Deutscher Osthandel legt weiter zu

Im Osthandel wurde 2016 der stärkste Exportanstieg seit vier Jahren verzeichnet.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft hat Anfang März Zahlen zum Osthandel für das Gesamtjahr 2016 veröffentlicht.

BERLIN. Erstmals seit vier Jahren sind die deutschen Ausfuhren nach Osteuropa stärker gestiegen als der deutsche Export insgesamt, meldete der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft Anfang März. Während der Export insgesamt um nur rund 1,0 Prozent zulegte, stiegen die deutschen Ausfuhren in die vom Ost-Ausschuss betreuten Länder um fast 4 Prozent auf 53,9 Milliarden Euro. Die Importe in diese Länder sanken dagegen um 2,6 Prozent auf 55,2 Milliarden Euro. „Entscheidend für den Aufschwung der deutschen Ost-Exporte sind zwei Faktoren: Die Nachfrage aus Südosteuropa ist ungebrochen stark und Russland findet langsam den Weg aus der tiefen Wirtschaftskrise“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Büchele.

Exportwachstum in Südosteuropa und Ukraine

Die größten Exportzuwächse wurden im Handel mit der Ukraine (+18%), Kroatien (+12%) und Rumänien (+11%) verzeichnet. „Rumänien integriert sich immer stärker in den EU-Binnenmarkt“, sagte Büchele. Ähnliches gelte für Kroatien. Zudem gebe es gute Nachrichten auch aus der Ukraine: „Die Ukraine meldet sich nach zwei schweren Rezessionsjahren als Wachstumsmarkt zurück, das Interesse in der deutschen Wirtschaft zieht langsam an“, so Büchele. „Nicht nur unsere Exporte in das Land, auch unsere Importe von dort sind 2016 mit einem Plus von 6,5 Prozent deutlich gestiegen.“

Russland findet aus der Krise

Entscheidend für die positive Jahresbilanz sei zudem, dass der deutsche Export nach Russland in der zweiten Jahreshälfte 2016 die Kehrtwende geschafft habe: „Unsere Lieferungen nach Russland lagen im Gesamtjahr bei 21,6 Milliarden Euro und damit nur noch 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Setzt sich der positive Trend der vergangenen Monate fort, wird 2017 ein Zuwachs von fünf Prozent erreichbar sein“, schätzt Büchele. Die gegenseitigen Wirtschaftssanktionen seien jedoch weiterhin eine spürbare Bremse. Außerdem verringere die verstärkte russische Politik der Importsubstitution die Nachfrage aus Russland. Daher sei mit einer Erholung der deutschen Russland-Exporte auf alte Bestmarken in den kommenden Jahren nicht zu rechnen.

Weiterhin schwierig sei allerdings die Lage in einigen Nachbarländern Russlands, etwa in Belarus, Kasachstan und Aserbaidschan. In diesen Ländern wurden 2016 zweistellige Einbrüche bei den deutschen Ausfuhren verzeichnet. „Gemessen an der Entwicklung bis zum Sommer 2016 sind aber auch hier Hoffnungsschimmer zu erkennen“, sagte Büchele. Bei Kasachstan und Belarus habe sich in den vergangenen Monaten der Handel etwas belebt.

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