Vor dem Assoziierungsabkommen: Georgien wirbt um Investoren

Irakli Garibashvili beim Wirtschaftsforum in Berlin. © OWC
Irakli Garibashvili beim Wirtschaftsforum in Berlin. © OWC

BERLIN. Am 27. Juni 2014 wollen Georgien und die Europäische Union am Rande des EU-Gipfels in Brüssel das lange vorbereitete Assoziierungsabkommen sowie ein vertieftes Freihandelsabkommen unterzeichnen. Im Vorfeld reiste der georgische Premierminister Irakli Garibashvili in dieser Woche mit einer hochrangig besetzten Regierungs- und Wirtschaftsdelegation zu Gesprächen nach Berlin. „Der einzige Weg für unser Land ist der nach Europa“, betonte Garibashvili bei seinem Besuch. Das Assoziierungsabkommen mit der EU „wird den Prozess der Westanbindung unumkehrbar machen“. Der georgische Premier traf in Deutschland unter anderem auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und nahm an einem Deutsch-Georgischen Wirtschaftsforum teil.
Auf dem Georgian-German Business Forum am Montag begrüßte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes, die georgische Delegation. Georgien habe sich schon vor langer Zeit dafür entschieden, den europäischen Weg zu gehen, sagte er. „Die heutige Präsenz des Premierministers, von fünf Ministern, zwei Vize-Ministern und zahlreichen hochrangigen Wirtschaftsvertretern unterstreicht das eindrucksvoll“, so Cordes. Er hoffe im Zusammenhang mit der Annäherung Georgiens an die EU insbesondere auf baldiges visumfreies Reisen für die Georgier. „Wir als Ost-Ausschuss wollen Georgiens Weg in die EU unterstützen und mit dem heutigen Wirtschaftsforum auch dazu beitragen, innerhalb der deutschen Industrie das Bewusstsein für die unternehmerischen Chancen in Georgien zu erhöhen“, sagte Cordes.

Merkel lobte die Fortschritte Georgiens auf wirtschaftlichem Gebiet. © Bundesregierung/Steins
Merkel lobte die Fortschritte Georgiens auf wirtschaftlichem Gebiet. © Bundesregierung/Steins

Der georgische Premierminister Irakli Garibashvili betonte vor deutschen Wirtschaftsvertretern: „Die Beziehungen nach Deutschland, einem unserer stärksten Unterstützer seit der Unabhängigkeit Georgiens, gehören zu den Top-Prioritäten meiner Regierung.“ Giorgi Pertaia, der Direktor der Nationalen Investitionsagentur, stellte sein Land als Investitionsstandort vor und verwies auf die aussichtsreichsten Branchen für ausländische Unternehmen, wie etwa den Wasserkraft- und Energiesektor. Zwar rangiert Georgien in zahlreichen internationalen Business Rankings weit oben und präsentiert sich dort als guter Investitionsstandort – allein im Doing Business Report der Weltbank findet sich Georgien auf Platz acht. „Das heißt aber nicht, dass die Investoren bei uns Schlange stehen. Keiner investiert in ein Land, weil es Nummer acht in einem Ranking ist“, erklärte Pertaia. „Aber ein Platz acht im Doing Business Report rückt uns ins Bewusstsein der Investoren und das ist sehr wichtig für ein so kleines Land wie Georgien.“

HeidelbergCement einer der größten Investoren
Als ein großer ausländischer Investor stellte sich HeidelbergCement beim Wirtschaftsforum vor. Der Baustoffkonzern mit Sitz in Heidelberg ist bereits seit 2006 mit eigenen Produktionsstandorten in Georgien vertreten, hat dort seitdem rund 275 Millionen US-Dollar investiert und kündigte in Berlin für die kommenden drei Jahre weitere Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Werke in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an. „Als wir 2006 unsere Aktivitäten in Georgien starteten, war das Land meines Erachtens noch nicht sehr bekannt in Deutschland. Für uns war dennoch klar: Georgien entwickelt sich in die richtige Richtung“, sagte Andreas Kern, Vorstandsmitglied von HeidelbergCement. „Für uns als Investor ist es ein rechtssicheres, wirtschaftliches Umfeld“, lobte Kern den Standort. HeidelbergCement beschäftigt rund 1.200 Menschen in Georgien.

Rede von Irakli Garibashvili auf dem Georgian-German Business Forum am 2. Juni 2014: