Russische Wirtschaft kommt aus der Krise

BERLIN. Nach zwei Rezessionsjahren in Folge kommt die russische Wirtschaft 2017 langsam aus der Krise: Das unternehmerische Umfeld und die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen im Russland-Geschäft hätten sich trotz der gegenseitigen Wirtschaftssanktionen zuletzt spürbar verbessert.

Moscow City – Das internationale Business-Center liegt am linken Moskwa-Ufer.

Zu diesem Ergebnis kommen der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) in ihrer gemeinsamen Geschäftsklima-Umfrage, die der stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Schäfer, der DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier und der Vorstandsvorsitzende der AHK Matthias Schepp heute in Berlin vorstellten. An der Umfrage haben sich 190 Unternehmen beteiligt.

Phase rückläufiger Ausfuhren durchschritten

„Eine mehr als zweijährige konjunkturelle Durststrecke steht vor dem Ende, die russische Wirtschaft lässt das Tal der Tränen hinter sich“, sagte der stellvertretende Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Schäfer in Berlin mit Blick auf die Ergebnisse der Umfrage. Mehr als zwei Drittel der Befragten erwarte für 2017 eine positive Entwicklung der russischen Wirtschaft. In der Vorjahresumfrage waren es zwei Prozent. „Die deutschen Unternehmen in Russland sind deutlich optimistischer in das neue Jahr gestartet. Das Geschäftsklima im Land hat sich nach zwei Krisenjahren deutlich verbessert“, kommentierte Matthias Schepp, der Vorstandsvorsitzende der AHK Russland.
DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sieht hierin auch einen wirtschaftspolitischen Erfolg: „Russland ist der deutschen Wirtschaft in den letzten drei Jahren als Handelspartner fast abhandengekommen. Der Export hat sich seit 2013 fast halbiert. Immerhin ist die Phase rückläufiger Ausfuhren jetzt aber durchschritten. Es trägt wirtschaftlich erste Früchte, dass Politik und Wirtschaft trotz Sanktionsregimes die Gesprächskanäle immer offen gehalten haben“, so Treier.

Einstellungs- und Investitionsbereitschaft steigt

Vor diesem Hintergrund zeigen sich die deutschen Unternehmen wieder einstellungs- und investitionsbereiter: 40 Prozent der befragten Firmen gehen davon aus, künftig mehr Mitarbeiter in Russland zu beschäftigen. Immerhin ein Drittel der Unternehmen will in den nächsten zwölf Monaten in Russland investieren.
Positive Impulse sind auch für den bilateralen Handel zu erwarten: „Die wirtschaftliche Belebung in Russland gibt dem deutschen Export Auftrieb“, sagte Ost-Ausschuss-Vize Schäfer. „Insgesamt rechnen wir für 2017 mit einem Anstieg der deutschen Exporte nach Russland von mindestens fünf Prozent.“
Wie schon in den Vorjahren halten die befragen Unternehmen die Land- und Ernährungswirtschaft für die wachstumsstärkste Branche in Russland.
Probleme sehen deutsche Unternehmen im wachsenden Druck zur Lokalisierung und Importsubstitution. Am häufigsten spürten sie Nachteile bei öffentlichen Ausschreibungs- und Genehmigungsverfahren und in Form von Einfuhrbeschränkungen. Zwei Drittel der befragten Unternehmen sehen sich von protektionistischen Maßnahmen betroffen.

Keine schnelle Lockerung der Sanktionen erwartet

Bei den im Sommer 2014 von der EU gegen Russland verhängten Wirtschaftssanktionen machen sich die Befragten wenig Illusionen: Nur noch 29 Prozent der befragten Unternehmen rechnen hier für das laufende Jahr mit einer Lockerung. Diese wird allerdings von einer deutlichen Mehrheit von 91 Prozent gewünscht. Knapp die Hälfte der Befragten plädiert dabei für die sofortige Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, weitere 42 Prozent fordern deren schrittweisen Abbau.

Kooperation von EU und EAWU angemahnt

Schäfer und Schepp unterstrichen in Berlin das Ziel eines gemeinsamen Europäischen Wirtschaftsraums unter Einbeziehung Russlands. Dazu forderten Sie zu einem Dialog zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion auf. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen wünschen sich laut Umfrage eine solche Kooperation im Außenhandel. Weitere wichtige Kooperationsfelder sind aus Sicht der Befragten der Bereich Normen und Standards, außerdem Visafreiheit, freier Kapitalverkehr und Infrastrukturausbau.
Die nach Einführung der Sanktionen geäußerte Sorge, deutsche und europäische Unternehmen könnten dauerhaft Marktanteile etwa an chinesische Konkurrenten verlieren, hat weiter an Gewicht verloren: Nur 14 Prozent der befragten Unternehmen befürchten, dass Russland sich China und Asien zuwendet, zwei Jahre zuvor war es noch fast die Hälfte. Unverändert 18 Prozent der befragten Firmen meinen, dass die EU der bevorzugte Wirtschaftspartner Russlands bleibt. 59 Prozent sind der Ansicht, dass sowohl die EU als auch China für Russland wichtige Wirtschaftspartner bleiben.

Auswirkungen der Präsidentenwahl in den USA

Zwei Fragen waren in diesem Jahr den Auswirkungen der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten auf das russisch-amerikanische Verhältnis gewidmet. Die Wahl Trumps war in Russland zunächst positiv aufgenommen worden. Unter den befragten Unternehmen ergibt sich jedoch kein einheitliches Bild: Weniger als die Hälfte erwarten unter dem neuen US-Präsidenten tatsächlich eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen zwischen Russland und den USA. 43 Prozent rechnet dagegen nicht damit, dass sich das schlechte Verhältnis in nächster Zeit verbessert und knapp ein Zehntel befürchtet sogar, dass es zu einer weiteren Verschlechterung kommt. Immerhin 57 Prozent der befragten deutschen Unternehmen sind aber der Meinung, dass die Chancen für eine Lockerung der US-Sanktionen unter Trump gestiegen sind.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer haben im Januar 2017 zum 14. Mal ihre jährliche Umfrage zum Geschäftsklima in Russland unter deutschen Unternehmen im Russland-Geschäft durchgeführt.
Die vollständigen Umfrageergebnisse finden Sie unter
www.ost-ausschuss.de und www.russland.ahk.de

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