Ford treibt Rumänien nach vorne

Die rumänische Autoindustrie gehört zu den Standorten in Europa, die sich derzeit gut entwickeln. Ein Hersteller, der dem Land wichtige Impulse gibt, ist der US-Riese Ford.

John Oldham ist ein alter Hase bei Ford. Der Manager verfügt bereits über eine Berufserfahrung von rund 35 Jahren und kennt die Herausforderungen und Probleme, die in einer Fabrik plötzlich auftauchen können, aus dem Effeff. Anfang 2016 hat der Geschäftsmann eine neue gewichtige Aufgabe übernommen. Der Werksprofi stieg damals zum Betriebsleiter auf und sollte von da an die Fabrik der US-Amerikaner in der alten Industriestadt Craiova – ganz im Süden Rumäniens – zum Erfolg führen.

Maschinen vs. Menschen

Und jetzt – etwa zwölf Monate nach der Amtsübernahme – beaufsichtigt Oldham bereits ein erstes wichtiges Projekt: Der US-Autogigant, der seit 2008 mehr als eine Milliarde Euro in Rumänien investiert hat, will seinen Betrieb mit 190 weiteren Robotern ausstatten. Grund: Die Maschinen sollen den Hersteller bei der Produktion des Sport- und Nutzfahrzeuges (SUV) „EcoSport“ unterstützen, die im Frühjahr startet. Das Interessante: Dieser Umbau wird in diesem Fall keine Arbeitsplätze kosten. Im Gegenteil: Die US-Amerikaner wollen für dieses Projekt zusätzliche 900 Mitarbeiter einstellen – und zwar sowohl Ingenieure als auch Fabrikarbeiter.

Damit setzt Ford die Modernisierung seines Werkes fort, das für den Konzern in Europa eine strategisch wichtige Bedeutung hat. Im Zentrum steht die schrittweise Einführung von Maschinen. Der Autobauer hatte vor zweieinhalb Jahren schon einmal massive Einschnitte gemacht und die Produktion um ein Fünftel zurückgeschraubt. Grund: Der Minivan „Ford B“ hatte sich doch nicht wie erwartet verkauft. Deswegen setzte der Konzern 680 von den damals 3.200 Mitarbeitern vor die Tür und ersetzte sie durch 320 Roboter. Hier übernahmen die Maschinen die Arbeit der Menschen – anders als jetzt geplant.

Bestes Absatzergebnis seit Beginn

Doch jetzt erholen sich die Geschäfte von Ford in Rumänien langsam wieder. Die US-Amerikaner haben im vergangenen Jahr ein Viertel mehr Fahrzeuge als noch zwölf Monate zuvor verkauft. Wie aus einer Statistik der rumänischen KfZ-Behörde DRPCIV hervorgeht, fanden mehr als 9.500 Wagen einen neuen Eigentümer.

So rangiert Ford beim Verkauf bei allen Herstellern mit einem Marktanteil von acht Prozent auf dem zweiten Platz. 70 Prozent davon waren PKW, der Rest fällt auf die Nutzfahrzeuge. „Wir freuen uns sehr über dieses Resultat“, sagte der General Manager der rumänischen Tochter von Ford, Attila Szabo. Seinen Aussagen zufolge ist dies das beste Ergebnis, das sein Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren erreicht hat.

Hintergrund: Der Europäische Automarkt ist gerade dabei, sich zu erholen. Rumänien gehört zu den Standorten, die das höchste Wachstum bei den Absatzahlen ausweisen. Zusätzlich lockt es immer mehr Investoren ins Land. Insgesamt ist die Stimmung unter den Unternehmen gut.

Zweistelliges Wachstum

Wie die Branchenvertretung European Automotive Manufacturers Association (EAMA) berichtet, registrierten die rumänischen Behörden im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 16,9 Prozent mehr Neuwagen. Damit fanden 95.000 einen neuen Eigentümer. In der gesamten EU stiegen die Volumina hingegen lediglich um 8,6 Prozent auf 14,6 Millionen Wagen.

Ein ähnlicher Trend war zu Jahresanfang zu sehen: So kletterte im Januar 2017 die Zahl der Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21,7 Prozent auf 7.100. Zum Vergleich: Innerhalb der gesamten Gemeinschaft erhöhten sich die Volumina nur um 10,2 Prozent auf mehr als 1,1 Millionen Fahrzeuge. Darüber hinaus schnitten auch die unmittelbaren Konkurrenten in der Region schlechter ab: Die Neuzulassungen in Ungarn wuchsen nur um 15,3 Prozent, während in der Slowakei sogar einen Rückgang um 1,2 Prozent verkraftet werden musste.

Allerdings ist die technische Entwicklung der Hersteller in Rumänien immer noch ziemlich dürftig – allen Erfolgen zum Trotz, die es in der jüngsten Vergangenheit gegeben hat. Statistisch gesehen stellt jeder rumänische Mitarbeiter pro Jahr nur drei Fahrzeuge her. In Spanien, ein Land das technologisch weit entwickelt ist, sind es hingegen 16. sb

Mehr Nachrichten zu MOE finden Sie in unserem OstContact 03/2017

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