Neue Perspektiven für Hongkongs Wirtschaft

Das PMQ, im quirligen Antik-Viertel auf Hongkong Island gelegen, ist eine gemeinnützige Einrichtung. PMQ steht für Police Married Quarters – das Gebäude diente noch bis 2010 als Unterkunft für verheiratete Polizei-Offiziere. Heute befinden sich hier Büros für 100 junge Designer, eine Plattform, die ihnen helfen soll, »den Weg in den Markt zu finden« © CC/pt
Das PMQ, im quirligen Antik-Viertel auf Hongkong Island gelegen, ist eine gemeinnützige Einrichtung. PMQ steht für Police Married Quarters – das Gebäude diente noch bis 2010 als Unterkunft für verheiratete Polizei-Offiziere. Heute befinden sich hier Büros für 100 junge Designer, eine Plattform, die ihnen helfen soll, »den Weg in den Markt zu finden« © CC/pt

Seit Anfang Oktober halten protestierende Studenten die Stadt im Atem. Nach mehr als sechs Wochen Straßenblockaden wächst der Unmut der Hongkonger und Geschäftsleute fürchten, dass die Attraktivität Hongkongs für Investoren leiden könnte. Einbußen im Einzelhandel und beim Tourismus sind erste Folgen. So warnte die Italienische Handelskammer in Hongkong Anfang November, das Fortdauern der Proteste gefährde das Weihnachtsgeschäft vieler Luxusanbieter, mit der Folge, dass sich die Unternehmen zum Schließen ihrer Flagshipstores in den besten Lagen Hongkongs entscheiden könnten.

Anlass der Proteste ist die Wahlrechtsreform für das Jahr 2017. Die Studenten wollen nicht nur ein allgemeines Wahlrecht, wie es das Basic Law vorsieht, sondern eine Mitentscheidung der Bevölkerung bei der Auswahl der Kandidaten für das höchste Regierungsamt in der Stadt. Sie müssen sich freilich fragen lassen, wo es dies gibt. Kandidaten werden immer von Interessengruppen vorgeschlagen. In diesem Falle behält sich Peking das Recht vor, mitzuentscheiden. Interessant ist allerdings, dass die Wahlen nur Anlass für die Proteste sein dürften. Die Probleme liegen tiefer. Wirtschaftliche Ursachen spielen sicherlich eine Rolle. Die Frage ist, welche Perspektive die Hongkonger in einer Stadt haben, die seit jeher von Globalisierung gelebt hat und weiter darauf setzt, die Besten der Besten zu rekrutieren, weltweit, auch vom chinesischen Festland. Es ist ein Wettbewerb, dem sich die Hongkonger, die lange Zeit glaubten, besser zu sein, immer stärker stellen müssen, auch gegen Festlandchinesen.

William To: Das PMQ ist ein »Beschleuniger« für den Markteintritt von kreativen Firmen © CC/pt
William To: Das PMQ ist ein »Beschleuniger« für den Markteintritt von kreativen Firmen © CC/pt

Neue »Zauberformel«

Im Interview für die ChinaContact-Ausgabe 12/2014 sagt Betty Ho, die seit September das Hong Kong Economic and Trade Office in Berlin leitet, die Zukunft ihrer Stadt hänge auch davon ab, für die besten Talente der Welt attraktiv zu sein. Mit vielen Hongkongern ist sie sich einig, dass Hongkong seine traditionellen Stärken – Handel und Logistik, Finanzwirtschaft und Unternehmensdienstleistungen – weiter stärken, gleichzeitig jedoch neue Stärken finden muss. Die sieht sie unter anderem in der Kreativwirtschaft. Eine neue »Zauberformel« scheint dies zu sein. Mit der Business of Design Week, die seit zehn Jahren immer Anfang Dezember stattfindet, hat sich Hongkong einen Namen als »Design-Metropole« gemacht, als »Drehscheibe für Design und Kreativität in der Asien-Pazifik-Region«.

William To hat in den vergangenen Jahren die Business of Design Week stark mitgeprägt und dazu beigetragen, dass sie das geworden ist, was sie heute ist. Jetzt hat er als Direktor der PMQ Management Co., Ltd. eine andere Aufgabe. PMQ steht für Police Married Quarters und hat noch bis 2010 als Unterkunft für verheiratete Polizei-Offiziere gedient. Heute sind die beiden Blöcke Plattform für 100 junge Designer, die ihnen helfen soll, »den Weg in den Markt zu finden«. William To hat so seine Zweifel mit der Behauptung, dass Hongkong ein Zentrum der asiatischen Kreativwirtschaft ist. »Bis dahin muss noch ein weiter Weg gegangen werden«, sagt er. Hongkong liege noch deutlich hinter Japan und Europa zurück. Dort werde den Menschen anders als in Hongkong Kreativität bereits in die Wiege gelegt. »Kreativität und Design sind in der Kultur enthalten.« Das habe alles auch mit der Ausbildung zu tun, kreatives Denken müsse in einem langen Prozess anerzogen werden. »Über Nacht ist das nicht zu erreichen.«

Auch Marc Brülhart hat seine Zweifel, ob die Hongkonger kreativ sind. »Die Studenten haben bei den Protesten bewiesen, dass sie kreativ sein können. Das ist auch alles.« Mit anderen Design-Zentren könne Hongkong (noch) nicht mithalten. Er macht es unter anderem daran fest, dass es Hongkong wie China in der Neuzeit an »originellen Erfindungen« fehle, an »wegweisenden Entdeckungen«. Wie William To sagt er: »Das Bildungssystem fördert nicht die Kreativität, eine Debattenkultur gibt es nicht. Debatten sind aber die Voraussetzung dafür, zu neuen Höhen zu gelangen.«

Marc Brülhart: Jeder hat ein bestimmtes Talent © CC/pt
Marc Brülhart: Jeder hat ein bestimmtes Talent © CC/pt

Dennoch ist der Schweizer seit 1992 in Hongkong. Der gelernte Möbeltischler und Produktdesigner hat sich nach der Ausbildung auf eine Weltreise begeben. Japan war eigentlich das Ziel. In Hongkong ist er dann geblieben und hat mit zwei französischen Partnern das Label »marc & chantal« gegründet. Das Unternehmen beschäftigt sich, grob gesagt, mit Branding. Dabei geht es nicht darum, ein Logo zu gestalten, sondern Räume als integrierte Objekte, um Unternehmen ein Gesicht zu geben und ihnen zu helfen, Ideen zu kommunizieren. Eine Kinderklinik zum Beispiel, in der mit grafischen Elementen erreicht wird, Druck von den kleinen Patienten und deren Eltern zu nehmen. Gleichzeitig können die Ärzte die Elemente nutzen, um die notwendigen Behandlungen zu erklären.

Marc Brülhart stellt eine Veränderung fest, von der auch seine Firma profitiert: Bei Menschen und Unternehmen wächst die Erkenntnis, wie viel Bedeutung ein gutes Design für Produkte, aber auch für Dienstleistungen hat.

Mehr als zwei Dutzend Mitarbeiter hat marc & chantal heute. Gutes Personal zu finden, ist nicht einfach, so Marc Brülhart, der sagt, keinen »Superstar« zu benötigen. Wichtig sind ihm Kollegen, die mitdenken und die richtige Einstellung haben. »Jeder hat ein bestimmtes Talent. Wer bereit ist zu lernen, kann es entfalten. Darauf kommt es an.«

Zu wenig Jobs

Künftige Mitarbeiter dürfte Marc Brülhart unter den Absolventen der School of Creative Media an der City University of Hong Kong finden. 800 Studenten hat die Schule derzeit, davon zehn Prozent Ausländer, 30 Prozent Hongkonger, und der Rest kommt vom chinesischen Festland. Harald Krämer, der sich als »Mitteleuropäer mit deutschem Pass« versteht, ist dort seit Anfang des Jahres Professor und lehrt Arts Management und Curatorship. Zuvor hat er unter anderem an der Züricher Hochschule der Künste gearbeitet und an der Umgestaltung des Schweizer Landesmuseums mitgewirkt. Auch er glaubt, dass Hongkong in Sachen Kreativität noch großen Nachholbedarf hat und macht dies am »Dornröschenschlaf« der Hongkonger Museen fest. Einige seien mit ihren Präsentationen in den späten 1980er Jahren hängen geblieben. Im Übrigen sei das Hongkonger Wettbewerbswesen für Kreativität nicht förderlich: Gerade bei öffentlichen Ausschreibungen entscheide oft der Preis, nicht die Kreativität. Das billigste Angebot werde genommen.

Von Daniel Libeskind entworfen: School of Creative Media an der Hong Kong City University © CC/pt
Von Daniel Libeskind entworfen: School of Creative Media an der Hong Kong City University © CC/pt

An der School of Creative Media, die sich in einem imposanten Libeskind-Bau befindet und mit neuester Technik wie MOCAP (Motion Capture) und 360-Grad-Kino ausgestattet ist, werden Medienkünstler sowie Fachleute für audiovisuelles und interaktives Design ausgebildet. Es ist die einzige Ausbildungseinrichtung dieser Art in Hongkong, und Harald Krämer ist davon überzeugt, dass die Absolventen über ein hohes Ausbildungsniveau verfügen. Woran es aber mangele, seien gut bezahlte Jobs. Zwar fänden 90 Prozente der Absolventen eine Stelle, die durchschnittlichen Anfangsgehälter von 150.000 Hongkong-Dollar (15.400 Euro) im Jahr seien aber sehr mager. Bessere Möglichkeiten gebe es in China, so Harald Krämer, »dahin wollen die aus Hongkong stammenden aber nicht gehen.«

Ansiedlungsinitiative

Es wird also darum gehen müssen, in Hongkong selbst noch mehr kreative Unternehmen anzusiedeln und dafür die Bedingungen zu schaffen, will die Stadt ihrer selbst erklärten Rolle als Kreativzentrum »im Herzen Asiens« gerecht werden. Darauf zielt unter anderem die seit zwei Jahren laufende Start-up-Initiative von InvestHK. Dabei geht es laut Simon Galpin, Generaldirektor der Hongkonger Standortmarketing-Agentur, weniger darum, jungen Unternehmen mit finanziellen Mitteln unter die Arme zu greifen, »die brauchen die Unternehmen nicht«, sondern darum, ihnen Räumlichkeiten zu bieten, damit sie ihr Geschäft entwickeln können – sogenannte Inkubatoren oder die Möglichkeit des Büro-Sharings – nur etwa 200 Euro Miete koste solch ein Arbeitsplatz monatlich. 2010 habe es in Hongkong nur drei dieser Möglichkeiten gegeben. Heute seien es 30.

Sound Training: An der School of Creative Media werden die Kreativen der Zukunft ausgebildet © CC/pt
Sound Training: An der School of Creative Media werden die Kreativen der Zukunft ausgebildet © CC/pt

Auch Simon Galpin sieht, dass Hongkong in Sachen Kreativität gegenüber Berlin beispielsweise noch weit hinterherhinkt. »Bei uns ist aber das Tempo höher.« Profitieren könnten die Neueinsteiger vom Rechtssystem, vom Willen der einheimischen Bevölkerung, für junge Unternehmen zu arbeiten, und nicht zuletzt von der Konsumkraft in der Stadt. Und an die Adresse ausländischer Jungunternehmer gerichtet, sagt Simon Galpin: »Die Hürden, hier bei uns eine Firma zu gründen, sind deutlich niedriger, als das in Europa der Fall ist.« Hongkong will die besten der besten Firmen haben. Dabei stünden nicht nur die großen multinationalen Konzerne im Blick.

Auf die Chancen, die Hongkong bietet, sollte auch ein jüngst stattgefundener weltweiter Wettbewerb aufmerksam machen, in dem Geschäftsideen von Start-up-Unternehmen bewertet wurden. 550 Firmen aus aller Welt haben sich daran beteiligt, die besten zwölf wurden nach Hongkong eingeladen, sich auf dem Hong Kong Venture Forum zu präsentieren und sich von den Möglichkeiten in der Stadt ein Bild zu machen. Darunter ist unter anderem die 2013 gegründete Berliner Fast Forward Imaging GmbH für Automatisierung und Standardisierung der Produktfotografie, unter anderem im 360-Grad-Design.

»Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stehen für Hongkongs wirtschaftlichen Aufstieg.«

Simon Galpin wünscht sich, dass noch mehr Deutsche die Chancen in Hongkong nutzen. Die Fast Forward Imaging GmbH könnte mittelfristig dazugehören, denn es sei außerordentlich wichtig, mit ihren Dienstleistungen dichter an den Produzenten zu sein, sagt Unternehmensgründerin Anna Rojahn.

Von 39 Start-ups, die sich im ersten Halbjahr 2014 in Hongkong angesiedelt haben, sind nur vier deutsche. Spitzenreiter sind die USA, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. Deutschland teilt sich mit Australien den vierten Platz. Chinesische Start-ups gibt es überhaupt nicht, was damit zu erklären ist, dass Chinesen bisher keine »Investoren-Visa« erhalten.

Austausch fördern

Noch ist der Anteil von Start-ups an Hongkongs Bruttosozialprodukt so gering, dass sich Simon Galpin schwer damit tut, diesen zu beziffern. Er sieht aber das Wachstumspotenzial und meint, dass auch die »Großen«, Dienstleister wie KPMG zum Beispiel, davon profitieren werden, wenn sich noch mehr dieser Firmen in der Stadt ansiedeln. Zudem ist der Austausch zwischen lokalen und internationalen Unternehmen, auch ihr Wettbewerb untereinander, eine Voraussetzung, dass Hongkong seiner gewollten Rolle als künftiger asiatisch-pazifischer Kreativ-Motor gerecht wird.

Benoit D. G. Ams: Ob es bei dem Zweijahres-Mietvertrag bleibt, werden wir noch sehen © CC/pt
Benoit D. G. Ams: Ob es bei dem Zweijahres-Mietvertrag bleibt, werden wir noch sehen © CC/pt

So sehen es auch die Unternehmen, die sich »zu sehr günstigen Konditionen«, wie William To betont, im PMQ angesiedelt haben, das im Frühjahr dieses Jahres eröffnet wurde. Zwischen 10.000 und 18.000 Hongkong-Dollar (1.350 bis 1.863 Euro) müssen die Firmen pro Monat für eine Einheit zahlen, je nachdem, wie etabliert das Unternehmen im Markt bereits ist. Für Hongkonger Verhältnisse ist das fast unschlagbar.

Das PMQ, im quirligen Antik-Viertel auf Hongkong Island gelegen, ist eine gemeinnützige Einrichtung, deren Aufbau die Musketier-Stiftung zur Förderung junger Talente mit 100 Millionen Hongkong-Dollar finanziert hat. Im Untergrund sind die Fundamente der in den 1880er Jahren gegründeten ersten westlich geprägten staatlichen Schule für Hongkonger zu sehen, die im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff dem Erdboden gleichgemacht wurde. 1951 wurde an dieser Stelle die Wohnanlage für verheiratete Polizeioffiziere gebaut, um, wie William To erzählt, den Polizeiberuf für die Einheimischen attraktiver zu machen – kleine Ein-Raum-Wohneinheiten mit Küchen auf den zum Innenhof gerichteten Terrassen. 2010 verließ der letzte Mieter die Wohnanlage, die nun ein einzigartiges Refugium für kreative Unternehmen ist, um sich im Markt einen Namen zu machen. Gastronomische Einrichtungen und Flächen für Ausstellungen sichern die Kosten für den Unterhalt. Gleichzeitig locken sie auch Besucher an. Seit der Eröffnung im April waren es schon 1,8 Millionen.

William To legt Wert darauf, dass das PMQ kein »Inkubator« für Unternehmensgründungen ist, sondern »Gaspedal« für den Markteintritt. Nur die Unternehmen mit den besten Marktstrategien – es müssen Hongkonger sein, gegründet von einheimischen oder ausländischen Investoren – haben Zugang, um Geschäftsmodelle und Preisstrategien zu testen. 180 Bewerbungen hat es vor dem Start gegeben, 100 Firmen haben den Zuschlag erhalten und 600 weitere stehen bereits auf der Warteliste. Auf die Frage, wie das zu verstehen sei, sagt William To: »Die Konditionen sind vertraglich klar geregelt. Nach zwei Jahren müssen die Unternehmen so weit sein, um auf dem ›freien Markt‹ bestehen zu können.« Sein Anliegen ist es, »so vielen Firmen wie möglich zu helfen, den Weg in den Markt zu finden.«

Von der Zen-Philosophie inspirierter Schmuck der Schweizer Designerin Marielle Byworth: In Hongkong einen Namen machen, um China zu »erobern« © CC/pt
Von der Zen-Philosophie inspirierter Schmuck der Schweizer Designerin Marielle Byworth: In Hongkong einen Namen machen, um China zu »erobern« © CC/pt

»Das werden wir noch sehen«, sagt Benoit D. G. Ams. Der Belgier gehört zu den ersten Mietern und sein Unternehmen, die 2009 gegründete Smith & Norbu Ltd., bietet für den Träger maßgefertigte und handgearbeitete Brillenfassungen aus Büffel- und Yak-Horn an, die zum Teil auch nach Europa geliefert werden. Für ihn ist klar, dass an die Frage nicht pauschal herangegangen werden darf. »Das PMQ wird nur eine Zukunft haben, wenn dort nicht eine ›künstliche‹ Fluktuation geschaffen, sondern hohe Qualität mit Konstanz gesichert wird.«

So sieht es auch Antti Hivonen, bei der britischen Tom Dixon. Regionalmanager für Asien: »Wir werden sehen, was in zwei Jahren passiert.« Nachdem Tom Dixon. mit seinen Designer-Möbeln, Lampen und Wohnaccessoires in den vergangenen Jahren bereits den europäischen und amerikanischen Markt erschlossen hat, steht jetzt der Schritt nach Asien an. Bei der Standortwahl hat Hongkong gegenüber Singapur gewonnen, »weil wir hier einen besseren Zugang nach China haben«. In Hongkong macht das Unternehmen, das unter anderem bei Lane Crawford gelistet ist, derzeit etwa zehn Prozent seines globalen Geschäfts. »Es sollen deutlich mehr werden.«

Das PMQ als »Schmelztiegel« von Designern und Architekten ist für Antti Hivonen ein perfekter Platz für das Asien-Headquarter seines Unternehmens. Und Benoit D. G. Ams ergänzt, dass es sich von den anderen Shopping-Malls der Stadt positiv absetzt. Hier können Kunden das Besondere finden und nicht das Einheitsallerlei, das es inzwischen weltweit gibt.

Von der japanischen Zen-Philosophie inspirierten Schmuck der Designerin Marielle Byworth beispielsweise. Ihre Marke Marijoli hat die Schweizerin vor acht Jahren in Tokio kreiert und vor drei Jahren nach Hongkong gebracht. Sie findet das Konzept des PMQ, nur den besten und talentiertesten Designern Platz zu bieten, sowie die Lage »perfekt« und will die im Mietvertrag vorgeschriebenen zwei Jahre nutzen, ihre Marke in Hongkong bekannt zu machen. Gerade wer den großen chinesischen Markt erschließen will, sollte Hongkong als Ausgangspunkt nutzen: »Wer sich hier einen Namen macht, hat es in China leichter.«

Karte: Hongkong, China © CC/uz
Wirtschaftsdaten Hongkong 1. Halbjahr 2014

Bruttosozialprodukt (BSP): 1.048,32 Mrd. HK$
BSP-Wachstum: 5,1%
Außenhandelsvolumen: 3.702,28 Mio.HK$
Zuwachs des Außenhandelsvolumens: 3,3%
Arbeitslosenrate: 3,5%
Inflationsrate: 3,6%

Quelle: Hong Kong Census and Statistics Department, Veränderung zum 1. Halbjahr 2013

Marielle Byworth spricht ebenso von der Bedeutung des Austausches mit anderen Fachkollegen wie der Professor an der School of Creative Media der City University, Harald Krämer. Im Rahmen von »Erasmus Plus« hat er ein Austauschprogramm zwischen seiner Universität und der Donau-Universität Krems, der Universität von Aalborg und der Universität im polnischen Lodz auf die Beine gestellt. 20 Studenten der Medienkunst und -kultur werden das Programm nutzen und innerhalb von zwei Jahren an den vier Universitäten Teilstudien absolvieren: In Aalborg beispielsweise Web-Analyse, in Lodz Design von Online-Spielen und in Hongkong 3-D-Technologie. Harald Krämer ist beeindruckt, wie schnell das Projekt auf die Beine gestellt wurde: »Im Februar haben wir die ersten Ideen diskutiert, im März war klar, dass wir es machen.«

Die Offenheit der Hongkonger für neue Ansätze gibt ihm dann doch die Gewissheit, dass Kreativität und Kreativwirtschaft in der Stadt eine Perspektive haben. In Deutschland würde erst einmal lange evaluiert werden, sagt er. »Die Hongkonger handeln.« pt

Dieser Beitrag ist erschienen in ChinaContact 12/2014.