weniger als 2015. Und er verwies darauf, dass gerade einmal zwei Prozent der europäischen Auslandsinvestitionen in China angelegt werden. Als Grund nannte er die bestehenden Marktzugangsbarrieren. Gerade angesichts protektionistischer Tendenzen in den USA müsste jetzt das europäisch-chinesische Investitionsschutzabkommen schnell unter Dach und Fach gebracht werden. Ein Jahr sollte es dauern, nicht länger. Von europäischer Seite wird damit eine weitere Marktöffnung erwartet. Auf Nachfrage erklärte der Kammerpräsident, die von China vorgelegte Negativ-Liste für Investitionszugang müsse so kurz wie möglich sein, „im einstelligen Bereich“. Im Übrigen würden vom Investitionsschutzabkommen auch chinesische Unternehmen profitieren.

Wie in den vergangenen Jahren zeigt sich die Mehrzahl der Unternehmen mit der Umsetzung der auf dem 3. Parteiplenum 2013 angekündigten Reformen unzufrieden. Die Erwartungen seien nicht erfüllt worden und 40 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass im Gegensatz zu den Ankündigungen in den kommenden fünf Jahren die Hürden in China eher weiter aufgebaut werden. Auch hätten die Pilot-Freihandelszonen bisher nicht die angekündigten Erleichterungen gebracht. Nur zwölf der Unternehmen haben sich bisher in diesen Zonen angesiedelt. Mats Harborn veranlasste dies zu der Feststellung: „Die Zeit für Experimente ist vorbei. Es ist an der Zeit, die Reformen im ganzen Land flächendeckend umzusetzen.“

Während Korruption und der Schutz geistigen Eigentums den Unternehmen weniger Kopfzerbrechen bereiten als in den vergangenen Jahren, klagen sie über eine Ungleichbehandlung bei der Umsetzung von Umweltschutzrichtlinien. Die Einhaltung der Auflagen würde bei ausländisch investierten Unternehmen strenger als bei chinesischen eingefordert. Das sagten 61 Prozent der Unternehmen. Nur 14 Prozent glauben, dass die Maßstäbe bei chinesischen Privatfirmen ebenso streng angesetzt werden. Mit Blick auf Chinas Staatsfirmen sind 17 Prozent dieser Ansicht.

Als Sonderthema wurde für den diesjährigen Bericht nach Innovation und Kooperationschancen in Forschung und Entwicklung gefragt. Demnach sehen europäische Unternehmen die wachsende Innovationskraft weniger als Herausforderung denn als Chance. Durch Forschung und Entwicklung im Land könnten sie dazu beitragen, dass chinesische Unternehmen ihre Wertschöpfung weiter erhöhen. Zwar glauben 23 Prozent der Unternehmen, die Bedingungen für Forschung und Entwicklung seien in China besser als im weltweiten Durchschnitt (im vergangenen Jahr sagten das 15 Prozent), doch sind nach wie vor knapp mehr als 40 Prozent der Meinung, sie seien schlechter als weltweit. Gut die Hälfte der Unternehmen beklagen einen Mangel an qualifiziertem Personal für Forschung und Entwicklung und für unverändert 84 Prozent ist der Zugang zum Internet und zu Informationen ein Problem. Im Übrigen seien die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung nicht nur ein Problem für europäische Firmen in  China, so Mats Harborn. Sie behinderten auch die Innovationskraft chinesischer Unternehmen.

An der Umfrage nahmen 560 Unternehmen teil, 44 Prozent der europäischen Firmen in China.

Dieser Beitrag erscheint in der Juli-Ausgabe von ChinaContact (07/2017).

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