Polen: Handel mit Deutschland erneut auf Rekordniveau

BERLIN. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Polen erreichte 2015 einen neuen Rekord. Dank der in beiden Ländern günstigen Konjunktur, aber auch durch die zunehmende Verflechtung beider Volkswirtschaften bereits das siebte Jahr in Folge. Auf der Rangliste der deutschen Handelsparter machte Polen 2015 einen weiteren Platz gut.

Deutschlands ist Polens wichtigster Handelspartner – nicht nur in Europa © Pixelio/ Hellwig
Deutschlands ist Polens wichtigster Handelspartner – nicht nur in Europa © Pixelio/ Hellwig

„Wie im vergangenen Jahr kann ich nichts Neues verkünden“, sagte Jacek Robak, Leiter der Abteilung für Handel und Investitionen der Botschaft Polens, bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Stand und Ausblick des deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen. Der Botschaftsrat umschrieb damit, dass der Güterverkehr über Oder und Neiße auch im zurückliegenden Jahr ungebremst weiter wuchs.

Deutsch-polnischer Handel auf Rekordhöhe

Nach vorläufigen Angaben des polnischen Statistikamtes GUS erreichten die Handelsumsätze zwischen Polen und Deutschland in 2015 das Rekordergebnis von 89 Milliarden Euro. Die polnischen Ausfuhren nach Deutschland erreichten dabei einen Wert von 48,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im selben Zeitraum stiegen die Importe aus der Bundesrepublik um 7,4 Prozent auf 39,9 Milliarden Euro – zumindest nach polnischen Angaben, die allerdings massiv von der deutschen Handelsstatistik abweichen.

Diese verzeichnete für das vergangene Jahr einen deutschen Export von 52,1 Milliarden Euro (+9,3 Prozent) und einen Import polnischer Güter und Dienstleistungen im Wert von 44,5 Milliarden Euro (+12,2 Prozent). Diese Diskrepanz rührt aus unterschiedlichen Erfassungsmethoden unternehmensinterner Transaktionen durch die Statistikstellen beider Länder.

Ein Viertel des deutschen Osthandels erfolgt mit Polen

Nach der deutschen Zählweise wurden im vergangenen Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von 96,6 Milliarden Euro über Oder und Neiße hinweg ausgetauscht. Damit entfiel gut ein Viertel des deutschen Osthandels auf Polen. Der Wert aller Handelsgeschäfte deutscher Unternehmen mit den Ländern des östlichen Mitteleuropas, Südosteuropas, der Kaukasus-Region, Mittelasiens sowie der Eurasischen Wirtschaftsunion summierte sich 2015 auf 370,5 Milliarden Euro, wobei der deutsche Außenhandelsüberschuss in dieser Region unter fünf Milliarden Euro lag.

Mit 13 Prozent entfiel der größte Exportposten auf Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile. Auf Platz zwei folgen Agrarerzeugnisse und Lebensmittel, dahinter reihen sich elektronische Haushaltsgeräte („weiße Ware“), Maschinen, Möbel sowie Metallerzeugnisse ein.

Deutschland bleibt damit Polens wichtigster Außenhandelspartner. Polen steht nun, hinter Italien und vor Österreich, auf Platz sieben der deutschen Handelspartner und machte damit 2015 einen Platz gut.

Kritik an bestehendem Wirtschaftsmodell

Polens Aufstieg zum bedeutenden Exportland von Industriegütern ist vor allem den vielen ausländischen Unternehmen zu verdanken. Sie produzieren in Polen, weil laut Botschaftsrat Robak Löhne und Gehälter immer noch drei- bis vier Mal unter dem westeuropäischen Durchschnitt lägen. Viel zu niedrig sei jedoch sei der geringe Anteil originär polnischer Unternehmen – egal ob bei Wertschöpfung, Export- oder Innovationsleistung.

Künftig, so das politische Ziel, soll sich dies ändern. Dafür braucht Polen eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung. Im Morawiecki-Plan, benannt nach dem amtierenden Wirtschaftsminister, sind die Eckpunkte der neuen Strategie skizziert. Zugleich aber beinhaltet das Programm Anreize, noch mehr FDI zu attrahieren. So sollen beispielsweise die verschiedenen  Investitionsförderagenturen zusammengeschlossen werden.