Türkei verunsichert deutsche Wirtschaftspartner

Die Türkei ist wirtschaftlich von Deutschland abhängig. Mit seinem Auftreten riskiert der türkische Präsident Recip Tayyip Erdogan eine Verschärfung der Wirtschaftskrise. Deutsche Firmen könnten ihre Aktivitäten in der Türkei zurücknehmen.

Istanbul the connecting continents
Einen Rückzug ausländischer Investoren bremst das Wachstum der geschwächten türkischen Wirtschaft weiter aus.

BERLIN. Der Konflikt zwischen Ankara und Berlin schaukelt sich immer weiter hoch und könnte sogar der türkischen Wirtschaft schaden. Mit seinen provozierenden Äußerungen verunsichert Präsident Recip Tayyip Erdogan zunehmend deutsche und andere europäische Wirtschaftspartner, berichtet die Zeitung Handelsblatt. Dabei ist die Deutsche Wirtschaft ein wichtiger Partner für die Türkei, rund 6.800 deutsche Firmen sind dort tätig. „Die deutschen Unternehmen verlassen zwar nicht das Land, aber sie investieren nicht neu“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Neue Investoren scheuten sich in die Türkei zu gehen. Wenn es mit den Beziehungen der Türkei zu Deutschland und der EU weiter so bergab gehe wie zuletzt, könne das nur „die Ruhe vor dem Absturz“ sein, so Treier.

Türkischer Wirtschaftsmotor stottert

Der türkische Wirtschaftsmotor stottert schon jetzt: Bereits im vergangenen Jahr brachen die Auslandsinvestitionen in die Türkei um knapp ein Drittel ein, die Wirtschaftsleistung schrumpfte um 1,8 Prozent im dritten Quartal und die Arbeitslosenquote lag zudem über 12 Prozent. Dennoch ist die türkische Regierung bemüht, weiter um ausländische Investoren zu werben. Deutschland zählt neben Großbritannien und den Niederlanden zu den größten Auslandsinvestoren und ist für die Türkei ein wichtiger Handelspartner.

Weniger Touristen bringen Devisen

Rund zehn Prozent der türkischen Exporte im Wert von 14 Millionen Euro gehen nach Deutschland. Davon gehören Textilien und Lebensmittel zu den wichtigsten Ausfuhrartikeln. Dagegen steht die Türkei als Handelspartner für die deutsche Wirtschaft an 13. Stelle. Das Ungleichgewicht in den Handelsbeziehungen macht die Abhängigkeit der Türkei von den aus Deutschland importierten Gütern deutlich: Maschinen, Elektrotechnik sowie Chemieerzeugnisse lassen sich schwieriger aus anderen Ländern einführen. Auch der Tourismus als größter Devisenbringer brach vor dem Hintergrund mehrerer Terroranschläge ein. Mit 25 Millionen kamen 2016 zehn Millionen weniger Reisegäste in die Türkei als im Vorjahr. Laut dem Marftforschungsinstitut GfK setzte sich dieser negative Trend Anfang dieses Jahres fort.

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Foto:  iStock © Guner_Gulyesil

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