Kasan ganz vorne

Das Panorama des Kasaner Kremls © Fendes / wikipedia
Das Panorama des Kasaner Kremls © Fendes / wikipedia

MOSKAU: Eine im Juni veröffentlichte Analyse der Lebensqualität in russischen Städten hat überraschende Ergebnisse zu Tage gebracht: Demnach ist die lebenswerteste Stadt des Landes die Hauptstadt Tatarstans Kasan, gefolgt vom sibirischen Tjumen und dem ebenfalls in Tatarstan gelegenen Nabereshnyje Tschelny. St. Petersburg folgt erst auf Platz 7, Moskau auf Platz 21.

Die Analyse beruht auf landesweiten Umfragen der Versicherung „Rosgosstrach“. Dabei wurden die Stadtbewohner danach gefragt, wie zufrieden sie mit den Straßen, den Kultureinrichtungen, den Behörden oder der medizinischen Versorgung in ihrer Stadt sind.

Kleine Städte sind besonders von der Wirtschaftskrise betroffen

Ganz hinten in der Gunst ihrer Bürger stehen die Städte Toljatti, Omsk und Wolgograd. Ihr schlechtes Abschneiden hat dabei auch mit der Wirtschaftskrise zu tun, die insbesondere die Bevölkerung in den klassischen Industriestädten getroffen hat.

Das gute Abschneiden der Öl- und Gasstädte Kasan und Tjumen ist derweil für Experten wenig überraschend: Auch in den letzten Jahren führten die beiden Städte das Rating von „Rosgosstrach“ an.

Wie groß der Unterschied zwischen den russischen Städten ist, zeigt etwa das Beispiel Korruption: Nur 12 Prozent der Bewohner von Tjumen haben im letzten Jahr Bestechungsgelder an Polizei, Ärzte oder Behörden gegeben – in Machatschkala, dem Schlusslicht, waren es 66 Prozent. Aber selbst in Rostow am Don, das in Stadtratings regelmäßig gut abschneidet, waren es 48 Prozent, die im letzten Jahr ihre Probleme mit Geld lösten.

Medizinische Versorgung ist unbefriedigt

Große Unzufriedenheit rufen bei den russischen Stadtbewohnern bis heute die medizinischen Einrichtungen hervor: Nur 39 Prozent sind eher zufrieden oder gänzlich zufrieden, 29 Prozent sind überhaupt nicht zufrieden mit der Qualität der medizinischen Versorgung.

Unzufrieden sind die Russen zudem mit den städtischen Diensten wie Strom- und Wasserversorgung, Müllabfuhr usw. Die Hälfte der Befragten äußerte, die Arbeit der kommunalen Dienstleister sei nicht zufriedenstellend. Allerdings ist die Tendenz positiv: 2012 waren fast zwei Drittel der Befragten unzufrieden.

Positiv ist die Tendenz auch bei der Bewertung der Straßen: Seit 2011 wächst der Anteil derer, die den Zustand als gut oder zumindest zufriedenstellend bewerten. Laut der Umfrage von Rosgosstrach sind das heute 56 Prozent. Die mit Abstand schlechtesten Straßen des Landes bieten den Bürgern zufolge Jaroslawl, Saratow und Wladiwostok. Auf dem ersten Platz liegt nach Meinung der Bewohner die tschetschenische Hauptstadt Grosny.

Gesunkenes Vertrauen in regionalen Behörden

Eine negative Tendenz ist bei der Beurteilung der regionalen Behörden zu verzeichnen: 2016 waren nur noch 49 Prozent der Meinung, dass ihre Tätigkeit sich positiv auf das Wohlergehen der Menschen auswirkt – 2014 waren es noch 56 Prozent.

Gleichzeitig veröffentlichte im Juni das Magazin „Russkij Reporter“ sein Rating der lebenswertesten russischen Städte. Hier flossen neben Umfragen allerdings auch statistische Daten über Einkommen, Bevölkerungsentwicklung und Arbeitslosigkeit ein. Dabei landete Tjumen auf dem ersten Platz, Kasan auf dem fünften. Krasnodar, Rostow am Don und Jekaterinburg teilten sich die Plätze zwei bis vier. Moskau und St. Petersburg blieben in diesem Rating außer Konkurrenz.

Moritz Gathmann

 

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