Wie geht es Russland?

In welchem Zustand geht Russland ins Jahr 2017? Antworten darauf gibt eine im März von der German Trade & Invest (GTAI) und Auslandshandelskammer (AHK Russland) veröffentlichte Publikation (Wirtschaftsdaten im Überblick). Der grundsätzliche Tenor lässt sich so zusammenfassen: Die Talsohle wurde 2016 erreicht, 2017 geht es aufwärts.

Beim Bruttoinlandsprodukt erwartet der IWF für 2017 ein Wachstum von 1,1 Prozent, der russische Wirtschaftsminister Maksim Oreschkin rechnet mit 2 Prozent. Das größte Problem der russischen Wirtschaft verschärft sich jedoch: Der Anteil der verarbeitenden Industrie sinkt immer weiter. Lag er 2014 noch bei 15,6 Prozent, fiel er 2015 auf 14,1 und 2016 auf 13,7 Prozent. Deutlich gestiegen ist in den letzten Jahren dagegen der Anteil des Bereichs Finanzierung, Vermietung und Dienstleistungen: Er lag 2014 noch bei 17,7 Prozent, im letzten Jahr waren es 21,8 Prozent. Wichtigster Bereich der russischen Wirtschaft bleibt mit 24,5 Prozent Handel, Gastgewerbe und Verkehr.

Das russische BIP pro Kopf lag 2016 mit 7.895 Euro etwa auf dem Niveau von 2008. In Deutschland ist das BIP pro Kopf fast fünfmal so hoch. 2013 lag das BIP/Kopf in Russland bei knapp über 11.000 Euro.

Der Außenhandel sank weiter auf 421 Milliarden Euro. Allerdings wuchsen wegen des wieder stabileren Rubelkurses die Einfuhren, und zwar um 3,4 Prozent. Sie liegen mit 164 Milliarden Euro jedoch weit unter den Ausfuhren (257 Mrd. Euro). Unverändert ist der hohe Anteil von Energieträgern am Export: Fast 150 Milliarden Euro entstammen dem Verkauf von Gas und Öl. An Stelle zwei und drei folgen Metall und Metallerzeugnisse (26 Mrd. Euro) und Maschinen und Geräte (22 Mrd. Euro). Beim Import überwiegen mit knapp 78 Milliarden Euro Maschinen und Geräte.

Deutschland bleibt mit 36,6 Milliarden Euro zweitwichtigster Handelspartner, seit 2013 ist das Handelsvolumen jedoch um 20 Milliarden gefallen. Ähnlich groß ist der Rückgang des Handels mit anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden oder Italien. Von knapp 30 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 9,2 Milliarden Euro 2016 ist der Handel mit der Ukraine zurückgegangen. Auch der Handel mit den USA ist seit 2013 gesunken, allerdings nur geringfügig: Von 20,9 auf 18,2 Milliarden Euro im letzten Jahr. Mit China wächst der Handel dagegen seit 2015 wieder und lag im letzten Jahr bei knapp 60 Milliarden Euro.

Die russische Industrieproduktion wächst seit 2016 wieder: Nach einem Einbruch um 3,4 Prozent im Jahr 2015 lag das Wachstum im letzten Jahr bei 1,1 Prozent. Mit 2,5 Prozent hat den Löwenanteil daran allerdings die Förderung von Bodenschätzen. In der verarbeitenden Industrie entwickeln sich einzelne Branchen gut, darunter Chemieproduzenten, die Textilindustrie (beide +5,3%), Kunststoffproduzenten (+5,4%) und Maschinenbauer (+3,8%). Autobauer (-3%) und Metallproduzenten (-2,3%) warten dagegen weiter auf eine positive Wende.

Die Inflationsrate ist 2016 mit 5,4 Prozent wieder zu einem Vorkrisenwert zurückgekehrt. Auch der Rubel hat sich stabilisiert: Zwar ist er nicht auf Vorkrisenniveau zurückgekehrt, hat sich aber inzwischen bei der Marke 60 Rubel/Euro eingependelt. mog

 

Dieser Beitrag erscheint in: Russland aktuell 13/2017

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