Russische Airlines auf Deutschlandkurs

Die wirtschaftliche Krise in Russland und der politische Streit mit dem Westen seit 2013 führten dazu, dass die meisten deutschen Airlines ihre Flugverbindungen nach Russland ausdünnten oder ganz einstellten. Nun übernehmen russische Fluggesellschaften das frei gewordene Segment.

Experten rechnen für dieses Jahr mit einer deutlichen Belebung im Auslandsreiseverkehr der Russen. Foto: iStock © anouchka
Experten rechnen für dieses Jahr mit einer deutlichen Belebung im Auslandsreiseverkehr der Russen. Foto: iStock © anouchka

Die Fluggesellschaften Eurowings und Germania hatten sich 2014 ganz aus dem Russland-Geschäft zurückgezogen. Die Verbindungen von Air Berlin hatte die russische Fluggesellschaft S7 übernommen, derzeit geht es mit S7 nach Düsseldorf, Berlin, München und Frankfurt. Und auch die Lufthansa hatte ihre Verbindungen stark ausgedünnt. Die meisten Verbindungen bietet heute Aeroflot: Das russische Flugunternehmen fliegt insgesamt acht Städte an, darunter auch Stuttgart, Hannover, Dresden und Hamburg.

Stabiler Rubel belebt Reiseverkehr

Experten rechnen für dieses Jahr mit einer deutlichen Belebung im Auslandsreiseverkehr der Russen, sowohl aufgrund der wirtschaftlichen Erholung als auch aufgrund des stabilen Rubelkurses. Heute liegt dieser knapp unter 60 Rubel/Euro, vor einem Jahr kostete der Euro über 75 Rubel. Marktführer Aeroflot hatte bereits für 2016 ein Passagierplus von vier Prozent auf seinen deutsch-russischen Strecken gemeldet. Laut „Rosawiazija“, der föderalen Agentur für Lufttransport, sind in den ersten drei Monaten des Jahres die Passagierzahlen um 18,7 Prozent auf knapp 20 Millionen Menschen gestiegen. Den größten Anteil am Wachstum haben dabei internationale Flüge: Allein im Februar wuchs dieses Segment um 30 Prozent. Und auch für die Mai-Feiertage registrieren Reiseportale wie „tutu.ru“ einen deutlichen Anstieg der Buchungen für Flüge nach Europa. Zu den großen Verlierern im Vergleich zum vergangenen Jahr gehören dagegen Simferopol und Sotschi.

UTair, S7 und RusLine erweitern Streckennetz

Seit Mitte April nun fliegt die drittgrößte russische Fluggesellschaft UTair täglich von Moskau nach München. Die Boeing 737 startet um 10:30 Uhr von Wnukowo, zurück geht es ab München um 13:45. Ab 1. Juni wird UTair auch Moskau und Berlin verbinden. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach Flügen zwischen Russland und Deutschland wächst“, erklärte Pawel Permjakow, Direktor von UTair, zur Eröffnung der Verbindung. Ab 1. Juni wird UTair auch täglich von Moskau nach Berlin fliegen.

S7 (Siberian Airlines) fliegt seit letztem Jahr täglich von Moskau nach Berlin. Ab 9. Mai kommen Flüge aus St. Petersburg dazu. Jeweils dienstags, donnerstags und samstags fliegt S7 um 7:45 Uhr mit einer Embraer 170-LR mit 78 Plätzen von St. Petersburg nach Berlin-Tegel, um 9:55 Uhr geht es zurück. Auf der Strecke setzt S7 eine Embraer 170-LR mit 78 Plätzen ein.

Die früher von „Germania“ bediente Strecke zwischen Moskau und Leipzig wird seit dem 3. April von der Fluggesellschaft RusLine bedient. Montags, mittwochs und freitags fliegt die Airline mit einem Bombardier Canadair Regional Jet um 10:30 ab Domodedowo, um 13:20 Uhr geht es zurück.

Flüge für den kleinen Geldbeutel

Auch im Lowcost-Bereich gibt es Bewegung. Schon seit letztem Jahr fliegt „Pobeda“, der zu Aeroflot gehörende Billigflieger, von Moskau nach Köln/Bonn sowie nach Memmingen im Allgäu. Nach Köln/Bonn fliegt Pobeda täglich ab Wnukowo, nach Memmingen Montag und Mittwoch bis Freitag. Ab Oktober plant Pobeda auch den Regionalflughafen Baden-Baden/Karlsruhe anzufliegen.

Die Lufthansa fliegt momentan 14-mal in der Woche von München nach Moskau-Domodedowo und achtmal nach St. Petersburg. Von Frankfurt aus gibt es 28 wöchentliche Verbindungen nach Moskau und 21 nach St. Petersburg. Einem Unternehmenssprecher zufolge plant Lufthansa kurzfristig keine Aufstockung, allerdings werden zum Teil Flugzeuge mit einer größeren Kapazität eingesetzt. mog

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