Äpfel, Trauben und Pflaumen – Moldaus süßer Dreiklang auf der „Fruit Logistica 2015“

“We are looking for new markets, that is why we are here”. Obstbauern auf der Fruit Logistica in Berlin © OWC/MSc
“We are looking for new markets, that is why we are here”. Obstbauern auf der Fruit Logistica in Berlin © OWC/MSc

Moldau lebte bis 2013 vornehmlich vom Russland-Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse – Wein, Obst und Fleisch. In diesem Jahr 2013 hatte die EU die Verhandlungen über die Assoziierungsverträge mit der Republik Moldau und Georgien abgeschlossen. Russland reagierte mit einem Handelsembargo und stoppte etappenweise die Einfuhr von Wein, Obst, Gemüse und Fleischprodukten aus der Republik Moldau. Ende 2014 wiederum erließ Brüssel Importquoten, um der vom russischen Embargo hart getroffenen moldauischen Landwirtschaft Ersatzmärkte zu öffnen. Doch auf die Anforderungen des EU-Marktes, in Hinsicht auf Preis, Qualitäts- oder Umweltstandards, waren die Moldauer nicht eingestellt.

„Russland hat uns alles abgenommen, auf Qualität kam es denen weniger an“, sagt Iure Fala, Direktor des Verbandes „Moldova Fruct“. Zwischen 2007 und 2013 profitierte man von Zuwachsraten von 20 Prozent pro Jahr auf dem russischen Fruchtmarkt, sagt Fala. Dass damit keinerlei Anreiz für Investitionen in neue Verarbeitungsanlagen gegeben war, verstehe sich, so einhellige Meinung der auf der Messe „Fruit Logistica 2015″ anwesenden Branchenvertreter. Nun mangelt es an kostenseitiger Wettbe-werbsfähigkeit und an Erfahrung im Export in westliche Märkte, aber nicht an fachlichem Können oder am Willen zur Veränderung.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt am 4. Februar auf der Fruit Logistica © OWC/MSc
Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt am 4. Februar auf der Fruit Logistica © OWC/MSc

Förderung der Exportfähigkeit

Im Rahmen des Projekts Landwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Unterneh-mensentwicklung (ACED) unterstützten die USA das kleine Land beim Aufbau von wettbewerbsfähigen Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen für dessen „Premiumprodukt“ Äpfel, so Marketing-Experte Peter White von ACED. Aus Sicht der moldauischen Unternehmer ist dessen Arbeit erfolgreich. Ganz allmählich gelinge es ihnen, die Marke „Obst aus Moldau“ zu konsolidieren – was heißen soll, dieses Produkt überhaupt in den Fokus der EU-Verbraucher zu rücken. Die Apfelmanager wollen die Märkte der EU, des Nahen Ostens, Nordafrikas (Ägypten) und der VAE erschließen. Schon jetzt würden durch türkische Händler Margen bis in den Irak verkauf. Der Marktanteil auf traditionellen Zielmärkten wie Belarus, Ukraine und das Baltikum sollen ausgebaut werden. Einst lag der Obstgarten der Sowjetunion in der Teilrepublik Moldawien.

Währenddessen legen die Europäische Investitionsbank (EIB) und die EU den Zugang zu zinsgünstigen Krediten. Deren Nichtverfügbarkeit ist bislang Investitionshindernis Nummer eins, bestätigen die Obstbauern am Messestand. Das Beispiel des Kleinunternehmens LEfrucom verdeutlicht dies.

Der Familienbetrieb von Igor Cetulean produziert mit zehn Leuten Trockenobst, „zu 100 Prozent für den Export“. Obst aus der Tüte, zumal hierzulande rare bis bis unbekannte Produkte wie getrocknete Sauerkirschen, liegt gerade in Deutschland im Trend, vermutet Cetulean. Darum plant er zu investieren. Fertige Zeichnungen einer modernen Betriebshalle mit bis zu 60 Arbeitsplätzen legt er vor. Eine Fortbildung, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWI) und die GIZ, habe ihn 2013 nach Deutschland geführt. Noch fehlen ihm die finanziellen Mittel. Cetulean hofft nun, auf der Messe Investoren zu finden.

Zugangsbeschränkungen zum EU-Markt

Den Fuß auf den europäischen Markt zu setzen ist schwer. Gemäß der EU-Importquote darf das Land jährlich 40.000 Tonnen Äpfel zollfrei in die EU einführen. Dies entspricht circa einem Fünftel der Apfelmenge, die bis 2013 nach Russland verkauft wurden. Natürlich könne die Differenz von rund 160.000 Tonnen ebenfalls in die EU exportiert werden, doch könne diese mit EU-subventionierten Agrarprodukten, zum Beispiel aus Polen oder Italien preislich nicht konkurrieren.

Hinzu käme, so Sergiu Ceban von Codru ST aus Chișinău, dass Handelsabkommen den ohnehin schon subventionierten EU-Anbietern ermögliche, in Drittstaaten wie Ägypten zollfrei zu exportieren. Die Moldauer hingegen müssten hier Einfuhrzölle zahlen.

Erste Fortschritte bei der Betriebsorganisation

Ein weiteres Problem ist bislang die relative Kleinteiligkeit des Marktes. Größtenteils besteht dieser aus Familien- und Kleinbetrieben, nur vereinzelt gibt es auch größere Betriebe wie Viva Igna oder Codru ST. Letzterer beschäftigt in der Normalsaison 180 feste Mitarbeiter und bis zu 320 Erntehelfer, die 7.000 Tonnen Äpfel pro Jahr pflücken.

Doch es zeichneten sich Fortschritte beim Aufbau von konzentrierten Marktstrukturen ab. Dies wurde während der Gespräche mit Obstbauern deutlich. Beispielhaft ist die Genossenschaft Fruct Freș, bestehend aus sechs Familienbetrieben, die nun gemeinsam ein Kühlhaus mit einem Fassungsvermögen von 500 Tonnen bauen – für Äpfel, Trauben und Pflaumen. Initiatorin ist eine deutschstämmige Landwirtin. Ihr Bruder Michael Frei lebt im niedersächsischen Georgsmarienhütte und versucht von dort, das Obst der Kooperative an den deutschen Verbraucher zu bringen. Fruct Freș ist zum ersten Mal auf der Messe. Die ökonomisch sinnvolle Kooperation hat aber auch ganz pragmatische Gründe: So sei die Vergabe von Förderkredite, unter anderem der Weltbank, an kooperative Geschäftsmodelle gebunden.

Im übrigen seien die zu Sowjetzeiten exportierte eine Million Tonnen Äpfel pro Jahr der Maßstab für das Exportpotential der heutigen Republik Moldau, sagt Direktor Fala von „Moldova Fruct“.