Wie Hongkong die Messen attraktiver macht

Marken spielen bei den Verbrauchern eine größere Rolle, ebenso wie Design und Qualität. Daher ergänzt der Veranstalter HKTDC zum Beispiel seine „Watch & Clock Fair“ um den „Salon de TE“, der den ganz besonderen Stücken unter den Uhren dieser Welt vorbehalten ist – Marken, die mehrere Tausend Euro kosten und viele Liebhaber haben, insbesondere in Asien © HKTDC
Marken spielen bei den Verbrauchern eine größere Rolle, ebenso wie Design und Qualität. Daher ergänzt der Veranstalter HKTDC zum Beispiel seine „Watch & Clock Fair“ um den „Salon de TE“, der den ganz besonderen Stücken unter den Uhren dieser Welt vorbehalten ist – Marken, die mehrere Tausend Euro kosten und viele Liebhaber haben, insbesondere in Asien © HKTDC

Gerade hat die Messe Frankfurt angekündigt, dass die »interstoff ASIA«, die seit Jahren einen festen Platz im Hongkonger Messekalender hatte, in diesem September zum letzten Mal in der Stadt durchgeführt wurde. Die Leitmesse für die Asien-Pazifik-Region wird ab kommendem Jahr in Shanghai organisiert. Für die stellvertretende Geschäftsführerin der Messe Frankfurt (Shanghai) Co., Ltd., Lucia Wong, ist das keine Abkehr vom Messeplatz Hongkong, sondern eine fällige Reaktion auf die Entwicklung. »Als Business-to-Business-Messe und Plattform für den Markt müssen wir einfach da sein, wo die Produktion konzentriert ist«, sagt sie und vergleicht Messen mit Produktionszyklen. Es sei nun mal so, dass vor Jahren das Beschaffungs- und Verkaufsgeschäft mit China zum großen Teil aus Hongkong heraus lief. »Heute ist es anders. Wir müssen uns nach den Interessen der Kunden richten, auch wenn ich es als Hongkongerin schade finde«, so Lucia Wong. Einen »Exodus« für den Hongkonger Messemarkt sieht sie deshalb noch lange nicht.

Neue Akzente

Zahlreiche Einkäufer auf den Hongkonger Messen sind nur an kleinen Bestellungen interessiert – sie wollen die Ware erst einmal testen. Für sie hat der HKTDC sogenannte „Small Order Zones“ eingerichtet © HKTDC
Zahlreiche Einkäufer auf den Hongkonger Messen sind nur an kleinen Bestellungen interessiert – sie wollen die Ware erst einmal testen. Für sie hat der HKTDC sogenannte „Small Order Zones“ eingerichtet © HKTDC

Vor allem im Bereich Business-to-Consumer bleibe Hongkong nach wie vor ein idealer Platz. Und es bieten sich neue Themen, wie Lebensmittel oder Umwelt, ergänzt die für Messen zuständige Managerin bei der Deutschen Handelskammer in Hongkong, Gracie Cheng. So hat die Messe Berlin entschieden, ihre asiatische Leitmesse »Fruit Logistica« aus Thailands Hauptstadt Bangkok nach Hongkong zu verlegen. Auch Sabine Florian, Executive Director der Kammer in Hongkong, glaubt an Hongkongs Messe-Zukunft, »weil hier Qualität gesichert wird und ausländische Aussteller nicht nur chinesische Fachbesucher erreichen, sondern auch internationale«. So kämen deutsche Anbieter auf die Hongkonger Pelzmoden-Messe, um mit russischen Einkäufern Geschäfte abzuschließen. Gracie Cheng erwähnt zudem, dass Hongkong als Messeplatz für didaktisches Lehrmaterial eine Bedeutung hat.

»Mit seinen Konsumgütermessen ist Hongkong unschlagbar«, sagt Sophia Chong entschieden. Sie ist stellvertretende Geschäftsführerin des Hong Kong Trade Development Councils (HKTDC), des größten Messeveranstalters in der Stadt. Auch sie ist offen für neue Themen, glaubt aber, noch sehr viel Potenzial zur Entwicklung bei den bestehenden Messen zu haben. »Mit neuen Akzenten können wir die Messen für Aussteller und Besucher noch attraktiver machen.« Sie denkt dabei an die Integration von mehr Lifestyle-Elementen. Immerhin sei Hongkong ein Trendsetter in der Asien-Pazifik-Region, »das muss sich auch in unseren Messen widerspiegeln« – mit Events im kleinen, aber exklusiven Rahmen. Wie Lucia Wong zieht sie einen Vergleich zum Produktzyklus, setzt dabei aber einen anderen Schwerpunkt: Gerade bei Konsumgütern sei ein Trend weg von der Massenproduktion hin zu höherer Wertschöpfung zu beobachten. Marken bekämen für die Verbraucher eine größere Rolle, Design und Qualität ebenso. Daher wird beispielsweise die »Fashion Week« durch die »World Boutique« ergänzt, auf der sich die führenden Haute-Couture-Hersteller mit ihren neuesten Kreationen präsentieren können. Während der Lebensmittelmesse findet zusätzlich eine Gourmet-Expo statt und während der »Watch & Clock Fair« der »Salon de TE«, der den ganz besonderen Stücken unter den Uhren dieser Welt vorbehalten ist, Marken, die mehrere Tausend Euro kosten und viele Liebhaber haben, insbesondere in Asien. »Mit dieser Strategie machen wir nicht nur die Messen attraktiver, sondern erreichen eine ganz andere, neue Einkäuferschicht.«


Die vom Hong Kong Trade Development Council organisierte Watch & Clock Fair 2014 verlief sehr erfolgreich, besonderes Interesse der kaufkräftigen Kundschaft fand auch der „Salon de TE“. Im visuellen Abschlussbericht der „Watch & Clock Fair 2014“ kommen Aussteller und Besucher zu Wort.


Das Hong Kong Trade Development Council folgt bei seinen Messen aber noch einem weiteren Trend. Ohne Zweifel wird es auch in Zukunft die großen Einkäufer geben. Es gibt aber mehr und mehr Kunden, die an kleineren Bestellungen interessiert sind, die eine bestimmte Ware erst einmal testen wollen und die angesichts des schnellen Wandels im Konsumverhalten nicht große Lagerbestände aufbauen wollen. Wer nur kleinere Mengen ordern wolle, brauche gar nicht erst zu den Ausstellern in den großen Hallen zu gehen. »Die warten nur auf Großhändler.« Die Antwort sind die sogenannten »Small-Order«-Zonen, die es bereits seit zwei Jahren gibt und die auf zunehmendes Interesse stoßen. Die Aussteller in diesen Zonen müssen klare Angaben zu Preis und Lieferzeit machen, in Ergänzung zur jeweiligen Messe können sie ihre Waren auch auf der Website des Messeveranstalters anbieten. »Damit haben wir unsere Messen für neue Kunden erschlossen.«

Wirtschaftsfaktor Messe

Innovativ denken, darauf komme es an, um die Vitalität des Messeplatzes Hongkong auch im Wettbewerb mit anderen Orten zu erhalten. Immerhin trage die Messewirtschaft mit jährlich mehr als 40 Milliarden Hongkong-Dollar (etwa 4,14 Milliarden Euro) zum Bruttosozialprodukt der Stadt bei. Rund zwei Prozent seien das. Wichtiger noch ist, dass 70.000 Menschen mit und rund um die Messen beschäftigt werden, in Vollzeit.

Die „Small-Order“-Zonen, die es bereits seit zwei Jahren gibt, stoßen auf zunehmendes Interesse. Wer dort ausstellt, muss klare Angaben zu Preis und Lieferzeit machen. Mit dieser Neuerung hat der HKTDC seinen Messen auch neue Kundengruppen erschlossen © HKTDC
Die „Small-Order“-Zonen, die es bereits seit zwei Jahren gibt, stoßen auf zunehmendes Interesse. Wer dort ausstellt, muss klare Angaben zu Preis und Lieferzeit machen. Mit dieser Neuerung hat der HKTDC seinen Messen auch neue Kundengruppen erschlossen © HKTDC

Etwa 120 Messen finden jährlich in Hongkong statt, 35 davon organisiert das Hong Kong Trade Development Council. Und obwohl die Stadt, die sich gern als Hauptstadt des asiatischen Messegeschäfts bezeichnet, über fast 180.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche verfügt, platzen viele Messen bereits aus allen Nähten. Bei den 23 HKTDC-Messen, die von Januar bis September dieses Jahres stattfanden, wurden eine halbe Million internationaler Käufer und 25.000 Aussteller gezählt. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ist das ein Plus von 8,8 respektive fünf Prozent. Die Zahl der Aussteller aus den ASEAN-Ländern ist um sechs Prozent auf 800 gestiegen, die der Einkäufer sogar um 17 Prozent auf 26.000.

Gern würde Sophia Chong eine Erweiterung ihres »Heim-Messezentrums« in Wanchai sehen. Über eine dritte Ausbaustufe wird seit langem diskutiert, wann sie aber zur Realität wird, das vermag sie nicht zu sagen. »Für Hongkong wäre die Erweiterung eine gute Sache«, sagt sie und ist davon überzeugt, dass sie notwendig ist, um das Wachstum zu sichern. pt

Dieser Beitrag ist erschienen in ChinaContact 12/2014.