Ost-Ausschuss: Talsohle abzusehen

v.l.: Michael Harms, Geschäftsführer; Dr. Wolfgang Bügele, Vorsitzender; Andreas Metz, Pressesprecher des Ost-Ausschusses © Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft 2016
v.l.: Michael Harms, Geschäftsführer; Dr. Wolfgang Bügele, Vorsitzender; Andreas Metz, Pressesprecher des Ost-Ausschusses © Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft 2016

Auf seiner jährlichen Pressekonferenz zeigt sich der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft optimistisch und betont die Chancen für deutsche Unternehmen in Mittel- und Osteuropa. Von Russland, der EU und der Ukraine fordert man Dialog.

Die gute Nachricht: Deutsche Exporte nach Südosteuropa nahmen 2015 um rund 10 Prozent zu und beliefen sich auf 41 Milliarden Euro. Ganz vorne mit dabei sind Rumänien, Kroatien und Serbien, mit einem Zuwachs von je 14 Prozent. Diese Länder passen sich erfolgreich den Standards der EU an, begründet Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, den Zuwachs.

Russland: Talsohle erreicht

Optimistisch zeigte sich der Verband auch gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung in Russland und dem deutsch-russischen Handel. Man sei optimistich, dass man schon im Herbst wieder leichtes Wachstum sehen werde. Die Talsohle im deutschen Russlandexport wäre damit abzusehen.

Der Einbruch der deutschen Exporte nach Russland um gut 40 Prozent seit 2013 hänge nicht zuletzt auch mit den Entwicklungen beim Rubel und dem Verfall des Ölpreises zusammen. Hier war zuletzt Entspannung zu beobachten. Falle der Ölpreis allerdings wieder unter 30 Dollar pro Barrel, so Büchele, könnte das „zarte Pflänzchen“ der Erholung im Handel schnell wieder eingehen.

Ukraine: Westeuropa reicht nicht

Mit Blick auf die Ukraine unterstütze man den Kurs, die EU-Sanktionen gegenüber Russland „schrittweise“ parallel zur Umsetzung des Minsker Abkommens abzubauen. Der deutschen Wirtschaft käme dies zupass, zumal der Ost-Ausschuss Fortschritte in der Umsetzung von „Minsk“ weder derzeit erkennen könne, noch für Ende Juni erwarte. Dann steht eine nächste Verhandlungsrunde der EU an.

Insbesondere in der Ukraine gebe es erhebliche Probleme mit der Umsetzung. Büchele mahnte das Land, nicht in Zukunft allein auf westeuropäische Märkte zu setzen. In der Ukraine produzierte Güter erfüllten oft noch nicht die notendigen Qualitätsstandards um dort erfolgreich zu sein. Das Land werde den Handel mit Russland auch weiterhin brauchen.

„Ping-Pong-Spiel“ muss aufhören

Positiv kommentierte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses die in weiten Kreisen kritisierte Entscheidung des EU-Kommissionspräsidenten Junckers, Mitte Juni das St. Petersburg International Economic Forum zu besuchen. Dies sei ebenso wie die Verhandlungen um die Verlängerung der Sanktionen seitens der EU gegen Ende des Monats ein guter Zeitpunkt, um ein Signal zu setzen und den Dialog zu fördern, die Sanktionen gegebenenfalls zu „modifizieren“. Man sehe etwa Möglichkeiten im Bereich der Reisebeschränkungen aktiv zu werden. Das „Ping-Pong-Spiel“ gegenseitiger Vorwürfe zwischen Russland und der Ukraine müsse jedenfalls aufhören.

 

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