DMK investiert in Russland

Gemeinsam mit dem russischen Käseproduzenten RichArt Group plant das größte deutsche Molkereiunternehmen eine Standortvergrößerung sowie eine Diversifizierung der Produktpalette.

Die DKM Group will mit ihrem russischen Partner in Woronesch 20 verschiedene Käsesorten herstellen (c) DKM
Die DKM Group will mit ihrem russischen Partner in Woronesch 20 verschiedene Käsesorten herstellen (c) DKM

Die DMK Deutsches Milchkontor GmbH investiert in ihre Käseproduktion in Russland. Das Molkereiunternehmen hatte in der zweiten Jahreshälfte 2016 eine Mehrheitsbeteiligung an dem russischen Käseproduzenten, der RichArt Group in der Region Woronesch, erworben. Derzeit gehe es darum, die Verarbeitungsmenge im Werk von 200 auf 300-350 Tonnen Milch pro Tag zu erhöhen, heißt es in einer Mitteilung. Über die Höhe der Investitionen sei jedoch noch nicht entschieden worden.

„Westlicher“ Käse aus russischer Herstellung

Die russische Zeitung „Kommersant“ dagegen meldet unter Berufung auf Quellen aus der örtlichen Verwaltung, dass es um eine Investition von 500 Millionen Rubel (8 Mio. Euro) im laufenden Jahr gehe. Allerdings heißt es dort auch, dass die Kapazität auf die Verarbeitung von 300 Tonnen Rohmilch auf 600 Tonnen pro Tag erhöht werden soll. Konkret gehe es dabei um die Käserei „Bobrowskij“. Die Produktion des Standorts soll nicht nur vergrößert, sondern auch diversifiziert werden. Produziert werden sollen in Zukunft über 20 verschiedene Sorten, darunter Maasdamer, Mozzarella, Mascarpone und Käsesorten mit Edelschimmel. Eben diese „westlichen“ Käsesorten werden in den russischen Supermärkten von den Kunden seit 2014 schmerzlich vermisst.

Gegensanktionen haben Exporteure von Milchprodukten getroffen

Denn Hintergrund der Investition sind die Gegensanktionen, die Russland im Jahr 2014 als Antwort auf die vom Westen erlassenen Sanktionen eingeführt hatte. Diese hatten insbesondere die deutschen Exporteure von Milchprodukten – darunter DMK – getroffen.

Allerdings kämpfen die Käseproduzenten in Russland mit dem Mangel an Rohmilch. In vielen Käsesorten, insbesondere im niedrigpreisigen Segment, wird als Ersatz Palmöl verwendet. Trotz der Bemühungen der Regierung fiel die Milchproduktion 2016 um 0,2 Prozent auf gut 30 Millionen Tonnen Rohmilch, auch die Zahl der Milchkühe sank. Derzeit sind in den Gebieten Rjasan, Moskau und Kaluga jedoch mehrere Großprojekte zur Milchproduktion in Planung, die von Investoren aus dem arabischen und asiatischen Raum finanziert werden.

„Made in Russia“ vs. „Made in Germany“

Mit derartigen Problemen dürfte DMK jedoch nicht zu kämpfen haben. Das Unternehmen bezieht in der Region seine Milch von Ekoniva, dem Unternehmen des deutschen Agrarunternehmers Stefan Dürr, im benachbarten Landkreis. Im Bobrowskij-Landkreis, wo die von DMK erworbene Käserei beheimatet ist, will Ekoniva laut „Kommersant“ zwei neue Milchproduktionen mit jeweils 2.800 Kühen aufbauen. Diese könnten pro Betrieb 70 Tonnen Milch pro Tag (24.000 Tonnen/Jahr) produzieren.

Laut DMK ist die Investition Teil der Unternehmensstrategie, die Wertschöpfung national wie international deutlich zu erhöhen. „Wenn man in Auslandsmärkten nachhaltig Erfolg erzielen will, muss man vor Ort präsent sein. Wenn der Vertrieb nur über Dritte läuft, ist die Wertschöpfung im eigenen Unternehmen nicht hoch genug“, erklärt CEO Ingo Müller. Die DMK GROUP gehört mit über 8.300 aktiven Milcherzeugern, rund 7.500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro zu den größten Milchverarbeitern Deutschlands. Bislang produzierte das Unternehmen jedoch fast ausschließlich in Deutschland.

Die Experten sehen die Perspektiven des Engagements von DMK positiv. Allerdings, so gibt etwa Pawel Sigal, Vizepräsident der Unternehmervereinigung „Opora“ zu bedenken, kauften die Russen teuren Käse, der in Russland hergestellt sei, nicht so gerne.

Für DMK muss es also vor allem darum gehen, die Kunden davon überzeugen, dass der in Woronesch hergestellte Käse qualitativ ebenso gut ist wie echter „Made in Germany“.

Dieser Beitrag erscheint in: Russland aktuell 14/2017

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