Türkei: Kapitalmarkt leidet am Fernbleiben der Urlauber

Immer weniger Touristen reisen in die Türkei © EBRD
Immer weniger Touristen reisen in die Türkei © EBRD

BRÜSSEL/ANKARA. Der neue türkische Regierungschef Binali Yildirim steht vor einer ganzen Reihe von Problemen: das Wirtschaftsklima hat sich verschlechtert, die Anzahl notleidender Kredite im Bankensektor nimmt zu. Der Tourismussektor leidet am erhöhten Sicherheitsrisiko und den wachsenden Spannungen mit Russland.

Weniger Touristen belasten Zahlungsbilanz …

Immer weniger Urlauber finden den Weg in klassische Touristen-Hotspots wie etwa der „Türkischen Riviera“ zwischen Side und Antalya oder der Metropole Istanbul. Dieser Trend hält bereits mehrere Monate an. Die Angst vor islamistischen Anschlägen wirkt sich nun auf die Buchungen aus. Darin schlägt sich auch das politisch bedingte Fernbleiben der sonst zahlreichen russischen Gäste nicht.

„Der Fremdenverkehr macht mehr als zehn Prozent der Leistungsbilanzeinnahmen aus“, sagt Christoph Witte, Deutschland-Chef von Credimundi. Das Problem: ein größeres Leistungsbilanzdefizit könnte in Verbindung mit „wachsenden Zweifeln an der gesamtwirtschaftlichen Stabilität“ zu einem Vertrauensverlust der Anleger von türkischen Wertpapieren führen. Dies würde das Land hart treffen, da sie – trotz ihres robusten Wachstums und solider öffentlicher Finanzen – mit starken Ungleichgewichten in ihrer Zahlungsbilanz sowie einer wachsenden Auslandsverschuldung konfrontiert ist, schreibt der belgische Kreditversicherer Credimundi in einem aktuellen Bericht über die Türkei.

… und gefährden mittelfristig die Stabilität von Währung und Realsektor

Mittelfristig könnte die Landeswährung Lira weiter an Wert verlieren, Banken und Unternehmen bei fällig werdenden Schulden in Schwierigkeiten geraten.

„In einem solchen Szenario würden darüber hinaus auch die die Unternehmensinsolvenzen weiter steigen“, so Witte. Tatsächlich haben die Schulden türkischer Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits stark zugenommen.