Kasachstan: IWF und Weltbank loben konservative Finanzpolitik

BIP-Entwicklung Kasachstans nach Sektoren / Quelle: Weltbank
BIP-Entwicklung Kasachstans nach Sektoren / Quelle: Weltbank

WASHINGTON. Die Schwellenländer in Zentralasien und Europa verzeichnen derzeit moderate Wachstumszahlen, bleiben jedoch weiterhin anfällig für Risiken. Dieses Resümee zogen die Ökonomen am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank Mitte Oktober in Washington D.C. Die Wirtschaft in Kasachstan zeigte laut einem aktuellen Weltbank-Report zwar in den zwei Jahren, die auf die Finanzkrise 2008 und 2009 folgten, eine vergleichsweise starke Erholung, jedoch hat das Wachstumstempo in den vergangenen Monaten etwas abgenommen. Der reale Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verlangsamte sich aufgrund von Angebotsengpässen in der Ölindustrie und im Agrarsektor von 7,5 Prozent im Jahr 2011 auf fünf Prozent im Jahr 2012. Im ersten Halbjahr 2013 wuchs die kasachische Wirtschaft im Vorjahresvergleich um 5,1 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnen die Ökonomen mit einem Anstieg des BIP um 5,5 Prozent, weil sich mittlerweile auch die Produktion in der Öl- und Agrarindustrie normalisiert. Spätestens mit dem Start der Ölförderung am gigantischen Kaschagan-Feld, das im September in Betrieb genommen wurde und zu den größten Entdeckungen der vergangenen Jahrzehnte zählt, wird die Ölproduktion steigen. Auch die Erwartungen für die Getreideernte sind positiv: Mitte Oktober lagen die Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums bei 20 Millionen Tonnen Getreide für das Jahr 2013 (2012: 14,8 Millionen Tonnen). Ein Risiko für die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr bergen zum einen die Handelszahlen, die den Dienstleistungssektor beeinträchtigen könnten. Im ersten Halbjahr 2013 schrumpften die Exporte Kasachstans im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 47,8 Milliarden US-Dollar, während die Importe des Landes um acht Prozent auf 26,8 Milliarden US-Dollar zulegten.
Die Weltbank lobt in ihrem Report (Kazakhstan Partnership Program Snapshot) die konservative Finanzpolitik der kasachischen Regierung, die die Haushaltsausgaben kontrolliere und die wachsenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft im staatlichen Ölfonds häufe. Die gesamten internationalen Haushalts- und Währungsreserven haben (Stand August 2013) ein Volumen von mehr als 91 Milliarden US-Dollar bzw. 44 Prozent des BIP. Der kasachische Bankensektor hat sich jedoch immer noch nicht vollständig erholt. Während die Banken hinsichtlich der gemeldeten Eigenkapitalausstattung und der reichlichen Liquidität gesund erscheinen, bleibt die Anzahl der notleidenden Kredite hoch (37 Prozent aller Kredite). Das schränkt die Vergabe frischer Kredite an den Nicht-Öl-Sektor weiter ein.