Österreichische Umwelttechnik: Sauber wie Quellwasser

 Bau eines Hauptsammlers für eine Kläranlage in Budapest © SW-Umwelttechnik
Bau eines Hauptsammlers für eine Kläranlage in Budapest © SW-Umwelttechnik

Recycling- und Umwelttechnologien gehören zu den wichtigsten Exportfeldern der österreichischen Wirtschaft in Mittel- und Osteuropa. Der Bedarf in den ehemaligen Ostblockstaaten ist groß. Flexibilität bei Produkten und Märkten ist gefragt – so zeigt sich die Branche äußerst vielfältig und wartet mit einem breiten Spektrum auf. Was sie eint, ist der Kampf um die notwendige Finanzierung ihrer Projekte. Unterschiedliche Modelle werden praktiziert. Besonders beliebt sind Anbieter, die auch als Investoren auftreten.

Nein, klagen will er nicht über die Entwicklung der letzten Jahre. Christian Riehl, Geschäftsführer des niederösterreichischen Biogas-Spezialisten Biogest, kann auch trotz internationaler Finanzkrise auf positive Ergebnisse und kontinuierliches Wachstum verweisen. Seit das Unternehmen sich vor sechs Jahren von Kläranlagen auf die Wärme- und Stromerzeugung aus tierischen und pflanzlichen Substraten verlegt hat, konnte die Firma mit 50 Mitarbeitern in Mittel- und Osteuropa schon 70 Anlagen errichten. Kunden sind große landwirtschaftliche Betriebe, oft ehemalige Kolchosen, die sich längst als GmbH oder AG privatwirtschaftlich neu formiert haben.
Dennoch könnten die Geschäfte noch deutlich besser laufen, glaubt Riehl: „Finanzierungsprobleme belasten die gesamte Branche“, so sein Fazit. „Wir haben eine lange Reihe von interessanten Projekten in der Pipeline. Der Engpass ist die Finanzierung.“ Dabei hat es Biogest leichter als andere Greentech-Anbieter. Denn das Unternehmen verfügt durch seinen Eigentümer, die Privatstiftung eines großen österreichischen Industriellen, über ein solides Kapitalpolster. Damit ist es dem Management auch möglich, im Falle des Falles nicht bloß Anlagen zu bauen und schlüsselfertig zu liefern, sondern sich auch daran selbst zu beteiligen, wenn der Kunde das will. Riehl verweist auf ein erstes derartiges Modell in Tschechien, und er sieht darin durchaus Zukunftschancen: „Wir sind mehr als ein bloßer Finanzinvestor, denn wir beherrschen ja auch die Technik.“ Der Kunde muss dadurch nicht den gesamten Umfang des Projekts finanzieren, man teilt sich das etwa 50:50 auf.

Auch Maschinenbauer Andritz liefert Umwelttechnik nach Osteuropa © Andritz
Auch Maschinenbauer Andritz liefert Umwelttechnik nach Osteuropa © Andritz

Zwei Gründe für Probleme
Biogest erzielte zuletzt einen Umsatz von 22 Millionen Euro. Die Anlagen stehen in Tschechien und Rumänien, in Serbien und in Bulgarien. Es sind vorwiegend Tierzuchtbetriebe, die damit Wärme und Strom erzeugen – erstere meist für den Eigenbedarf. Einen Teil der elektrischen Energie speist man in die jeweiligen lokalen Netze ein. „Wenn es Probleme mit Biogas-Investitionen gegeben hat, dann hatte das zumeist zwei Gründe“, analysiert Geschäftsführer Riel. „Entweder es waren Bastelanlagen, die nicht richtig gelaufen sind. Oder sie waren professionell errichtet und man hatte sich nicht genug Substrat gesichert.“ Bei den eigenen Kunden handle es sich um große Betriebe mit 3.000 bis 5.000 Hektar Fläche. Dort könne es zu keinen derartigen Engpässen in der Versorgung kommen.
Auch Michaela Werbitsch erzählt von Finanzierungen, die für ihr Unternehmen entscheidend zum Erfolg beitragen. SW-Umwelttechnik im Kärntner Klagenfurt notiert an der Wiener Börse und ist seit vielen Jahren in der Region östlich von Österreich mit dem Bau von Kanalsystemen und Kläranlagen aktiv. Dabei musste man nach einem beträchtlichen Aufstieg einen deutlichen Niedergang durchlaufen. „Wir machen aktuell mit rund 500 Mitarbeitern einen Umsatz von 70 Millionen Euro“, sagt die Investor-Relation-Managerin. „Aber vor der Krise waren es schon einmal 110 Millionen.“

EU-Finanzierungen helfen

Die Schwerpunktmärkte von SW-Umwelttechnik sind Ungarn und Rumänien. Dort unterhält man auch Niederlassungen mit 250 respektive 150 Mitarbeitern. Und in beiden Ländern sieht das Management jetzt wieder bessere Zeiten kommen. Werbitsch: „In Ungarn ist eine leichte Erholung sichtbar, in Rumänien verzeichnen wir schon seit zwei Jahren eine starke Entwicklung.“ Die Gründe sind in beiden Ländern dieselben: Die jeweiligen Regierungen konnten sich EU-Finanzierungen für den Ausbau ihrer Kanalnetze und der Abwasserreinigung beschaffen. Dabei sind die Ausgangslagen durchaus unterschiedlich. Während Ungarns Städte und Dörfer bereits zu 80 bis 90 Prozent an Kanalnetze angeschlossen sind, liegt diese Kennzahl in Rumänien offiziell bei 40 Prozent, realistischer eher in der Gegend von 25 Prozent. Und Anschluss bedeutet noch nicht biologische Reinigung wie in Westeuropa. „Es gibt einen enormen Nachholbedarf“, so die Managerin. Langfristig werde man sich in den einzelnen Märkten von den technologischen Ansprüchen her nach oben arbeiten. Das eröffne den österreichischen Anbietern weiterhin gute Chancen.
Die gibt es in zahlreichen anderen Bereichen. Der steirische börsennotierte Technologiekonzern Andritz etwa weist auf den ersten Blick derzeit keine bedeutenden umweltrelevanten Anlagen aus. Aber erst kürzlich ging in Serbien eine Waschanlage für Altpapier in Betrieb, die natürlich klar ins Segment Recycling fällt. Der ebenfalls steirische Erzeuger von Glas-Sortieranlagen Binder+Co. hat sich über die letzten Jahre im Osten einen stetig wachsenden Markt aufgebaut, immerhin 17 Lieferungen an Kunden zwischen Polen, Russland, der Ukraine und der Türkei. „Die osteuropäischen Märkte werden für uns immer wichtiger“, so Binder+Co.–Sprecherin Almuth Schnehen.

Glas-Sortieranlagenbauer Binder+Co. hat sich im Osten einen wachsenden Markt erschlossen © Binder
Glas-Sortieranlagenbauer Binder+Co. hat sich im Osten einen wachsenden Markt erschlossen © Binder

Altglas, Kunststoffe, Wasserfilter
„Es sind meist westeuropäische Unternehmen, denen wir dorthin folgen“, erzählt sie. Dabei handelt es sich einerseits um Glaserzeuger, andererseits um Investoren in Sammelsysteme. Die Maschinen von Binder+Co. können das Altglas nicht nur von Verunreinigungen befreien, sondern sogar farbrein sortieren. Elena Theissel, die im Unternehmen den russischen Markt betreut, erklärt, warum sie sich künftig dort gute Geschäfte erwartet: „Es hat gerade erst ein gesetzliches Verbot gegeben, alte Glasflaschen neu zu befüllen.“ Das werde der Altglas-Aufbereitung in den nächsten Jahren einen Schub verleihen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen auch Sortieranlagen für Kunststoffe an, etwa leere Getränke- oder Waschmittelflaschen. Diese Märkte sollten sich aber laut Firmensprecherin Schnehen erst später entwickeln: „Dort sind die Sammelsysteme noch nicht so weit.“
Bisher einen geringen Anteil an der Gesamtproduktion machen Osteuropa-Lieferungen von Wasserfiltern des Salzburger Unternehmens BWT aus – bislang rund fünf Prozent. „Wir haben aber bereits Tochtergesellschaften in Polen, Tschechien, Russland und Ungarn“, so IR-Manager Ralf Burkert. BWT verkauft sowohl ganze Anlagen für Reinwasser in der Industrie als auch Filter für Ein- oder Mehrfamilienhäuser sowie für einzelne Privathaushalte. Und selbst wenn man sich im Konsumenten-Segment eher an wohlhabendere, umweltbewusste Kunden wendet, „so haben wir den Konjunkturdämpfer nach 2008 in Osteuropa deutlich gespürt“, meint Burkert. In den letzten drei, vier Jahren erholten sich die Märkte wieder, aber von Nachhaltigkeit könne man noch nicht sprechen.

Breit aufgestellt
Diesen Einbruch spürte man auch beim Grazer Anlagenbauer Christof Group und reagierte entsprechend mit Restrukturierungsmaßnahmen. Geholfen, die schwierige Zeit zu überstehen, habe laut Nina Reisenhofer aus dem Büro des Vorstandes, „dass wir sehr breit aufgestellt sind.“ Das Spektrum reicht von Sterilisationsanlagen für Spitäler über größere Projekte im Bereich Biomasse-Kraft-Wärme-Systeme bis hin zu Großanlagen in der petrochemischen Industrie inklusive der dazugehörigen Wartung. „Diese Märkte spielen eine zentrale Rolle in unserer Strategie.“
Das tun sie auch für den niederösterreichischen Lieferanten von Holzschnitzel-Verbrennungsöfen Polytechnik. „Wir haben in den letzten 20 Jahren mehr als 100 Anlagen in die Region geliefert, inklusive Russland und Ukraine“, sagt Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer Leo Schirnhofer. An der Bedeutung des Marktes ändert auch die Tatsache nichts, dass das Unternehmen derzeit mehr Interesse von westeuropäischen Kunden registriert. „Sowohl im Vorjahr als auch in diesem Jahr sind die Anfragen aus dem Osten, etwa aus Russland, schwächer gewesen“, so Schirnhofer. Dennoch gebe es gerade in Russland ein enormes Potenzial an Holzabfällen, und damit ließen sich zahlreiche kleinere Städte mit Wärme und Strom beliefern. Er rechnet damit, dass die Nachfrage nach seinen Anlagen bald wieder zurückkommen werde. re