Wirtschaftstag Russland auf der GlobalConnect: Beziehungen aufrechterhalten

Wirtschaftstag Russland im Rahmen der GlobalConnect © OWC
Wirtschaftstag Russland im Rahmen der GlobalConnect © OWC

STUTTGART. Am 1. August 2015 sind die Sanktionen der Europäischen Union gegenüber Russland vom Tisch. Wenn vorher kein einstimmiger Beschluss zur Verlängerung vom EU-Ausschuss der Ständigen Vertreter zu neuen Sanktionen gefasst wird – womit nicht zu rechnen ist – laufen die Sanktionen automatisch aus. Darüber informierte Wolfgang Dik, Leiter der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau auf dem Wirtschaftstag Russland, der am Mittwoch im Rahmen der Außenwirtschaftsmesse GlobalConnect in Stuttgart stattfand. Auch Russland kalkuliere mit diesem Zeitraum, so Dik. Die Reserven aus dem Nationalen Wohlfahrtsfonds würden ausreichen, um die betroffenen Unternehmen über diesen Zeitraum zu unterstützen. Allerdings sei der Fonds bereits von dem Ölkonzern Rosneft kräftig „angeknabbert“ – das Unternehmen erhielt eine Zuwendung von mehreren Milliarden US-Dollar. Wegen des niedrigen Ölpreises werde der Wohlfahrtsfonds momentan jedoch nicht wieder aufgefüllt. Vorrang habe der Stabilisierungsfonds, der mit sieben Prozent des BIP gefüllt sein muss, sagte Dik.
Er ermunterte die Teilnehmer, ihre Russland-Beziehungen aufrecht zu erhalten. „Wir haben die Herzen der Russen immer noch“, sagt der Botschaftsvertreter, „allerdings werden die Köpfe jetzt anders beeinflusst“. Gegenwärtig sollte man die menschliche Komponente mehr betonen, auch wenn sich das nicht unmittelbar bezahlt macht.

Wirtschaftliche Situation nicht einheitlich
Jens Böhlmann, Mitglied der Geschäftsführung der AHK Russland, erinnerte die Teilnehmer daran, dass die überwiegende Mehrzahl der Güter weiterhin problemlos nach Russland geliefert werden könne. Ganz normale Handelsfinanzierungen seien weiterhin möglich. Aus den Importstopps Russlands im Bereich Lebensmittel seien zahlreiche Posten wieder aus der Liste herausgenommen worden.
Bei der jüngsten AHK-Umfrage unter deutschen Unternehmensvertretern sind die Einschätzungen zur Situation der Unternehmen laut Böhlmann sehr weit auseinandergegangen. Noch nie habe es eine solche Streuung der Meinungen gegeben wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
Als wichtige Herausforderungen, vor denen Russland heute steht, nannte Böhlmann unter anderem die Finanzierung, die Ausbildung von Fachkräften und die Lokalisierung.
Abschließend forderte er die Teilnehmer auf, nicht alles zu glauben, was gegenwärtig zu Russland gesagt und geschrieben werde.

Markt jetzt für Mittelstand interessant
Auf einem Diskussionspanel informierte Klaus Mangold, Inhaber der IWB | Internationale Wirtschaftsberatungsgesellschaft mbH, über den bevorstehenden Besuch des russischen Wirtschaftsministers Alexej Uljukajew, der sich in Baden-Württemberg über Möglichkeiten der Förderung von Innovationen und mittelständische Strukturen informieren möchte. Dies sei ein Beispiel dafür, dass die Gesprächskanäle noch immer offen seien.
Der wirtschaftliche Abwärtstrend in Russland sei jedoch beunruhigend, so Mangold. „Wir können nicht davon ausgehen, dass die russische Wirtschaft in nächster Zeit wieder an Boden gewinnt.“ Das sei aber auch eine große Chance für den Mittelstand und für Familienunternehmen, wenn sie in der Lage sind, eine Finanzierungs-Durststrecke zu überstehen.
Als gegenwärtig interessante Geschäftsfelder nannte Edda Wolf, Leiterin des Bereiches Südosteuropa/GUS der Germany Trade and Invest, die Fleisch- und Milchproduktion. Gegenwärtig würde viel Geld für den Aufbau einer eigenen Verarbeitung verwendet, sodass Zulieferer in dieser Branche gute Geschäftsmöglichkeiten haben. Auch der Bau von Gewächshäusern werde momentan intensiviert.
Ohnehin müssten die deutschen Unternehmen gegenwärtig ihre Business-Pläne gegenüber Russland überarbeiten, erklärte Burkhard Thost, Vizepräsident der IHK Baden-Württemberg und Geschäftsführer der Thost Projektmanagement GmbH. Auch er empfahl den deutschen Unternehmen, sich gerade in der jetzigen Situation in Russland umzusehen und zu engagieren.
Der Wirtschaftstag Russland im Rahmen der GlobalConnect wurde von der IHK Stuttgart und der IHK Rhein-Neckar veranstaltet.

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