Unser Kopf in … der Ost-Logistik

Eine Osteuropa-Spedition aus dem Ruhrpott und geheimdienstliche Tätigkeit im Namen ihrer Majestät? Was zunächst wie ein abgebrochener Witz klingt, hat einen wahren Hintergrund: Einer der ersten Gesellschafter des traditionsreichen Transporteurs LOXX aus Gelsenkirchen hieß tatsächlich Bond, James Bond.

Von Sebastian Becker

LOXX-Gründer Günter Weber

Eine Osteuropa-Spedition aus dem Ruhrpott und geheimdienstliche Tätigkeit im Namen ihrer Majestät? Was zunächst wie ein abgebrochener Witz klingt, hat einen wahren Hintergrund: Einer der ersten Gesellschafter des traditionsreichen Transporteurs LOXX aus Gelsenkirchen hieß tatsächlich Bond, James Bond. „Im Jahr 1977 kam er zu uns“, amüsiert sich Günter Weber, der Mitgründer des Unternehmens heute immer noch darüber. „Dieser Name hat uns in Osteuropa viele Türen aufgemacht, weil sich die Kunden einfach dafür interessierten“, erklärt Weber. „Allerdings hat Bond uns nur ein knappes Jahr später verlassen.“ Aber auffällige Namen allein reichten in der Logistik natürlich ohnehin nicht aus, um gute Geschäfte zu machen. „In erster Linie muss man ein gutes Produkt haben, das man zu einem adäquaten Preis anbietet“, erläutert der Manager.

 

Mittelständler müssen in Russland verlässliche Partner sein.

Einer der Ersten in Polen
Weber ist ein Urgestein im Osteuropa-Handel. Sein Unternehmen LOXX zählt zu den etablierten deutschen Firmen, die schon seit mehr als zwei Jahrzehnten auf diesen schwierigen Trassen fahren. Der mittlerweile 66-Jährige gehört zu den ersten deutschen Transporteuren, die in den frühen Neunzigern den Mut hatten, in diesem Teil des Kontinents ihr Geld zu verdienen. Seit anderthalb Jahren hat er sich zwar schon aus dem operativen Geschäft von LOXX zurückgezogen. Doch er ist immer noch viel unterwegs und sein Wort hat in der Branche hohes Gewicht – nicht zuletzt weil er sich auf einen Erfahrungsschatz stützen kann, der in diesem Umfang selten ist.
Kurz nach der politischen Wende, waren die Bedingungen für Unternehmer in diesen Ländern noch nicht so geordnet wie im Westen. Wer dort sein Glück versuchte, galt als Abenteurer. Genau diesen Mut hatte Weber damals – anders als viele Kollegen, die weiterhin ihre Transporte in Frankreich, Italien oder anderen westlichen Märkten fuhren. „In den Osten des Kontinents haben sich nur wenige getraut, weil die Handelsbedingungen wesentlich schwieriger waren“, sagt Weber. Damals habe Osteuropa direkt hinter dem DDR-Kontrollpunkt Helmstedt/Marienborn begonnen. „Sich auf der Leipziger oder auf der Posener Messe zu präsentieren, war damals noch recht mühsam“, erklärte der Spediteur. „Wer damit aber umgehen konnte und Ausdauer hatte, war in der Lage, rentabel zu wirtschaften“, führt der Manager weiter aus.
1990 gründete Weber die Firma Tisza-Trans für Südosteuropa-Verkehre, die inzwischen in der LOXX-Gruppe aufgegangen ist. Im selben Jahr hob er die polnische Tochter in Warschau aus der Taufe, die mittlerweile auch über Niederlassungen in Poznan (Posen) und Katowice (Kattowitz) verfügt. Doch konzentrierte Weber sich dann nicht nur auf seine eigenen Geschäfte, sondern wollte mit anderen Unternehmern in Polen gemeinsam den Markt entwickeln. So gehörte er fünf Jahre später zu den Gründungsmitgliedern der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK Polen) in der polnischen Hauptstadt.
Ein wichtiges Geschäft in Russland folgte dann später: Ab 2010 bot LOXX  Stückgut-Direkt-Verkehre nach Sibirien an. Im Föderationskreis Wolga, in der Region Ural sowie in Sibirien unterhält das Unternehmen insgesamt 14 Zielstationen. In Russland und anderen osteuropäischen Ländern hat sich die politische Lage zwar schon sehr verbessert, doch funktionieren diese Märkte immer noch nach ihren eigenen Gesetzen – und die kennt der LOXX-Gründer besonders gut. „In Russland spielt noch der persönliche Kontakt eine Rolle“, nennt der Spediteur einen wichtigen Grundsatz, um dort Geschäfte zu machen. Da unterscheide sich der Markt grundsätzlich nicht von Polen.

Polen hat sich anders als Russland entwickelt
Zwischen 1990 und 2004 – also bis zum EU-Beitritt – waren die geschäftlichen Bedingungen in beiden Ländern ähnlich. Für die ausländischen Unternehmen war wichtig, dass sie bei der Zollabfertigung eine Person hatten, die sie kannten. Die Transporteure fuhren damals immer an dasselbe Zollamt. Dann trat Polen der EU bei und vieles wurde einfacher. Der Markt konnte sich anders entwickeln als Russland, wo politische Eingriffe durch den Staat und die Regierung auch nach der Wende weiterhin eine Rolle spielen.
„Hier ist es für Mittelständler besonders wichtig, vor Ort Partner zu finden, die verlässlich sind und die nach denselben Qualitätsstandards arbeiten wie wir“, rät Weber. „Da sind wir mit unserem jetzigen Partnerunternehmen OOO Alfa Trans, das bei der westrussischen Stadt Smolensk eines der modernsten Zollterminals in Russland betreibt, sehr zufrieden.“Doch das sei bei weitem nicht alles: Ein deutsches Unternehmen müsse unbedingt ausdauernd sein und dürfe nicht dieselbe Messlatte an das Russlandgeschäft legen wie an Transporte im Westen. „Wir haben ein potenzielles Geschäft gesehen und dafür eine Strategie beziehungsweise einen Plan entwickelt, wo wir uns bestimmte Ziele gesetzt haben“, sagte der Spediteur. „Allerdings haben wir dann nicht sklavisch daran festgehalten, weil Russland und andere osteuropäische Märkte ihre eigenen Gesetze haben“, erklärt er. „Einfach zu sagen, wir wollen im kommenden Jahr 15 Prozent mehr Umsatz generieren, ist dort oft nicht möglich“, weiß Weber.

Foto: LOXX, Günter Weber