Der Baum in der Flasche – »Grün« ist mehr als nur ein Programm

„Grün“ ist nicht nur das Logo des taiwanischen Kosmetikherstellers O’right, sondern wird im Unternehmen von A bis Z gelebt. © CC/pt
„Grün“ ist nicht nur das Logo des taiwanischen Kosmetikherstellers O’right, sondern wird im Unternehmen von A bis Z gelebt. © CC/pt

»Grün« schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahnen. Beim Kosmetikhersteller O’right im gut eine Stunde vom Zentrum der taiwanischen Hauptstadt entfernt gelegenen Longtan wird »Grün« dagegen von A bis Z gelebt. Denn Firmenchef Steven Ko hat es sich zur Aufgabe gemacht, »die Welt zu verbessern« – mit seinen Produkten und seiner Unternehmensphilosophie.

Der 48-jährige Steven Ko ist der Typ taiwanischer Unternehmer, von denen es auf der Insel viele gibt und die zu Taiwans wirtschaftlichem Aufschwung in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich beigetragen haben: innovativ gestaltend, flexibel und wachstumsorientiert. Er hat aber noch eine andere Eigenschaft, die ihn vermutlich von vielen seiner Kollegen unterscheidet: Ihm geht es nicht allein darum, zu produzieren und Umsatz zu erwirtschaften. Er will Produktion und gesellschaftliche Entwicklung in Einklang bringen. Dem energiegeladenen sympathischen Unternehmer genügt es nicht, »grüne« Produkte auf den Markt zu bringen, wenn damit nicht gleichzeitig ein Beitrag für den Schutz der Umwelt geleistet wird. CSR, soziale Verantwortung von Unternehmen, – das ist für Steven Ko, der sich selbst als Weltverbesserer bezeichnet, das Elixier für unternehmerischen Erfolg.

Knapp 50 Prozent des eigenen Stromverbrauchs erzeugt O’right auf dem Dach des Unternehmensgebäudes. © CC/pt
Knapp 50 Prozent des eigenen Stromverbrauchs erzeugt O’right auf dem Dach des Unternehmensgebäudes. © CC/pt

Aus Orange wurde Grün

Steven Ko ist eigentlich Maschinenbauer. Mit einem verschmitzten Lächeln gesteht er, nach der Ausbildung keine Lust auf schmutzige Hände gehabt zu haben. In der Tat ist es schwer vorstellbar, dass der poppig gekleidete Mann an einer Drehbank steht. Kosmetik, speziell Haarpflegeprodukte, passen da besser zu ihm. So hat er sich mit drei Freunden zusammengetan und am Internationalen Frauentag des Jahres 2002 O’right gegründet. »An ›grün‹ haben wir damals noch nicht gedacht«, so der Manager. Der »grüne« Gedanke ist erst nach und nach entstanden, »weil die Umweltbelastung immer stärker wurde und eine klare Nachfrage nach ökologisch sauberen Produkten entstand. »Als Unternehmer muss ich darauf reagieren.« Hinzu kam, dass Steven Ko selbst von Allergien geplagt ist, so dass er sich sagte, es müsse doch möglich sein, Haarpflegeprodukte ohne Allergene auf den Markt zu bringen, eine »grüne Marke«. Das war 2006. Damals wurde als Signal für die Neuorientierung die Farbe des ursprünglich orangen Logos in Grün gewechselt und gleichzeitig damit begonnen, den gesamten Produktionsprozess nach »grünen« Richtlinien umzugestalten.

Haarwaschmittel in Flaschen aus gebrauchtem Kaffeegrund wird gerade auf den Markt gebracht. Der Clou ist, dass im Boden der Flaschen Samen für Kaffeebäume eingearbeitet sind – während die Flaschen verrotten, wachsen neue Bäume. © CC/pt
Haarwaschmittel in Flaschen aus gebrauchtem Kaffeegrund wird gerade auf den Markt gebracht. Der Clou ist, dass im Boden der Flaschen Samen für Kaffeebäume eingearbeitet sind – während die Flaschen verrotten, wachsen neue Bäume. © CC/pt

Vor knapp einem Jahr ist das Unternehmen in sein neues 5.000 Quadratmeter großes Headquarter in Longtan eingezogen – ein zertifiziertes »grünes Gebäude«, das nach den neuesten Effizienzstandards errichtet wurde. Das Unternehmen mit heute 200 Mitarbeitern ist fast schon ein Wallfahrtsort, an dem sich Schüler, Studenten und Manager aus anderen Firmen informieren, wie der »grüne Gedanke« in der Produktion funktioniert. Allein im vergangenen Jahr hätte er Besucher aus mehr als 900 Unternehmen empfangen, erzählt Steven Ko, darunter auch von Großkonzernen wie Toyota, Acer oder Alibaba.

200 Millionen Taiwan-Dollar (etwa 4,7 Millionen Euro) hat sich O’right den Bau und die Ausstattung kosten lassen. Saubere Produktion ohne Belastung für die Umwelt zu sichern, ist für Steven Ko das A und O. Allein für die Installation der Solaranlage auf dem Dach wurden 14 Millionen Taiwan-Dollar aufgewendet. Zusätzlich gibt es noch eine Mini-Windkraft-Anlage. Damit kann die Firma rund 50 Prozent ihres eigenen Stromverbrauchs sichern. Allerdings ist es aufgrund des Energiemonopols von Taipower bisher nicht möglich, den erzeugten Eigenstrom direkt in den Unternehmenskreislauf einzuspeisen. Er muss über Taipower sozusagen zurückgekauft werden. Das Gebäude selbst ist auf Energiesparen ausgelegt, sagt Steven Ko mit sichtlichem Stolz:

»Wir müssen nur an maximal 30 Tagen im Jahr die Klimaanlage in Betrieb nehmen und mit einer durchgehenden Beleuchtung auf LED-Basis sparen wir zusätzlich Strom.«

Der Natur dienen

Das sind die Rahmenbedingungen für die Herstellung von Pflegeprodukten, die das Prädikat »Grün« zu Recht tragen und zugleich noch einen besonderen Pfiff haben. Der Clou ist der »Baum in der Flasche«. Für die Verpackung der Pflegemittel verwendet O’right keine gewöhnlichen PET-Flaschen, sondern sogenanntes Bio-Plastik, hergestellt unter anderem auf der Basis von Maisstärke oder Zuckerrohr. »Damit verrotten die Flaschen innerhalb eines Jahres«, erklärt der Manager. Und um gleichzeitig einen Beitrag für die Aufforstung zu leisten, werden in den Flaschenboden Akazien-Samen eingearbeitet. Neuestes Produkt, das Mitte März erstmals auf den Markt gebracht wurde, sind Haarpflegemittel in aus Kaffeesatz hergestellten Flaschen – mit integrierten Samen für Kaffeebäume. »Das ist unser Beitrag zur Reduzierung von Abfall.« Dasselbe Prinzip wird auch bei Pappschachteln verwendet, für die grundsätzlich nur Pappen verwendet werden, die aus ökologisch kontrolliertem Holzeinschlag hergestellt sind und ebenfalls schnell verrotten. Je nach Jahreszeit verbergen sich in den Schachteln Blumen-, Kräuter- oder Gemüsesamen.

Steven Ko: Ich will die Welt besser machen. © CC/pt
Steven Ko: Ich will die Welt besser machen. © CC/pt

Das Unternehmen, das 2013 einen Umsatz von 280 Millionen Taiwan-Dollar verbuchen konnte, ist auf eine Kapazität von 5,6 Tonnen Shampoo am Tag ausgelegt. Geliefert wird in erster Linie an Friseursalons, über die laut Ko drei Millionen Kunden erreicht werden können. Verfolgt wird ein klares Business-to-Business-Konzept. Allein in Taiwan beliefert O’right mehr als 7.000 Salons. Lieferbeziehungen bestehen zudem mit 23 Ländern – Großbritannien, Dänemark, Polen, Korea und Singapur zählt der Unternehmer auf, auch das chinesische Festland. »Nach Deutschland liefern wir bisher leider noch nicht.«

Selbstverständlich wird bei O’right auf die Qualität der Substanzen, die in die Flaschen kommen, großer Wert gelegt. Im eigenen Labor wird alles genauestens geprüft. Steven Kos »grüne« Seele macht dabei aber nicht Halt. Noch wird ein Großteil der Ingredienzien importiert. Dem Unternehmer schwebt aber vor, in naher Zukunft weniger von Importen abhängig zu sein, sondern die taiwanische Landwirtschaft zu fördern und über Vertragsbeziehungen mit Bauern ökologisch angebaute Ausgangsstoffe für seine Kosmetikprodukte zu bekommen. Bessere Kontrolle ist dabei ein Motiv, das andere ist die soziale Verantwortung, die Steven Ko mit seinem Team wahrnehmen will. Saubere Böden, Schutz der Wasserressourcen sind für ihn ausschlaggebend. »Ganz einfach, ich möchte etwas bewegen« – in der Gesellschaft und bei jedem Einzelnen.

Deshalb setzt der Unternehmer weniger auf Werbung, sondern auf soziale Netzwerke, über die er den »grünen« Gedanken kommuniziert. Und er unterstützt, seine Mitarbeiter dabei einbeziehend, aktiv »grünes« Engagement, die »Earth Hour Taiwan« beispielsweise. pt

Dieser Beitrag ist erschienen in ChinaContact 04/2014.

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