ADB-Prognose: Solides Wachstum, aber mehr Investitionen in Produktivität notwendig

Dienstleistungssektor und Binnenkonsum werden laut ADB auch künftig das chinesische Wirtschaftswachstum antreiben. © iStock Nikada
Dienstleistungssektor und Binnenkonsum werden laut ADB auch künftig das chinesische Wirtschaftswachstum antreiben. © iStock Nikada

PEKING. Asien bleibt der Motor der Weltwirtschaft und wird auch in diesem Jahr für 60 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums sorgen. So das Fazit der am 6. April veröffentlichten Wirtschaftsprognose der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Die Ökonomen der Bank gehen davon aus, dass die entwickelten Industrieländer in diesem Jahr ihre Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent steigern werden, was immer noch unter dem 2,2-prozentigen Zuwachs des Jahres 2015 liegen wird. Für die 45 asiatischen Staaten sagen sie nach einem Gesamtplus von 5,8 Prozent im vergangenen Jahr für 2017 einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von 5,7 Prozent voraus. Ohne die Länder mit entwickelten Industrien werde das Plus sogar mehr als sechs Prozent ausmachen. Das sich weiter abschwächende Wachstum in  China werde durch stabiles Wachstum in 30 von 45 Ländern der Asien-Pazifik-Region kompensiert, vor allem in Südasien, für das die ADB für 2017 ein Plus von sieben Prozent prognostiziert. Indiens Wirtschaft wird demnach 2017 um 7,4 Prozent wachsen, die Wirtschaft Bhutans sogar um 8,2 Prozent. In Südostasien, wo ein Gesamtwirtschaftswachstum von 4,8 Prozent erwartet wird stechen Myanmar mit einem Wirtschaftsplus von 7,7 Prozent und Kambodscha mit einem Plus von 7,1 Prozent heraus.

Für China rechnet die Asiatische Entwicklungsbank nach einem 6,7-prozentigen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts 2016 für dieses Jahr mit einer Abschwächung des Wachstums auf 6,5 Prozent. 2018 werde es bei 6,2 Prozent liegen. Benedict Bingham, ADB-Direktor in China, schätzte bei der Präsentation der Prognose in Peking diese Entwicklung als „vernünftig“ und den Bedingungen der „Neuen Normalität“ entsprechend ein. Es sei ein „stabiles Wachstum“, das die auf dem 3. Parteiplenum 2013 und im aktuellen Fünfjahresprogramm definierten Strukturreformen ermögliche. Er betonte auch, dass nachlassendes Wachstum in einem Land mit einem Entwicklungsniveau der Wirtschaft, wie es China aufweise, normal sei. Zudem zeige es, dass an die Lösung von Problemen wie Überkapazitäten oder Stabilität des Finanzmarktes gegangen werde.

Am 6. April hat die ADB ihren Asian Development Outlook 2017 in Peking vorgestellt. © ADB
Am 6. April hat die ADB ihren Asian Development Outlook 2017 in Peking vorgestellt. © ADB

Die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres wurde vor allem durch den Dienstleistungssektor vorangetrieben, der inzwischen 52 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Die ADB geht davon aus, dass er neben dem Binnenkonsum auch in den kommenden Jahren Treiber der Wirtschaft sein wird, auch wenn rückläufige Umsätze im Einzelhandel eine andere Einschätzung suggerierten. Der Binnenkonsum werde aber durch Dienstleistungen bestimmt, durch Bildung, Gesundheitsvorsorge und Reisen etwa. Chinesen seien nach wie vor zum Konsum bereit. Ausdruck dafür seien unter anderem eher rückläufige Volumina der privaten Spareinlagen.

Strukturreformen angemahnt

Bei der Präsentation der Prognose mahnte die ADB jedoch, die Strukturreformen zu beschleunigen. Verwiesen wird auf den zu hohen Anteil staatlich gebundener Investitionen, auf die ein Drittel aller Investitionen entfalle. Qualitatives Wachstum kann nur erreicht werden, wenn Investitionen für höhere Produktivität sorgen. Es müsse mehr in die Erneuerung der Produktion investiert werden, anstatt ausschließlich in die Infrastruktur. Dazu müsste nichtstaatlichen Firmen der Zugang zu Krediten erleichtert werden.

Für Hongkong prognostiziert die ADB für die kommenden zwei Jahre wieder einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung. Lag das BIP-Wachstum 2016 bei 1,9 Prozent, könnten es in diesem Jahr zwei und im kommenden Jahr 2,1 Prozent sein. Auch für Taiwan geht die ADB von höherem Wachstum in den kommenden zwei Jahren aus. Nach 1,5 Prozent im vergangenen Jahr werden für 2017 1,8 Prozent vorhergesagt und für 2018 2,2 Prozent. pt

Mehr Außenwirtschaftsnachrichten zu China erhalten Sie in ChinaContact

Zum E-Paper
Zum Abo
Zum Ländernewsletter China