Russland: Asiaten investieren in der Landwirtschaft

MOSKAU. Ein Konglomerat aus asiatischen Investoren baut unweit von Moskau eine Milchproduktion mit einer Investitionssumme von einer Milliarde US-Dollar auf. Die Vereinbarung wurde Mitte Mai beim Staatsbesuch des thailändischen Premierministers in der russischen Hauptstadt unterschrieben.

Der Agrarkomplex im Gebiet Rjasan, etwa 200 Kilometer südlich von Moskau, soll Ställe mit insgesamt 80.000 Kühen, 40 bis 60 Tausend Hektar Ackerland zum Anbau von Futterpflanzen, ein Mischfutterwerk und eine Milchverarbeitungsfabrik über 400.000 Tonnen im Jahr umfassen. Die ersten 40.000 Kühe sollen bis Ende 2017 Milch produzieren, in drei bis fünf Jahren soll das ganze Projekt stehen.

Investoren aus dem Nahen und Fernen Osten

Hinter der Investition stehen die thailändische Charoen Pokphand Group (CP Group), die chinesische Banner Infant Dairy Products (Banner Dairy) sowie nicht näher bezeichnete Investoren und Banken aus dem Nahen Osten. Co-Investor ist der staatliche Russian Direct Investment Fund. Agrarprojekte in dieser Größenordnung kannte Russland bis dahin nicht. Wie die Zeitung Wedomosti schreibt, wird das Cluster schon mit der ersten Produktionslinie die bisherigen russischen Marktführer in der Milchproduktion überholen. Im letzten Jahr lag die Milchproduktion in Russland bei 30,8 Millionen Tonnen. Die Großinvestition bestätigt einen allgemeinen Trend: Die Landwirtschaft bleibt trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise in Russland eine Wachstumsbranche. 2014 lag der Zuwachs laut Landwirtschaftsministerium bei 3,7 Prozent, 2015 immer noch bei drei Prozent. Der Staat stützt die Landwirtschaft mit Subventionen: 2016 sind dafür 237 Milliarden Rubel (etwa drei Milliarden Euro) vorgesehen, 15,4 Milliarden davon für die Milchwirtschaft.

Die Branche profitiert vor allem vom schwachen Rubel und den Gegensanktionen, die Russland im Sommer 2014 gegen die meisten westlichen Länder erlassen hat. Diese hatten insbesondere Importeure von Agrarprodukten, darunter Käse und Milch, getroffen. Der russischen Landwirtschaft gelingt es bisher jedoch nicht, die fehlenden Importe auszugleichen. Insbesondere in der Käseproduktion wurde seit dem Importstopp von vielen Produzenten anstatt Milch Palmöl eingesetzt. Die nötigen Investitionen holt Russland sich nun offenbar zunehmend in Asien. In diesen Tagen beginnt der vietnamesische Konzern TH Group im Gebiet Moskau den Bau eines Betriebs für Milchproduktion und -verarbeitung für 45.000 Kühe, der 2017 fertiggestellt werden soll. Investitionssumme: 500 Millionen US-Dollar. Im Gebiet Kaluga, südwestlich von Moskau gelegen, wollen die Vietnamesen 220 Millionen US-Dollar in eine ähnliche Produktion investieren.

Deutscher Käse aus Woronesch? Russische Monopolbehörde gibt grünes Licht für Hersteller von Milram © DMK
Deutscher Käse aus Woronesch? Russische Monopolbehörde gibt grünes Licht für Hersteller von Milram © DMK

Deutscher Käse aus Woronesch

Projekte mit deutscher Beteiligung zielen eher auf die Verarbeitung: Das Deutsche Milchkontor (DMK), zu dem Marken wie Milram, Ravensberger und Oldenburger gehören, hat im Mai von der russischen Monopolbehörde die Genehmigung zur Übernahme mehrerer Käseproduzenten im Gebiet Woronesch erhalten. So könnte bald deutscher Käse, der bis 2014 nach Russland exportiert wurde, vor Ort hergestellt werden. Konkrete Investitionspläne gab DMK bislang jedoch nicht bekannt. mog

Dieser Beitrag erschien zuerst in RUSSLAND aktuell 21/2016.

 

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