Energie: Georgien will Versorgungssicherheit

Bau des Wasserkraftwerks Paravani HPP im Südwesten Georgiens © energy.gov.ge
Bau des Wasserkraftwerks Paravani HPP im Südwesten Georgiens © energy.gov.ge

Das Thema Energiesicherheit spielt überall auf der Welt eine zentrale Rolle. Die Versorgungssicherheit ist von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Unternehmen und Haushalte verlassen sich auf eine kontinuierliche und zuverlässige Versorgung mit Strom und Wärme. Georgien ist da keine Ausnahme.
Georgiens Energiesektor hat sich in den vergangenen zehn Jahren äußerst positiv entwickelt. Seit dem Jahr 2003 ging es mit dem Sektor bergauf. Reformen der Regierung ermöglichten es, private Investoren bei der Sanierung und dem Betrieb der Energieanlagen zu beteiligen. Dies machte sich vor allem beim Ausbau des Enghuri-Kraftwerks bemerkbar. Das Kraftwerk ist für 40 Prozent der landesweiten Stromversorgung verantwortlich. Darüber hinaus wurden eine Reihe weiterer Investitionen getätigt, um den Sektor zu stärken.

Reform des Energiesektors
Die Reform des Energiesektors, obwohl im Land teils heftig umstritten, wurde in einem bemerkenswerten Tempo durchgeführt und führte zu spürbaren Verbesserungen der Energieversorgung sowie einer weitgehend liberalisierten Marktstruktur. Mit dem Ergebnis, dass Georgien sich seit 2011 zum Nettoexporteur für Strom entwickelt hat. Erhebliche Investitionen wurden in den Ausbau der erneuerbaren Energiekapazitäten getätigt. Die Entwicklung der landesweiten Wasserkraftressourcen half dem Land, die Produktion von kohlenstoffbasiertem Strom zu reduzieren sowie den Import von fossilen Brennstoffen in den Wintermonaten zu reduzieren.
Im Jahresdurchschnitt tragen die erneuerbaren Energien in Georgien einen ausreichenden Teil zur Energieversorgung des Landes bei. Allerdings gibt es saisonale Schwankungen bei der Versorgung und Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage, vor allem in den Wintermonaten. Die Wasserkraftwerke können den Bedarf im Winter wegen des Mangels an Ressourcen nicht decken. In diesen Monaten nutzt Georgien mithilfe von importiertem Erdgas die Kapazitäten seiner Heizkraftwerke. Die Wasserkraftwerke in Georgien sind für 85 Prozent der Stromerzeugung verantwortlich, 15 Prozent werden von Heizkraftwerken erzeugt. Problematisch bleibt allerdings die hohe Energieintensität – im europäischen Vergleich rangiert Georgien beim Energieverbrauch pro Kopf ganz weit oben.

Erneuerung einer Stromübertragungsleitung in Georgien © energy.gov.ge
Erneuerung einer Stromübertragungsleitung in Georgien © energy.gov.ge

Schwerpunkt erneuerbare Energien
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) engagiert sich seit Langem bei der Entwicklung des georgischen Energiesektors. Schwerpunkt der Aktivitäten ist der Sektor erneuerbare Energien, der entscheidend zur Sicherheit der Energieversorgung in dem Land beiträgt. Die EBRD unterstützt das Land speziell bei der Entwicklung des Energiehandels sowie beim Aufbau der zur Versorgung notwendigen Infrastruktur, etwa bei Pipelines oder Hochspannungsleitungen. Bislang gingen EBRD-Mittel in Höhe von insgesamt 313 Millionen Euro in elf Energieprojekte. Die erste EBRD-Investition fand im staatseigenen Wasserkraftwerk Enghuri statt. Mit der Sanierung des Kraftwerks wurde die Betriebskapazität von 230 auf 260 Megawatt erhöht. Des Weiteren wurde der zum Kraftwerk gehörende Staudamm restauriert. Die Arbeiten konnten zum Jahresende 2013 abgeschlossen werden. Durch die Sanierung der Anlage wurde das Land in die Lage versetzt, Emissionsgutschriften auf dem internationalen Markt zu verkaufen, was dem Staat eine neue Einnahmequelle erschlossen hat.

Stromhandel im Kaukasus
Im Jahr 2010 vergab die EBRD 80 Millionen Euro zur Finanzierung der Black Sea Transmission Line, einem Hochspannungsübertragungsnetz, welches das Gleichgewicht zwischen Stromangebot und -nachfrage reguliert und zu einer Erhöhung des Stromhandels im Kaukasus beiträgt. Dies hat zur Schaffung einer Stromdrehscheibe für die Nachbarländer, insbesondere die Türkei, beigetragen. Ein anderes Projekt ist das Jvari-Khorga-Projekt, das im vergangenen Jahr unterzeichnet wurde. Mit EBRD-Unterstützung in Höhe von 25,2 Millionen Euro sollen technische Störungen im westlichen Teil des Landes beseitigt und die Netzstabilität in der Region insgesamt verbessert werden. Mithilfe einer alternativen Versorgungsroute wird Strom aus dem Kraftwerk Enghuri über eine Station in Jvari zu einer Station in der Nähe von Poti geleitet. Das Projekt wurde mit acht Millionen Euro aus der „Neighbourhood Investment Facility (NIF)“ der EU mitfinanziert.

Kontakt

Europäische Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung (EBRD)

Landesbüro Tbilissi
Tel.: +995 322 447400
www.ebrd.com

Zur Unterstützung der künftigen Entwicklung der erneuerbaren Energien in Georgien hat die EBRD in Kooperation mit ausländischen Investoren in zwei weitere große Wasserkraftwerke investiert. Im Juni 2011 wurden 57 Millionen US-Dollar für die Erweiterung des 85-Megawatt-Wasserkraftwerks Paravani HPP im Südwesten des Landes vergeben. Paravani HPP ist das erste große Greenfield-Projekt in Georgien. Darüber hinaus vergab die EBRD im August einen Konsortialkredit an JSC Dariali Energy in Höhe von 80 Millionen US-Dollar für den Bau eines Kraftwerks im Nordosten des Landes – 160 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tbilissi und rund einen Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Die installierte Leistung wird 108 Megawatt betragen. Darüber hinaus wird die EBRD auch künftig in Hydropower-Projekte in Georgien investieren und das Land bei der Entwicklung seines Energiesektors unterstützen.

Dieser Beitrag ist erschienen in Ost-West-Contact 12/2014.