Russland: Aufstieg im aktuellen Weltbank-Ranking

Der „Doing Business“-Report der Weltbank ist Ende Oktober 2014 erschienen.
Der „Doing Business“-Report der Weltbank ist Ende Oktober 2014 erschienen.

WASHINGTON, D.C. Laut dem aktuellen „Doing Business“-Report der Weltbank ist es leichter geworden, in Russland Unternehmen zu gründen und Geschäfte zu machen. Gesetzgeberische Reformen in den Bereichen Unternehmensgründung und Registrierung von Eigentum haben unter anderem dazu geführt, dass Russland in dem Ende Oktober erschienenen Weltbank-Ranking der Aufstieg auf Platz 62 gelungen ist.
Russland hat beispielsweise im Mai 2014 das Verfahren zur Firmengründung und -registrierung entschlackt und beschleunigt, in dem die Verpflichtung zur Eröffnung eines Stammkapitalkontos gestrichen wurde. Zuvor war es erforderlich, dass das Stammkapital einer Gesellschaft zum Zeitpunkt der Registrierung zu 50 Prozent eingezahlt war. Hierfür musste ein besonderes Stammkapitalkonto eröffnet werden – was in der Praxis stets einige Tage in Anspruch nahm und das gesamte Gründungsverfahren aufwendiger machte. Mittlerweile gilt lediglich, dass die Einzahlung des gesamten Stammkapitals innerhalb von vier Monaten nach der Registrierung der Gesellschaft erfolgen muss. Positiv beurteilten die Weltbank-Analysten auch, dass die russischen Gesetzgeber die Übertragung von Eigentum erleichtert haben. Nunmehr sei keine Beurkundung mehr erforderlich, außerdem seien die Fristen für die Registrierung von Eigentum gekürzt worden.
Bemängelt wird im aktuellen „Doing Business“-Report unter anderem der (zeitliche) Aufwand, der nötig ist, um einen Anschluss ans Stromnetz zu bekommen oder Waren ein- beziehungsweise auszuführen. Dabei müssten Unternehmer im Vergleich zum globalen Durchschnitt erhebliche Verzögerungen in Kauf nehmen, so die Weltbank.

Kritik an Ranking-Methoden
Den „Doing Business“-Report legt die Weltbank seit zwölf Jahren einmal im Jahr vor. Die gut 200 Seiten starke Analyse untersucht 189 Länder auf ihre Unternehmerfreundlichkeit und erzeugt stets große Aufmerksamkeit. Zahlreiche Regierungen schmücken sich gern mit guten Ergebnissen.
In den vergangenen Jahren gab es allerdings heftige Kritik an den Ranking-Methoden der Weltbank. China bezeichnete beispielsweise das Vorgehen 2012 als „abwegig“ und bemängelte, dass die Rangliste nicht die Tatsachen widerspiegele. Im aktuellen Report haben die Analysten der Weltbank daher die Bewertungsmethoden für das Gesamtranking geändert. So wurden in elf Ländern mit einer Bevölkerung von über 100 Millionen Menschen – darunter Russland – auch die Rahmenbedingungen in einer weiteren Stadt untersucht (Moskau und St. Petersburg). Auf die Platzierung wirkt sich jetzt auch der Abstand zum besten Wert („Distance to Frontier“) aus. Die neue Berechnungsmethode, nach der auch die Daten/Platzierungen des Vorjahres nachträglich korrigiert wurden, hat für einige Länder wesentliche Auswirkungen. So wurde Russland letztes Jahr auf Platz 92 geführt, während die neue Berechnungsmethode Russland für das vergangene Jahr Platz 64 eingebracht hätte (im neuen Bericht belegt Russland Rang 62). Nach alter Lesart ist Russland also gar ein Aufstieg um 30 Plätze gelungen, wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass euphorisch verkündete. Laut der neuen Ranking-Methode ist es immerhin noch ein Aufstieg um zwei Plätze.