Highspeed: Russland und China planen Joint Venture

Auf der Strecke von Moskau nach Twer fährt die RZD mit der „Lastochka“ von Siemens. © RZD
Auf der Strecke von Moskau nach Twer fährt die RZD mit der „Lastochka“ von Siemens. © RZD

MOSKAU. China und Russland wollen ein Joint Venture zur Produktion von Hochgeschwindigkeitszügen gründen, die ab 2018 auf der Expressstrecke zwischen Moskau nach Kasan fahren sollen. Das teilte der staatliche chinesische Schienenfahrzeughersteller CRRC (China Railway Rolling Stock Corporation) Ende November mit.
Die Züge sollen von der CRRC-Tochtergesellschaft Changchun Railway Vehicles produziert werden, die in der Provinz Jilin im Nordosten Chinas angesiedelt ist. Darüber hinaus wurden bisher kaum Details zu dem russisch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmen bekannt. CRRC meldete, beide Seiten hätten sich bislang lediglich auf den Umfang des Joint Ventures geeinigt. Offen seien jedoch Anzahl und Ausstattung der Züge sowie der genaue Standort des Produktionswerks.
Die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau nach Kasan, die Hauptstadt Tatarstans, befindet sich zum Teil in hochgelegenen Gebieten. Beim Bau von Hochgeschwindigkeitszügen, die in alpinen Höhenlagen fahren, habe Changchun Railway Vehicles viel Erfahrung, teilte CRRC mit. Mit der 921 Kilometer langen Strecke zwischen Harbin, Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Heilongjiang, und der Hafenstadt Dalian in der Provinz Liaoning, habe das Unternehmen 2012 bereits eine Hochgeschwindigkeits-Trasse gebaut, die für extreme Niedrigtemperaturen ausgelegt ist. Auf dieser 2012 eröffneten Strecke fahren Züge bei Temperaturen von teilweise minus 50 Grad Celsius.
Die Strecke von Moskau nach Kasan wird eine Länge von 770 Kilometern haben, sieben russische Regionen durchqueren und sie soll vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 fertiggestellt werden. Kasan gehört zu den elf Austragungsorten des Großevents. Nach der WM 2018 soll die Highspeed-Strecke noch erweitert werden und letztlich von Moskau bis nach Peking führen.

Deutsche Firmen wollen auf den Zug aufspringen
Auch deutsche Unternehmen bemühen sich um eine Beteiligung am Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsbahnnetzes in Russland. 13 Branchenvertreter, darunter Siemens, Vossloh und Naue, haben sich dazu in der Deutschen Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr vereint – unter der Schirmherrschaft der AHK Russland.
Doch bisher hat Russland eher seinen chinesischen Partnern den Vorrang gelassen: Mitte Juni hatte beispielsweise ein chinesisch-russisches Konsortium auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg ein Abkommen über die Projektierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau nach Kasan unterzeichnet. Eigentlich hatte auch Siemens auf diesen Auftrag gehofft.
Bisher zeigte sich Russland jedoch wenig zufrieden mit den Angeboten der deutschen Seite. „Wir analysieren die Angebote der deutschen Hochgeschwindigkeitsinitiative, aber die Angebote überzeugen uns nicht“, sagte RZD-Vize Alexander Mischarin Anfang November gegenüber der Nachrichtenagenur TASS. Die Preise für die Ausrüstung seien zu hoch. „Wir kooperieren mit chinesischen Wettbewerbern, die uns das gleiche Equipment für weniger Geld anbieten“, erklärte Mischarin.