Iran: Wirtschaftsforum in Wien auch ohne Rohani

WIEN. Trotz der kurzfristigen Absage des Besuchs von Irans Präsident Hassan Rohani fand das Wirtschaftsforum in der Wirtschaftskammer Österreich statt. An dem iranisch-österreichischen Wirtschaftsforum am 30. und 31. März nahmen knapp 100 iranische Geschäftsleute teil. Raiffeisenbank International (RBI) will sich an Umweltinvestitionen beteiligen, das Wirtschaftsministerium setzte eine „Road Map“ auf. Dies soll helfen, den österreichisch-iranischen Handel bis 2020 auf über eine Milliarde Euro auszubauen.   

Blick auf Teheran © Flickr/ Ninara
Blick auf Teheran © Flickr/ Ninara

Am 30. März unterzeichneten der stellvertretende iranische Umweltminister und die Raiffeisenbank International (RBI) im Beisein des österreichischen Umweltministers Andrä Rupprechter in dessen Amtssitz ein „Memorandum of Understanding“. Damit will sich die RBI Voraussetzungen für die Finanzierung von Umweltprojekten in dem potenziellen Zukunftsmarkt Iran schaffen.

Die österreichischen Politik setzt sich für eine weitere Normalisierung der Beziehungen zum Iran. „Engere Handelsbeziehungen wirken vertrauensbildend und unterstützen politische Fortschritte“, sagte Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner gegenüber der Wiener Zeitung.

Konzerne sondieren Marktchancen

Die iranische Wirtschaftsdelegation wurde von Industrieminister Mohammad Nematzadeh angeführt. Am eigentlichen Wirtschaftsforum, das am 31. März bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stattfand, nahm dieser jedoch nicht teil.
Auf das Forum folgten bilaterale Gespräche zwischen iranischen und österreichischen Firmenvertretern. Neben der RBI sind unter anderem auch Austrian Airlines, OMV oder der Anlagenbauer Andritz an einer Intensivierung ihrer Geschäftsbeziehungen zum Iran interessiert. Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Österreich und dem Iran lag zuletzt bei rund 300 Millionen Euro und soll bis 2020 die Ein-Milliarden-Euro-Grenze überschreiten.

Teilnehmer des iranisch-österreichischen Wirtschaftsforums in Wien © WKÖ
Teilnehmer des iranisch-österreichischen Wirtschaftsforums in Wien © WKÖ

Dafür hat das Wirtschaftsministerium mit iranischen Vertretern eine „Road Map“ die wirtschaftlichen Beziehungen ausgehandelt. Diese Vereinbarung, die laut der „Wiener Zeitung“ möglichst rasch auf diplomatischem Wege unterzeichnet werden soll, benennt eine Reihen von Branchen, in denen die Marktchancen für Unternehmen beider Staaten besonders hoch seien, so bei Energie-, Umwelt- und Informationstechnologien, im Bauwesen sowie im Tourismus, für den auch eine konkrete Kooperation geplant wird.

Stahl- und Automotive-Industrie gehen voran

Bekannt wurde indes, dass der oberösterreichische Automobil-Cluster sowie der iranische Automotiveverband IAPMA ein Memorandum of Understandig unterzeichnet haben. Im Zentrum der Vereinbarung stehen der Technologieaustausch und der Zugang zu potenziellen Kunden oder Joint-Venture-Partnern. Dazu sind gegenseitige Delegationsbesuche vorgesehen sowie eine gemeinsame Messe für Automobilzulieferer. In einem ersten Schritt soll ein Beitrag gegründet werden.

Absichtserklärungen unterschrieben ebenfalls Vertreter der Stahlindustrie. Demnach haben der Anlagenbauer Primetals Technologies und die Fakoor Sanat Theheran Engineering Co. eine Rahmenvereinbarung über gemeinsame Projekte im Iran unterzeichnet. Das Gesamtvolumen der bislang nicht näher genannten Projekte wird mit mehr als 1,8 Milliarden Euro beziffert. Primetals ist ein Joint Venture von Mitsubishi Heavy Industries und Siemens mit einem Standort in der Stahlstadt Linz.

Der Iran ist einer der 15 größten Stahlerzeuger der und will seine Stahlproduktionskapazität nach eigenen Angaben im kommenden Jahrzehnt verdoppeln.

Verhandlungen über das Vermögen des Schahs

Laut einem Bericht des ORF weilte auch der Chef der iranischen Nationalbank in Wien. Er führte demnach Verhandlungen über die Freigabe von Geldern aus dem Iran , die auf österreichischen Bankkonten eingefroren sind, großteils bei der Unicredit Bank Austria und bei Raiffeisen. Ein Teil des Geldes stamme aus Zeiten des 1979 gestürzten Schah-Regimes.

Spekulationen über Grund der Absage Rohanis

Die Wirtschaftsgespräche wurden jedoch durch die kurzfristige Absage des Besuchs des iranischen Präsidenten überschattet. Rouhani hätte in Wien von Bundespräsident Heinz Fischer empfangen werden sollen. Der geplante Besuch wurde von der iranischer Seite verschoben – aus Sicherheitsgründen, hieß es aus Teheran.

Zunächst war über eine mögliche Verärgerung Teherans wegen geplanter irankritischer Proteste spekuliert worden. Mehrere Gruppen hatten eine Absage des Rohani-Besuchs gefordert und Demonstranten in der Wiener Innenstadt angekündigt.

Der Iran-Experte Walter Posch vermutet indes eine innenpolitische Krise im Iran als eigentlichen Grund für die Absage. Nach der Parlamentswahl im Februar, bei der Rohanis Reformer stark dazugewannen, hätten sich die Fronten zwischen ihnen und den Konservativen um den obersten geistlichen und politischen Führer Ayatollah Ali Khamenei verhärtet. Dem Ayatollah sei die von Rohani forcierte wirtschaftliche und in Teilen auch kulturelle Öffnung gegenüber ein Dorn im Auge, so Posch weiter.

Dieser Beitrag wurde am 6.4.2016, 9:45 Uhr, aktualisiert.