Russland festigt Beziehungen zu China

Vertragsunterzeichnung bei den 19. chinesisch-russischen Regierungskonsultationen © government.ru
Vertragsunterzeichnung bei den 19. chinesisch-russischen Regierungskonsultationen © government.ru

MOSKAU. Russland hat in dieser Woche seine Wirtschaftsbeziehungen zu China weiter verstärkt. Beim Besuch des chinesischen Regierungschefs Li Keqiang in Moskau anlässlich der 19. chinesisch-russischen Regierungskonsultationen wurden nach Angaben von Russlands Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew etwa 40 bilaterale Verträge unterzeichnet – darunter zahlreiche Finanz-, Handels- und Energieabkommen.
Beide Seiten vereinbarten weitere Details zum Bau der östlichen Pipeline-Verbindung „Sila Sibiri“ (Kraft Sibiriens), über die sibirisches Gas nach China gepumpt werden soll und die allein auf russischem Gebiet über 4.000 Kilometer lang sein wird. Im Mai 2014 hatten China und Russland nach zehnjährigen Verhandlungen einen Gasliefervertrag im Wert von 400 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit von 30 Jahren geschlossen. Dieser sieht vor, dass ab 2018 jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Gas nach China verkauft werden.
Auch der Ölkonzern Rosneft will seine Kooperation mit dem chinesischen Partner CNPC vertiefen, die Unternehmen haben eine strategische Zusammenarbeit bei Projekten zur Erdgasverflüssigung vereinbart.

„Sila Sibiri“ ist eine Gaspipeline zum Transport von Erdgas aus den Fördergebieten Jakutien und Irkutsk nach China. © Gazprom
„Sila Sibiri“ ist eine Gaspipeline zum Transport von Erdgas aus den Fördergebieten Jakutien und Irkutsk nach China. © Gazprom

China stützt sanktionierte Banken
Im Finanzsektor sollen einige von den westlichen Sanktionen betroffene Banken künftig Kredite aus China bekommen. Profitieren werden davon die zweitgrößte russische Bank VTB und die staatliche Entwicklungsbank VEB. Die beiden Kreditinstitute unterschrieben jeweils Rahmenabkommen mit der chinesischen Import-Export-Bank, wonach sie Kreditlinien in Höhe von je zwei Milliarden US-Dollar für Handelsgeschäfte erhalten sollen. Die VTB möchte damit unter anderem den Import von chinesischen Lebensmitteln und Technologie finanzieren. Die VEB nutzt den Kredit, um mehr Investitionen ins Land zu holen.
Auch der Landwirtschaftsbank Rosselchosbank wurden Kredite aus China zugesagt. Des Weiteren vereinbarte der russische Mobilfunkanbieter Megafon mit der chinesischen Entwicklungsbank ein Finanzierungsgeschäft von umgerechnet 500 Millionen US-Dollar.
Außerdem haben die beiden Zentralbanken in Moskau eine engere Kooperation vereinbart: So einigte man sich auf Währungswechsel in Höhe von umgerechnet fast 20 Milliarden US-Dollar – mit dem langfristigen Ziel, den US-Dollar im bilateralen Handel künftig zu umgehen. Die beiden Notenbanken haben sich dabei auf einen fixen Kurs geeinigt, mit dem die Währungsswaps in den kommenden drei Jahren getätigt werden sollen.

Schnellzugverbindung Peking-Moskau
China Railways und die russische Bahngesellschaft RZD planen den Bau einer Schnellzugstrecke zwischen den Hauptstädten Moskau und Peking. Die Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen soll sich so von sechs auf weniger als zwei Tage verringern. Eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichneten RZD-Chef Wladimir Jakunin und sein chinesischer Kollege Sheng Guangzu in Moskau. Nach Angaben der chinesischen Tageszeitung „Beijing Times“ würde der Bau der rund 7.000 Kilometer langen Trasse mehr als 180 Milliarden Euro kosten. China ist weltweit das Land mit dem größten Netz an Schnellzugverbindungen und möchte seine Technologie auch ins Ausland exportieren. Auf der bestehenden, 1954 eröffneten Direktverbindung zwischen Moskau und Peking fahren derzeit zwei Züge pro Woche.
Hinter den Abkommen mit dem Nachbarn China steht auch der Wunsch Russlands, seine Außenhandelspolitik zu verändern. Russland versucht, sich stärker Richtung Asien und weniger nach Europa zu orientieren. Zum einen hatten sich zuletzt wegen der Ukraine-Krise die Spannungen zwischen dem Westen und Russland deutlich verschärft. Zum anderen lockt auch das stärkere Wirtschaftswachstum in Asien.

1 KOMMENTAR

  1. Eine schöne Übersicht über die letzten Ereignisse in der Beziehung zwischen Russland und China.
    Jedoch kann „Russland versucht, sich stärker Richtung Asien und weniger nach Europa zu orientieren.“
    Sonst hätte H. Lawrow nicht das Thema des Freihandelzone von Lissabon bis Wladiwostok wieder aufgeworfen.
    Wenn wir uns aber als Euorpäier als unzuverlässig erweisen, dann müssen wir uns auch nicht wundern, dass Russland eher nach China schaut

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