Agrarmärkte in Osteuropa und Zentralasien: Mehr Exporte sind möglich

HALLE (SAALE). Die Förderung und Diversifizierung der Exporte ist eine der wichtigsten Prioritäten für die Landwirtschaft in Osteuropa und Zentralasien. Dazu sind effiziente Institutionen und Programme gefragt. Eine zweitägige Tagung im Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) diente der Bestandsaufnahme und dem Erfahrungsaustausch.

Experten aus Lateinamerika, Europa und Zentralasien trafen sich am Ende Mai am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) in Halle (Saale), um Erfahrungen und Lehren aus der Umsetzung der verschiedenen Exportförderungsprogramme auszutauschen. Länderfallstudien zu den Politiken und Programmen u. a. aus Brasilien, Chile, Estland und Polen, die mit Unterstützung von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erstellt wurden, dienten als Grundlage für die Beratungen.

Getreideernte © Copyright KWS SAAT SE
Getreideernte © KWS SAAT SE

Dabei diskutierten die Teilnehmer bewährte Verfahren, die als Vorbild für die Entwicklung und den Ausbau von Maßnahmen zur Exportförderung in Osteuropa und Zentralasien dienen können.

Die Expertinnen und Experten betonten, dass es für den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Lebensmittel in neue, ausländische Zielmärkte einer gründlichen Analyse der Anforderungen und Präferenzen der Verbraucherinnen und Verbraucher in den Exportmärkten bedarf. Ebenso sei es nötig, Prüf- und Zertifizierungsverfahren auszubauen, um die Qualität der Produkte zu gewährleisten. Für unerlässlich halten sie darüber hinaus eine aktive Positionierung nationaler Produkte im Ausland, etwa durch Messen oder die Entwicklung positiver Länderimages und Marken. Viele Länder verfügen zudem über spezialisierte Agenturen zur Exportförderung, die den privaten Sektor entscheidend bei Exportaktivitäten unterstützen. Auch die Bedeutung der Handelsmissionen wurde hervorgehoben. Mit ihren Agrarattachés können sie eine durchaus entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, Handelsbeziehungen aufzubauen und zur Lösung von Handelsfragen beizutragen.

Agrar-Exportförderung in Polen

Eine Lagerhalle in Bischkek, Kirgisistan © ADB
Eine Lagerhalle in Bischkek, Kirgisistan © ADB

Dariusz Gozsczyński, Stellvertretender Direktor der Abteilung Agrarmärkte im polnischen Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, erläuterte erfolgreiche Kampagnen der Exportförderung in Polen. Mit dem Aufbau eines positiven Images für polnische Agrarprodukte, Maßnahmen der Qualitätskontrolle und Marketingaktivitäten konnten ein Interesse an traditionellen polnischen Produkten geweckt und neue Nischen für den Export geschaffen werden. Ähnlich erfolgreiche Ansätze wurden auch aus Estland präsentiert.

Exportinstitutionen in GUS-Staaten noch im Aufbau

In den GUS-Staaten sind Maßnahmen zur Exportförderung, von denen die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie profitieren würden, noch im Aufbau. Dmitry Bulatov, Präsident der National Union of Food Exporters in Russland, erklärte, dass ein Gesetz zur Förderung des Exports und weitere Vorhaben seitens der Regierung in Vorbereitung seien. Ähnlich ist die Situation auch in Kirgisistan. Die Regierung dort hat einen Exportförderungsplan für den Zeitraum 2015-2017 verabschiedet. Eine Reihe von Ländern, darunter Kirgisistan und Moldau, haben festgelegt, in welchen Exportmärkten prioritär Werbemaßnahmen und andere Exportfördermaßnahmen umgesetzt werden sollen. Zu den Herausforderungen bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Agrarexportförderung zählten die Teilnehmenden einen Mangel an Expertise in der Lebensmittelerzeugung und die Notwendigkeit gesundheits- und pflanzenschutzrechtliche Systeme auszubauen sowie Zertifizierungen zu entwickeln, die helfen, Zugänge auf Exportmärkten zu erleichtern. Prioritär schätzten die Expertinnen und Experten auch Maßnahmen zur Erleichterung des Handels ein. Insbesondere wurden hier die Vereinfachung von Zollverfahren und des Grenzverkehrs benannt.

Insgesamt präsentierten 32 Expertinnen und Experten aus 18 Nationen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse beim „Expert Round Table“. Unter den Teilnehmenden waren Vertreterinnen und Vertreter aus der FAO-Zentrale und dem FAO-Regionalbüro für Europa und Zentralasien, aus dem IAMO, aus Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien, aus Exportverbänden und wissenschaftlichen Institutionen in Armenien, Aserbaidschan, Brasilien, Chile, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Polen, Russland, Serbien, Tadschikistan und der Ukraine.