Spagat zwischen Industrialisierung und ökologischer Entwicklung

Der "Nachzügler" Zhanjiang hat seine Industrialisierungsoffensive gestartet. © Peter Tichauer
Der „Nachzügler“ Zhanjiang hat seine Industrialisierungsoffensive gestartet. © Peter Tichauer

von Peter Tichauer

Zhanjiang im äußersten Südwesten der Provinz Guangdong, südlichste Stadt auf dem chinesischen Festland, gehörte zwar zu den 1978 ersten geöffneten Städten Chinas, hat aber die Entwicklung der vergangenen 30 Jahre ein wenig „verschlafen“. Jetzt setzt Zhanjiang zum „großen Sprung“ an.

Breite von Palmen gesäumte Alleen. Kilometerlange weiße Strände. Vom blauen Meer weht eine leichte Brise. An der Haibin-Allee sind die alten französischen Kolonialbauten herausgeputzt und erstrahlen im neuen Glanz. Cafés laden zum Verweilen ein, Boutiquen zum Shoppen. Moderne Wolkenkratzer aus Glas und Stahl strecken sich dagegen nahe dem Hongzui‘ou-Kreuzfahrt-Terminal in den Himmel. Dichtes Gewimmel in den Gassen der Altstadt. Zhanjiang, die südlichste und einzige tropische Stadt auf dem chinesischen Festland, im äußersten Südwesten der Provinz Guangdong gelegen und von drei Seiten vom Meer umgeben, gleicht einem Paradies, das inzwischen auch viele Nordchinesen für sich entdeckt haben, die hierher kommen, um der winterlichen Kälte des Nordens zu entfliehen. Fast 34 Millionen Touristen, einheimische in erster Linie, wurden 2016 gezählt, knapp 18 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit macht Zhanjiang der südlich gelegenen und immer teurer werdenden Insel Hainan zunehmend Konkurrenz. Bürgermeister Wang Zhongbing nennt seine mehr als acht Millionen Einwohner zählende Stadt einen Garten und verweist auf die gute Luftqualität: Bei den PM2.5-Werten liegt Zhanjiang landesweit mit einem Durchschnitt von lediglich 26 unter den zehn führenden Städten. Smogperioden, die im Norden Chinas immer wieder zu Unmut unter der Bevölkerung führen, kennt Zhanjiang nicht. Dabei soll es auch in Zukunft bleiben, so der Bürgermeister, der dennoch alles daransetzt, dass die Stadt mehr wird als nur ein paradiesischer Garten. Er will Zhanjiang zu einem industriellen Zentrum machen, das den Städten im Perlflussdelta Konkurrenz sein kann und für ausländische Investoren attraktiv ist. Ein Spagat ist das, weiß auch Wang Zhongbing, der sagt: „Wir haben den Vorteil der Nachzügler. Wir können von den Erfahrungen der anderen profitieren und wir wissen, worauf es ankommt.“

Zhanjiang will sich zu einem industriellen Zentrum entwickeln, das mit Städten im Perlflussdelta konkurrieren kann und attraktiv für ausländische Investoren ist. © Peter Tichauer
Zhanjiang will sich zu einem industriellen Zentrum entwickeln, das mit Städten im Perlflussdelta konkurrieren kann und attraktiv für ausländische Investoren ist. © Peter Tichauer

„Nachzügler“ sucht Anschluss
Ein „Nachzügler“ ist Zhanjiang im besten Sinne des Wortes. Denn die Stadt, in der auch die südpazifische Flotte Chinas ihren Stützpunkt hat, gehörte zu den ersten geöffneten Städten, als Deng Xiaoping 1978 seine Reform- und Öffnungspolitik begann, die China einen enormen Zufluss an ausländischen Investitionen bescherte und die der Ausgangspunkt für den Aufstieg des Landes zu einer der führenden Wirtschaftsmächte in der Welt war. Wie viele andere der geöffneten Städte hat aber auch Zhanjiang die Entwicklung „verschlafen“. Nennenswerte Investitionen kann die Stadt nicht aufweisen. Der Bürgermeister tut sich sogar schwer damit, ein Volumen ausländischer Investitionen zu benennen oder welchen Anteil sie am Bruttosozialprodukt haben, das im vergangenen Jahr bei 238 Milliarden Yuan lag, etwa 35 Milliarden Euro. Immerhin produziert die Liechtensteiner Hilti-Gruppe seit einigen Jahren metallische Verankerungen in Zhanjiang, hat dort auch ein Entwicklungszentrum für den südostasiatischen Raum. Die SGD-Gruppe aus Frankreich stellt in Zhanjiang Glasampullen für die Pharma- und Duftindustrie her. Außerdem versorgen Coca Cola und Pepsi Cola aus der Stadt den Südwesten des Landes.

„Wir haben den Vorteil der Nachzügler. Wir können von den Erfahrungen der anderen profitieren und wir wissen, worauf es ankommt.“

Investoren zog es eher ins Perlflussdelta, wo an der Grenze zu Hongkong aus dem verschlafenen Fischerdorf Shen­zhen eine Stadt wuchs, die zum Inbegriff der chinesischen Reformen wurde – mit einer Sogwirkung für die Entwicklung vor allem im östlichen Perlflussdelta. Zhanjiang, das in alten Zeiten ein Ausgangspunkt der maritimen Seidenstraße war und wo Franzosen nach den Opiumkriegen einen Freihafen erzwangen, konnte da nicht mithalten. Zu weit ab vom Schuss war es gelegen. In die Entwicklung der lokalen Industrie wurde investiert, und auch die Infrastruktur wurde erst in den vergangenen Jahren so richtig in Angriff genommen. Inzwischen ist die Stadt gut an das Autobahnnetz angeschlossen, fünf weitere Autobahnen, Verbindungen in zentral- und westchinesische Provinzen, sind im Bau und sollen spätestens 2021 fertiggestellt werden. Der kleine Flughafen der Stadt platzt aus allen Nähten. Mit dem Bau eines neuen mit einer Jahreskapazität von fünf Millionen Passagieren wurde vergangenes Jahr begonnen. 2019 soll er den Betrieb aufnehmen. Und spätestens 2018 werden die Zhanjianger an das landesweite Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen sein. Die erste Strecke wird Zhanjiang mit Shenzhen verbinden, wobei sich die Fahrtzeit von heute sechs auf zwei Stunden verkürzt. Geplant sind zudem Strecken nach Hainan und in die Provinzen im Westen. Liu Bing, der in der Stadtregierung für Infrastrukturvorhaben verantwortlich ist, beziffert die im Zeitraum des laufenden Fünfjahresprogramms geplanten Investitionen für den Ausbau der Infrastruktur mit 1.000 Milliarden Yuan, knapp 136 Milliarden Euro.

Der weitere Ausbau des Hafens Zhanjiang ist beschlossene Sache. © Zhanjiang Port Authority
Der weitere Ausbau des Hafens Zhanjiang ist beschlossene Sache. © Zhanjiang Port Authority

Und schließlich ist da noch der Hafen mit seinem natürlichen Tiefwasserbecken. 1956 war es der erste Hafen, den China nach der Gründung der Volksrepublik neu gebaut hatte, der erste große Frachter, der dort festmachte, war ein Schiff aus Polen. Allerdings hat der Hafen, über den bisher vor allem Rohstoffe – Erz, Kohle, Rohöl, aber auch Düngemittel und Chemikalien – transportiert werden, lange im Schatten der anderen Häfen in der Provinz Guangdong gestanden. 256 Millionen Tonnen Schüttgut wurden 2016 dort umgeschlagen, knapp 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor und 33 Prozent mehr als im Jahr 2012, als der Hafen beim Schüttgutumschlag die Nummer 16 in China war. Heute liegt er an elfter Position. Seit knapp einem Jahr liegen die Geschicke des Hafens in den Händen von Qu Jiandong. Der Vizepräsident der Zhanjiang Port (Group) Co., Ltd. will den Hafen im chinaweiten Ranking weiter nach vorn bringen und glaubt, dass er vom West-Trend profitieren wird. Vor allem für die südwestchinesischen Provinzen, die in den vergangenen Jahren zu einer wirtschaftlichen Aufholjagd angesetzt haben, soll Zhanjiangs Hafen mit einem verbesserten Dienstleistungsangebot zu dem Tor zur Welt werden. Der weitere Ausbau des Hafens ist beschlossene Sache: Insbesondere die Kapazitäten im Containerverkehr sollen in den kommenden Jahren erweitert werden. 2016 wurden 720.000 TEU umgeschlagen, wobei Qu Jiandong von einer jährlichen 20-prozentigen Steigerung ausgeht. Bis Ende 2020 soll die Fahrrinne deshalb vertieft werden, damit auch Superfrachter von bis zu 400.000 Tonnen anlegen können. Hier setzt der Hafenmanager auf die Zukunft: „Wenn deutsche Autobauer noch stärker den Westen und Südwesten Chinas als Markt entdecken und hier Werke aufbauen, würde der Containerverkehr bei uns an Schwung gewinnen.“ Qu Jiandong ist jedenfalls überzeugt, dass die Investitionen in die Container-Kapazitäten eine Investition in die Zukunft Zhanjiangs sind.

Industrialisierungsoffensive
Immerhin hat die Stadt bereits ein Stahlwerk mit einer der modernsten Warm- und Kaltwalzstraßen, das den Autobauern hochwertige Bleche liefern kann. Die Baosteel-Tochter hat nach dreijähriger Bauzeit 2015 den Betrieb aufgenommen und im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Tonnen Feinblech produziert. In diesem Jahr sollen es acht Millionen Tonnen werden.  Nur ein geringer Teil davon geht in den Export, vor allem nach Südostasien und Indien: 2016 waren es 100.000 Tonnen, in diesem Jahr sollen es doppelt so viel werden.

Es scheint fast so, dass es die Überkapazitäten in der chinesischen Stahlindustrie gar nicht gibt. „Die gibt es sehr wohl“, meint der Vorstandsvorsitzende der Baosteel Zhanjiang Iron & Steel Co., Ltd., Sheng Genghong, sagt aber, es sei nur eine Strukturfrage. Zum einen gebe es nicht genug Angebot hochwertiger Erzeugnisse, wie sie in seinem Werk vom Band laufen. Zum anderen reiche das Angebot in Südchina anders als im Norden längst nicht aus. Es sei ja auch aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll, die Stahlerzeugnisse durch das ganze Land dorthin zu transportieren, wo es den Bedarf gibt. Alte Anlagen durch moderne zu ersetzen und diese dort aufzubauen, wo der Stahl benötigt wird, das sei der richtige Weg, um strukturelle Ungleichgewichte zu beseitigen, auch Überkapazitäten.

Das Baosteel-Stahlwerk in Zhanjiang arbeitet mit neuester Technologie. © Peter Tichauer
Das Baosteel-Stahlwerk in Zhanjiang arbeitet mit neuester Technologie. © Peter Tichauer

Insgesamt wurden in das Werk 50 Milliarden Yuan, knapp sieben Milliarden Euro, investiert, wobei laut Sheng Genghong 12,5 Prozent der Investitionen in Maßnahmen und Ausrüstungen für den Umweltschutz flossen. Er erklärt, sich unter anderem in Deutschland und Japan genauestens über die neuesten Trends informiert und diese in seinem Werk umgesetzt zu haben. „Wir haben die Normen höher gesetzt, als sie derzeit im Weltmaßstab üblich sind“, fügt er mit sichtlichem Stolz an. In der Tat: Das Zhanjianger Stahlwerk ist keine Dreckschleuder wie sie oft noch an vielen Standorten im Norden Chinas zu sehen sind. Das Gelände gleicht einer grünen Oase, die Hallen sind blitzsauber. Und die Anlagen entsprechen dem neuesten Stand der Technologie, wobei ein Teil von der deutschen SMS group geliefert wurde, worauf Zhanjiangs Bürgermeister nicht nur stolz ist, sondern auch großen Wert gelegt hat. Er hat zu dem Düsseldorfer Unternehmen eine besondere Bindung. Dort hat Wang Zhongbing während seiner Promotion ein Jahr gearbeitet. Im Übrigen sei das Stahlwerk der Beweis für seine Aussage vom „Vorteil der Nachzügler“. Holland und auch Singapur hätten es vorgemacht, dass allgemein als umweltverschmutzend geltende Branchen auch sauber produzieren können. „Das ist nur eine Frage des Managements und wie Verantwortung wahrgenommen wird“, fügt er an und sagt: „Nein, unsere Ziele der industriellen Entwicklung und der Schutz der Umwelt müssen kein Widerspruch sein.“

ChinaContact-Chefredakteur Peter Tichauer im Gespräch mit Zhanjiangs Bürgermeister Wang Zhongbing © Deng Shan
ChinaContact-Chefredakteur Peter Tichauer im Gespräch mit Zhanjiangs Bürgermeister Wang Zhongbing © Deng Shan

Stahlerzeugung, Papierproduktion und Erdölverarbeitung sind für Wang Zhongbing die Branchen, mit denen er Zhanjiangs Industrialisierungsoffensive vorantreiben will. 2019 soll eine ursprünglich als Joint Venture mit Kuwait geplante Raffinerie, eine Tochtergesellschaft der Sinopec Corp., ihren Betrieb aufnehmen und eine Jahreskapazität von zehn Millionen Tonnen haben. Dazu sollen dort jährlich 800.000 Tonnen Äthylen produziert werden. Der Vizepräsident des Unternehmens, Zeng Song, sieht vor allem im bisher weniger entwickelten Westen der Provinz Guangdong Bedarf für seine 
Produkte und hofft, dass auch Unternehmen wie die deutsche BASF das Potenzial des Standortes erkennen.

Zhanjiangs neue Industriezone entsteht auf der vorgelagerten Insel Donghai (东海), die mit rund 300 Quadratkilometern Fläche die fünftgrößte Chinas ist – laut Bürgermeister Wang weit genug vom Stadtzentrum entfernt, damit Zhan­jiang auch künftig ein Garten mit guter Luft bleiben kann. Aber allein auf die großen Industrien wollen sich die Zhanjianger auch nicht verlassen. Ihnen ist bewusst, dass Industrie einen starken Dienstleistungssektor braucht. Das ist die Domäne von Li Xuan, der stellvertretenden Bürgermeisterin des Bezirks Potou, der vom Stadtzentrum Zhanjiangs durch eine Bucht getrennt ist, die die Zhanjianger Meer (Hai – 海) nennen. Östlich des Meeres, also in Haidong (海东), entsteht derzeit der neue Haidong-Bezirk, der in nicht allzu weiter Ferne zum „Pudong des Südens“ werden soll und in der ersten Phase eine Fläche von 22 Quadratkilometern einnehmen wird. Die Skyline sollen nicht weniger als 70 Wolkenkratzer prägen, erzählt Li Xuan. Handelseinrichtungen, Banken, Messe- und Kongresszentren wird es hier geben, selbstverständlich auch Hotels und Wohnviertel. Unternehmen aus der Logistik sollen sich hier mit regionalen Headquartern ansiedeln, auch Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Zudem sehen die Planungen Industrieflächen für Produktion am oberen Ende der Wertschöpfungskette vor, für Biopharmazie und erneuerbare Energien.

Wir wollen deutsche Investitionen
Bisher ist Zhanjiang vor allem durch Leichtindustrie geprägt. Hier werden Möbel hergestellt und elektrische Haushaltsgeräte wie Wasser- und Reiskocher. Fast 80 Prozent der elektrischen Reiskocher, die weltweit angeboten werden, stammen aus Zhanjianger Fabriken. 110.000 Kocher verlassen im Jahr die Fabriken. Außerdem ist die Lebensmittelindustrie stark in der Stadt, insbesondere die Verarbeitung von Meeresfrüchten, wobei ein Großteil davon auch in den Export nach Europa geht.
Wang Xiaosui, die Leiterin des Zhanjianger Handelsbüros, sagt ganz klar: „Wir wollen deutsche Investitionen.“ Ihre Mitarbeiter erzählen, wenn Reisen nach Europa geplant werden wolle der Bürgermeister eigentlich nur nach Deutschland fahren. Seit 2015 hat die Stadt in Karlsruhe auch ein Büro, das für die Standortwerbung in Europa sorgt. Bürgermeister Wang denkt nicht nur an die drei Schwerpunktindustrien, die er in Zhanjiang entwickeln will. Gerade für kleinere deutsche Unternehmen sieht er auch gute Chancen in den traditionellen Industriezweigen seiner Stadt. „Warum sollten sich nicht deutsche mittelständische Unternehmen mit Zhanjianger Firmen zusammentun, um gemeinsam bei elektrischen Haushaltsgeräten neue innovative Lösungen zu finden und zu vermarkten?“

Tobias Urban, der das Zhanjiang-Büro in Karlsruhe leitet, stellt allerdings fest, dass der Standort deutschen Firmen bisher kaum bekannt ist. Die Mittelständler, die neu nach China gehen, ziehe es eher in die großen Wirtschaftszentren, nach Peking oder Shanghai. Oder ins Perlflussdelta, das in Guangdong als Standort eine „Übermacht“ habe. „Aber auch dort sind nur knapp mehr als zehn Prozent aller deutschen Unternehmen, die in China investiert haben.“ Zhanjiang könne seiner Ansicht nach jedoch von den Trends im Perlflussdelta profitieren. „Die klassische Produktion ist nicht mehr gefragt, dort geht es nur noch um Hightech und Dienstleistungen.“ Firmen in der Region, die an eine Expansion oder Verlagerung denken, sollten ihren Blick nach Zhanjiang richten, meint Tobias Urban, der auf die inzwischen gut ausgebaute Infrastruktur verweist, das Reservoir gut ausgebildeter Fachkräfte, die lieber in ihrer Heimat arbeiten wollen als in der Ferne, sowie auf die hohe Lebensqualität. Zudem gebe es in Zhanjiang anders als vielerorts im Perlflussdelta ausreichend gut erschlossene Industrieflächen. Die Stadt stehe aber im Wettbewerb mit vielen anderen, meint der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Kanton, Jens Hildebrandt. „China hat viele schöne Töchter“, sagt er, niedrige Produktionskosten seien für deutsche Firmen heute kein entscheidendes Ansiedlungskriterium mehr. Sie schauten nach Märkten und Kunden, und nach industriellen Clustern. „Ein Standort mit klaren Schwerpunktbranchen und der Kenntnis der eigenen Vorteile hat die besten Entwicklungsmöglichkeiten.“ So ähnlich sieht es auch Tobias Urban: „Der Stadt fehlen Investitionen großer Unternehmen mit Magnetwirkung, die Zulieferer und Kunden anziehen und positiv zur Entwicklung lokaler Cluster-Strukturen beitragen.“ Beispielhaft nennt er die Investition von BMW in Shenyang. Bürgermeister Wang scheint jedenfalls erkannt zu haben, was Jens Hildebrandt meint, indem er auf Stahlverarbeitung, Petrochemie und Papierindustrie setzt. Wenn daraus zukunftsweisende Cluster mit nachgeordneten modernen Industrien entstehen, könnte Zhanjiang tatsächlich zu einem internationalen Standort aufsteigen.

„Der Stadt fehlen (noch) Investitionen großer Unternehmen mit Magnetwirkung, die Zulieferer und Kunden anziehen und positiv zur Entwicklung lokaler Cluster-Strukturen beitragen.“

Voraussetzung für internationale Ansiedlungen ist allerdings auch, dass die Stadt ein internationales Umfeld bietet. Eine internationale Schule gibt es beispielsweise noch nicht. Selbstverständlich müssen Angebot und Nachfrage Hand in Hand gehen und es ist nicht sinnvoll, internationale Schulen zu gründen, wenn gar kein Bedarf vorhanden ist. Umdenken sollte Wang Zhongbing aber doch. Denn er sagt, China habe heute wirtschaftlich einen so großen Einfluss, dass ausländische Spezialisten gar nicht wollten, dass ihre Kinder in ausländische Schulen gehen. „Sie sollen Chinesisch lernen, die Sprache der Zukunft.“ Da mag ja etwas dran sein. Chinesisch zu lernen, ist keinesfalls verkehrt. Doch wollen die Ausländer ihre Kinder wirklich in chinesische Schulen schicken?

Dieser Beitrag ist erschienen in: ChinaContact 03/2017

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