Ausländische Direktinvestitionen in Osteuropa rückläufig

FDI-Zuflüsse 2011-2013 © WIIW
FDI-Zuflüsse 2011-2013 © WIIW

WIEN. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) in Mittel, Ost- und Südosteuropa sind 2013 stark eingebrochen – in der Slowakei und in Polen sei der Rückgang sogar „alarmierend“ gewesen, stellt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in seiner aktuellen Analyse fest. Für dieses Jahr erwarten die Analysten jedoch einen Aufschwung vor allem in den neuen EU-Mitgliedstaaten.
Die FDI-Zuflüsse in die drei Ländergruppen der Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) waren dabei im vergangenen Jahr sehr unterschiedlich: Die elf jüngsten EU-Mitgliedstaaten (NMS) der Region verzeichneten einen Rückgang von 65 Prozent, die südosteuropäischen Länder (SEE) einen Zuwachs von zwei Prozent und die fünf wichtigsten GUS-Länder einen Anstieg von 26 Prozent.
Unter den neuen EU-Ländern konnten Rumänien und in einem gewissen Ausmaß auch
Bulgarien mehr FDI anziehen als im Vorjahr. Zuflüsse nach Tschechien und Ungarn fielen (nach vorher sehr hohen Werten) auf durchschnittliches Niveau. Der Rückgang in der Slowakei und in Polen ist alarmierend und war das Ergebnis von Kreditabflüssen und der Umstrukturierung von Vermögenswerten.

Starker FDi-Rückgang in Russland im ersten Quartal
Russland erhielt 2013 wesentlich mehr ausländische Direktinvestitionen (FDI) als im Vorjahr, allerdings stiegen die Abflüsse aus Russland noch stärker an, was sich in einem stark negativen Wert der Netto-FDI (-11,7 Milliarden Euro) niederschlug. Im ersten Quartal 2014 verzeichneten die ausländischen Direktinvestitionen in Russland einen starken Rückgang. Für 2014 prognostiziert das WIIW, dass Russlands FDI auf das Niveau von 2010 zurückfallen und neue Investitionsprojekte sich verzögern werden.
Die Entwicklung künftiger FDI-Zuflüsse hängt von den wirtschaftlichen Voraussetzungen ab, wobei die Region Mittel, Ost- und Südosteuropa zwei Hauptfaktoren ausgesetzt ist, die in entgegengesetzte Richtung wirken: Dies sind einerseits die Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in der EU und vor allem in der Mehrheit der neuen Mitgliedstaaten, die wachsende Mengen an FDI auf sich ziehen, und andererseits der Ukraine-Konflikt, der in den betroffenen Länder n das Wirtschaftswachstum hemmt und das Investitionsrisiko erhöht.
Im ersten Quartal 2014 verzeichneten die ausländischen Direktinvestitionen in Russland einen starken Rückgang und in den baltischen Staaten und in Bulgarien – jenen neuen Mitgliedstaaten, die in Bezug auf Handel und FDI am stärksten von Russland abhängen – ein nur schleppendes Wachstum. In Polen, Rumänien, der Slowakei und Slowenien kam es, unterstützt durch die Erholung der Exportmärkte, zu einem Aufschwung an FDI. Auch die Zahl der Greenfield-FDI-Projekte nahm im ersten Quartal 2014 zu, vor allem bei den Aktivitäten Handel und verarbeitende Industrie.
Das WIIW erwartet einen Aufschwung der ausländischen Direktinvestitionen in den neuen Mitgliedstaaten mit Ausnahme der baltischen Staaten und Bulgariens. In Südosteuropa wird keine wesentliche Veränderung erwartet.