F&E: Sonderkonditionen im ganzen Land

Die Regierung will mehr innovative Unternehmen anziehen. Dazu sollen Förderprogramme, die bislang nur in Sonderwirtschaftszonen gelten, auf das ganze Land ausgeweitet werden.

Von Anne von Loeben und Jakub Sochacki

Warschau, @ VanNouten, via wikimedia

 

Für ausländische Investoren herrscht in Polen zurzeit ein außerordentlich günstiges Investment-Umfeld. Das prognostizierte Wachstum für die nächsten Jahre bis 2021 liegt stabil bei zirka 3 Prozent und ist damit doppelt so hoch wie in der übrigen Eurozone mit rund 1,5 Prozent insgesamt. Als wesentliche Gründe für die Stabilität sind neben einem guten Investitionsklima die steigende Binnennachfrage durch Konsum, aber auch die Verringerung der Arbeitslosigkeit sowie die Stabilisierung der Inflation zu nennen.
Mit einem Anstieg von ausländischen Investitionen in Polen wird in den nächsten Jahren insbesondere aus den nachfolgenden Gründen gerechnet:

Großzügige Förderung von F&E Aktivitäten
Polen setzt künftig seinen Fokus stark auf die Förderung von Projekten der Forschung & Entwicklung (F&E) und fördert die Aktivitäten auf diesem Gebiet in besonderem Maße.
Für solche Investitionen in Polen, die Vorhaben zu F&E betreffen, stehen potenziellen Investoren neben innerstaatlichen Subventionsprogrammen vor allem auch EU-Gelder zur Verfügung sowie weitere EU-Fonds, die Polen durch die EU-Kommission gewährt werden. In Polen gibt es dazu sechs überregionale Programme sowie 16 regionale Programme der jeweiligen Woiwodschaften.
Insgesamt erhält Polen in den Jahren 2014-2020 82,5 Milliarden Euro für Fördermittel seitens der EU. Für die Unternehmer ist bei ihren künftigen Planungen von äußerster Bedeutung zu ermitteln, ob es sich um förderungsfähige F&E-Projekte handelt. Erfahrungsgemäß ist vielen Investoren nicht bewusst, dass es bei einer Vielzahl ihrer geplanten Aktivitäten in Polen um förderungswürdige F&E-Aktivitäten geht. Darüber hinaus haben kleine und mittelständische Unternehmen 2017 die Möglichkeit, zusätzlich 50 Prozent der anfallenden Kosten für Forschung und Entwicklung von der Steuer abzusetzen. Bei Großunternehmen beträgt diese Steuererleichterung 50 Prozent in Bezug auf Brutto-Lohnkosten und 30 Prozent für Investitionskosten.

SWZ-Vergünstigungen in ganz Polen
Außerdem ist kürzlich ein Gesetzesvorhaben in das polnische Parlament eingebracht worden, das die territoriale Beschränkung der erheblichen steuerlichen Vergünstigungen auf lediglich spezielle Gebiete in den Sonderwirtschaftszonen (SWZ) aufhebt und sich diese Vergünstigungen künftig auf Gesamt-Polen erstrecken.
Dies bedeutet, dass für die Ansiedelung eines Betriebes, den Bau eines neuen Werkes oder einer Anlage sowie die Erweiterungen bereits bestehender Investitionen durch die Anschaffung von Maschinen oder Patenten solche Körperschaftsteuergutschriften sowie in einigen Fällen Ausnahmen von der Immobiliensteuer gewährt werden.
Konkret heißt dies für die Unternehmer, dass sie eine Gutschrift auf die Körperschaftsteuer in Höhe bis zu 50 Prozent der Investitionsausgaben oder der Brutto-Lohnkosten der Mitarbeiter in Anspruch nehmen können, die aufgrund der Investitionen innerhalb eines Zeitraumes von zwei Jahren eingestellt werden. Dazu sind jedoch eine genaue Analyse und Prüfung der Situation im Vorfeld sowie eine gute Dokumentation erforderlich.
Ferner können derartige Investitionen in einigen Fällen von der Immobiliensteuer in Polen befreit werden. Die Befreiung von der Immobiliensteuer wird durch individuelle Förderprogramme der jeweiligen Gemeinden festgelegt. Die Gemeinde fasst hierzu einen entsprechenden Beschluss über die Einführung eines solchen Förderprogramms bezüglich  Befreiung von der Immobiliensteuer.

Anne von Loeben ist Rechtsanwältin, Steuerberaterin, Wirtschaftsprüferin bei PwC Düsseldorf und Leiterin Polish Business Group in Deutschland. Jakub Sochacki
ist Senior Consultant in dem State Aid Team in der Steuer- und Rechtsberatung bei PwC Polen.