Neue Entwicklungsbank für Asien

Asiens Infrastruktur braucht dringend Investitionen . © Peter Tichauer
Asiens Infrastruktur braucht dringend Investitionen . © Peter Tichauer

PEKING. Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hatte Chinas Staatspräsident Xi Jinping den Vorschlag unterbreitet, eine neue Entwicklungsbank für Asien aufzubauen, deren Aufgabe es sein soll, Infrastrukturvorhaben in der Region zu unterstützen. Allein für den Ausbau der Infrastruktur in den asiatischen Ländern sind im kommenden Jahr nach Angaben der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) Investitionen von 8.000 Milliarden US-Dollar notwendig. Am Rande des Finanzministertreffens der APEC-Länder Ende der vergangenen Woche wurde nun mit einer offiziellen Absichtserklärung der Startschuss für die Asiatische Infrastruktur Investment Bank (AIIB) gegeben: Mehr als 20 Länder gehören zu den Gründungsmitgliedern, darunter neben China die Mongolei, Kasachstan, Usbekistan, Indien, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka, Pakistan, Brunei Darussalam, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Singapur, Thailand, die Philippinen und Vietnam. Es wird davon ausgegangen, dass sie 50 Millionen US-Dollar als Startkapital in die Bank einbringen.

Nach Angaben der Gründer sieht sich die AIIB nicht als Konkurrent, sondern als Ergänzung zur Asiatischen Entwicklungsbank, Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds. So sieht es auch Takehiko Nakao, Präsident der Asiatischen Entwicklungsbank. Er sagte in Peking, dass die AIIB-Gründung angesichts des großen Bedarfs an Infrastrukturinvestitionen in Asien eine willkommene Finanzierungsalternative bieten könne und verwies darauf, dass die ADB ihren Schwerpunkt der Tätigkeit in der Armutsbekämpfung und im Umweltschutz sieht. Nakao erwartet von der AIIB, dass sie im Einklang mit den internationalen Normen tätig sein wird und erklärte die Bereitschaft der ADB zur Kooperation, sobald die Bank vollständig etabliert ist.

Am Rande des APEC-Finanzministertreffens hatte Takehiko Nakao zur wirtschaftlichen Entwicklung in Asien und zum Entwurf für das neue Fünfjahresprogramm der wirtschaftlichen Entwicklung in China Stellung genommen. Er sei optimistisch, dass Asien auch im kommenden Jahrzehnt „Motor für die Weltwirtschaft“ sein wird. Voraussetzung sei, dass die Industriepolitik weiter verbessert wird und die begonnenen strukturellen Veränderungen beschleunigt werden. Das sagte er unter anderem mit Blick auf China, wo die Reform in der Staatsindustrie konsequenter sein und dem Markt noch eine höhere Bedeutung eingeräumt werden müsse. Insbesondere mit Blick auf die Finanzwirtschaft sei der Markt wichtiger als der Einfluss der Regierung. Nur so könne erreicht werden, dass kleinen und mittleren Unternehmen der Zugang zu finanziellen Mitteln als Voraussetzung für deren Wachstum erleichtert wird. Er gab aber mit Blick auf die Erfahrungen der Asienkrise zu bedenken, dass bei allen Reformschritten und Liberalisierungsbemühungen „mit Bedacht“ vorgegangen wird. Auf die Entwicklung des chinesischen Immobilienmarktes eingehend, widersprach der ADB-Chef Prognosen, dass sich in China eine Entwicklung wie in den USA 2008 oder in Japan Ende der 1990er Jahre wiederholen könnte. Eine Blase oder gar ein bevorstehendes Platzen einer Immobilienblase sehe er nicht.

Nach 6,1 Prozent Wachstum in den asiatischen Entwicklungsländern 2013 prognostiziert die ADB für dieses Jahr 6,2 und für das kommde Jahr 6,4 Prozent Wachstum. Chinas Bruttosozialprodukt lege danach 2014 um 7,5 und im kommenden Jahr um 7,4 Prozent zu. Alles was sich um die Sieben-Prozent-Marke bewegt, sei für China und damit auch für Asien insgesamt positiv, so Nakao. Chinesische Ökonomen und Wirtschaftspolitiker stimmen derweil darauf ein, dass in den kommenden Jahren sieben Prozent Wirtschaftszuwachs zur Norm werden dürften. pt