Öl und Melonen: Das Gebiet Astrachan stellt sich in Berlin vor

Der Gouverneur (2.v.r.) hatte landwirtschaftliche Produkte im Gepäck © Handelskammer Astrachan (ASTCCI)
Der Gouverneur (2.v.r.) hatte landwirtschaftliche Produkte im Gepäck © Handelskammer Astrachan (ASTCCI)

Paprika, Zwiebeln, Melonen und noch mehr Melonen – wer sich Mitte Oktober in der Ausstellung des Gebiets Astrachan im Haus der Russischen Kultur und Wissenschaft in Berlin umsieht, kriegt sofort ein Gefühl für das Klima in der Region. Astrachan liegt da, wo die Wolga ins Kaspische Meer mündet und ist aber keine Gegend, die allein von der Landwirtschaft lebt. Gouverneur Alexander Schilkin weiß die Zahlen aus dem Stand. „Eine Milliarde Tonnen Öl und 800 Milliarden Kubikmeter Erdgas lagern im Festlandsockel des Kaspischen Meers“, sagt er bei der Vorstellung seiner Heimat in Berlin. Der Energiekonzern Lukoil erschließt die Ressourcen von Astrachan aus. Die Öl- und Gasförderung bringt auch ausländische Untenehmen nach Südrussland. Lukoil arbeitet mit dem US-amerikanischen Explorationsserviceanbieter Schlumberger genauso zusammen wie mit Saipem aus Italien oder Burmi Armada aus Malaysia.

Sonderwirtschaftszone entsteht
„Astrachan ist an Technologien, Anlagen und Ausrüstungen interessiert – vom Kraftwerk bis zu Navigationsgeräten“, erklärt Schilkin. Schön wäre es, wenn diese nicht nur ans Schwarze Meer geliefert werden, sondern irgendwann auch dort gebaut würden. Um es ausländischen Investoren so einfach wie möglich zu machen, richtet Astrachan gerade eine Sonderwirtschaftszone ein. Sie befindet sich 70 Kilometer nördlich von der gleichnamigen Gebietshauptstadt und steht in den Startlöchern, berichtet Natalja Oschiker aus dem regionalen Industrieministerium. Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew habe bei einer Besichtigung Anfang Oktober zu verstehen gegeben, dass das nötige Gesetz zur Registrierung der Zone noch in diesem Jahr unterschrieben werden würde. Das Areal ist vor allem dem Schiffbau verschrieben. Ausgehend von der ansässigen Vereinigten Schiffbaukooperation Lotus soll auch mittels staatlicher Zuschüsse ein Cluster entstehen. Die Residenten erwarten die bekannten Vorzüge einer Sonderwirtschaftszone: niedrige Grundstückspreise, Zoll- und Steuererleichterungen, niedrige bürokratische Hürden, einfacher Zugang zur Wasser-, Gas- und Stromversorgung, gute logistische Anbindungen. Eingerichtet werden soll ein One-Stop-Window für Investoren. Oschiker berichtet, dass Verträge mit den ersten Ansiedlern unterschriftsreif sind, dazu zählen der ABB-Konzern und die LST Group aus Finnland sowie die niederländische Central Industry Group.

Schilkin mit Firmenvertretern in Berlin © minec.astrobl.ru
Schilkin mit Firmenvertretern in Berlin © minec.astrobl.ru

Leuchtturm Knauf
Werbung für den Standort machte in Berlin auch das deutsche Unternehmen Knauf, das vor rund 15 Jahren in Astrachan das Traditionsunternehmen Mineral übernommen hat und heute Trockengemische auf Zement- und Gipsbasis für die heimische Bauindustrie herstellt. Firmenvertreter Alexander Lungatin erklärte, dass Knauf von der Gebietsverwaltung stets Unterstützung erfahren habe. So konnte sich der Umsatz seit Produktionsbeginn um das 60-Fache erhöhen. Im Moment stehen sogar ein neues Trockenbauwerk und eine Mischanlage vor der Eröffnung. Sonst ist das deutsche Engagement in der Region spärlich gesät. Der Hamburger Maschinenbauer Anker sei aktiv und es gäbe deutsche Beteiligungen an einigen einheimischen Unternehmen, zum Beispiel einem Fischverarbeitungsbetrieb, berichtet das Industrieministerium. Tatsächlich ist es wohl gerade in der Land- und Lebensmittelwirtschaft am einfachsten einen Einstieg in die Region zu machen. Die klimatischen Rahmenbedingungen stimmen, im Jahr sind mehrere Ernten möglich. Gouverneur Schilkin sagt, gefragt seien Anlagen und Know-how zur Obst- und Gemüselagerung, große Verteilerzentren und Treibhäuser. Damit könnten die Melonen aus Astrachan auch zu überregionalen Ruhm kommen. awa