Exportminus von 17 Prozent im Osthandel

Zwischen Januar und Mai 2015 schrumpfte der Umsatz des Osthandels um 16 Prozent. Im Bild: Containerverladung im Hamburger Hafen. © HHLA
Zwischen Januar und Mai 2015 schrumpfte der Umsatz des Osthandels um 16 Prozent. Im Bild: Containerverladung im Hamburger Hafen. © HHLA

BERLIN. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist der deutsche Osthandel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16,3 Prozent zurückgegangen. Laut dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, der sich auf aktuelle Zahlen von Destatis beruft, summiert sich der Handelsumsatz bislang auf 44,03 Milliarden Euro. Aus dieser Rechnung ausgenommen sind jene ostmitteleuropäischen Staaten, die 2004 der EU beigetreten sind.

Den stärksten Einbruch verzeichneten die deutschen Russland-Exporte mit 34 Prozent. Bis Mai wurden Waren im Wert von 8,45 Milliarden Euro abgesetzt – zum gleichen Zeitpunkt ein Jahr zuvor waren es noch 12,8 Milliarden Euro. In der Gegenrichtung importierte Deutschland für 12,7 Milliarden Euro russische Güter, was einem Rückgang von einem Viertel entspricht.

Der Export in die krisengeschüttelte Ukraine sank um 29 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Ähnlich hohe Einbrüche verzeichneten Kasachstan (-26 Prozent), Belarus (-31 Prozent), Usbekistan (-10 Prozent) sowie Kirgisistan (-13 Prozent).

Appell an Politik

„Auf das Gesamtjahr 2015 hochgerechnet müssen wir von einem Rückgang der deutschen Exporte nach Russland um zehn Milliarden Euro auf dann insgesamt nur noch 20 Milliarden Euro ausgehen“, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Eckhard Cordes. Im Rekordjahr 2012 hatten deutsche Unternehmen noch Waren für 38 Milliarden Euro nach Russland geliefert.

„Angesichts dieser dramatischen Entwicklung dürfte es nachvollziehbar sein, dass die deutsche Wirtschaft die Politik eindringlich bittet, die Anstrengungen zur Lösung der Ukraine-Krise weiter hochzuhalten“, so Cordes. Der Ost-Ausschuss plädiere daher für eine baldige Nachfolgekonferenz zum Minsk-Friedensprozess. Dauerhaft stabilisiert werden könne das Land nur „in einer gemeinsamen Anstrengung von EU und Russland“, zumal die Ukraine nach beiden Seiten auf Absatzmärkte, Kredite und Investoren angewiesen sei.

Positive Entwicklung im Südosten

Der Handel mit Südosteuropa hingegen entwickelt sich weiter positiv. So stiegen die Ausfuhren nach Bulgarien um 18 Prozent auf 1,47 Milliarden Euro, nach Kroatien um 15 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Die Rumänien-Exporte, die um zwölf Prozent auf 4,75 Milliarden Euro anwuchsen, entsprechen nun der Hälfte des aktuellen Exportvolumens nach Russland.