Wirtschaftsentwicklung Russland: Rabenschwarzes Jahr

Karte von RusslandRusslands Wirtschaft hat, auch unabhängig von den Sanktionen, ein rabenschwarzes Jahr hinter sich und rutscht 2015 in die Rezession. Wie tief, darüber sind die Analysten unterschiedlicher Meinung, in teils erheblichem Ausmaß. Schätzungen variieren zwischen einem Rückgang von 0,8 und vier Prozent.
Die Sanktionen treffen die russische Volkswirtschaft an ihren Schwachstellen: mangelnde Diversifizierung, schlechtes Investitionsklima und ein unterentwickelter Bankensektor. Die strukturellen Hemmnisse seien die langfristigen Ursachen für die prekäre Situation im Land, wie der ehemalige Finanzminister Alexej Kudrin meint. Und die Krise in der Ukraine, die in Russlands Isolation mündete, war lediglich der Brandbeschleuniger.

 

Statistik 2014*
Bevölkerung: 143,7 Mio.
Fläche: 17,1 Mio. km²
Nominales BIP: 1.426 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 12.125 Euro
BIP-Wachstum: 0,5%
Inflationsrate: 9,5%
Arbeitslosenquote: 5,5%
*Schätzungen
Quellen: IWF, Raiffeisen
Research, BOFIT

Die Abwärtsspirale dreht sich
Haupttreiber der Währungsverfalls war der niedrige Ölpreis. Doch auch die Neubewertung der geopolitischen Risiken als Folge des Ukraine-Konfliktes sowie die Sanktionen und Gegensanktionen stehen hinter der volkswirtschaftlich notwendigen Abwertung. Kritisch aber ist das Tempo dieser Entwicklung.
Makroökonomische Einzelindikatoren belegen, wie weit Russland auf dem Weg in die Rezession vorangeschritten ist. So waren die privaten Investitionstätigkeiten über das Gesamtjahr 2014 rückläufig. Steigende Unsicherheit und hohe Zinsen werden diesen Trend im kommenden Jahr weiter verhärten. Laut Rosstat sind die Lebensmittelpreise um 15, die Verbraucherpreise um neun Prozent gestiegen. Infolge dessen wird auch der Privatkonsum weiter sinken. Zuvor war dieser stets eine tragende Säule des Wirtschaftswachstums. Für 2015 geht die russische Zentralbank von einem weiteren Rückgang der Reallöhne um 3,9 Prozent aus. Das Anwachsen der Inflationsrate auf über elf Prozent scheint unausweichlich. Im ersten Halbjahr 2014 sind die ausländischen Direktinvestitionen um das 2,5-Fache geschrumpft. Russische Kunden können sich westliche Investitions- und Konsumgüter kaum noch leisten. Die deutschen Ausfuhren nach Russland sanken in den ersten drei Quartalen 2014 um 16 Prozent, im Gesamtjahr um über 20 Prozent. Das Gross der verbliebenen öffentlichen Investitionen entfallen auf den Energie- und Defensivbereich, so die 2014 begonnene Pipeline „Sila Sibiri“ nach China. Die Industrieproduktion schrumpfte deutlich, etwas schwächer der Agrar-, Bau- und Einzelhandelssektor. Am Jahresende wurde in einem temporären Konsumrausch viel gekauft. Dieser Effekt fällt 2015 weg, da die Preise nun an die weitere Wechselkursentwicklung angepasst und Konsumgüter entsprechend teurer werden.

 

Deutscher Außenhandel mit Russland, Quelle: Destatis © OWC
Deutscher Außenhandel mit Russland, Quelle: Destatis © OWC

„Der Bär wankt, aber fällt nicht“
Der Haushalt ist nahezu ausgeglichen und die Staatsverschuldung insgesamt gering. Zudem federt der schwache Rubel den Effekt geringerer Öleinnahmen auf den Staatshaushalt etwas ab, sodass der Staat nicht in Zahlungsprobleme geraten dürfte.. Die Erholung des Durchschnittspreises auf 80 bis 87 US-Dollar pro Barrel Öl sollte zur Stabilisierung von Gesamtwirtschaft und Währung beitragen. Die Zentralbank verfügt über ausreichend Währungsreserven, um Auslandsschuldnern Devisenliquidität zur Verfügung zu stellen und somit die Rubel-Abwertung zu stoppen. Daher ist eine „echte Banken- und Währungskrise“ unwahrscheinlich, glaubt die DekaBank. Da sich eine Lösung des Ukraine-Konflikts auch 2015 nicht abzeichnet, würden die Sanktionen zwar nicht verschärft, aber auch nicht aufgehoben. Der Schaden durch die Sanktionen sei umso größer, je negativer sich die russische Wirtschaft entwickelt.

Quellen: DekaBank, BOFIT