Wirtschaftsentwicklung Türkei: Neuer Start nach weicher Landung

Nach der sanften Landung im Vorjahr mit einem BIP-Wachstum von nur noch 2,2 Prozent (2011: 8,8 Prozent) ist die türkische Wirtschaft in den Anfangsmonaten 2013 auf einen moderaten Erholungspfad eingeschwenkt: Im ersten Quartal 2013 stieg die Wirtschaftleistung auf Jahresbasis bereits wieder um drei Prozent. Getragen wurde die Erholung von der Binnennachfrage, insbesondere vom privaten Verbrauch und den öffentlichen Investitionen, die um über 80 Prozent zulegten. Die Nettoexporte fielen dagegen als Wachstumstreiber aus.

Die ersten Daten aus dem zweiten Quartal wie Industrieproduktion und Kreditwachstum signalisieren, dass die wirtschaftliche Belebung anhält. Angesichts des guten Starts ins Jahr dürfte 2013 ein BIP-Wachstum von etwa 3,5 Prozent erreichbar sein.

Statistik 2012*
Bevölkerung: 75,8 Mio
Fläche: 783,6 Tsd. km²
Nominales BIP: 612,2 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 8.144 Euro
BIP-Wachstum: 2,2 %
Inflationsrate: 9,0%
Ausl. Direktinvetitionen (netto):
6,5 Mrd. Euro
Quellen: Erste Group

Die politischen Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdoğan und der massive Kapitalabzug nach der vagen Ankündigung einer restriktiveren Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed zeigen seit Mai allerdings, dass die Konjunkturerholung auf wackligen Beinen steht. Nach der Fed-Erklärung sackte die Lira auf einen Tiefststand gegenüber dem US-Dollar und musste von der türkischen Zentralbank gestützt werden. Während die politischen Unruhen bislang ohne messbare Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung blieben, stellt die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalzuflüssen unverändert die Achillesferse der türkischen Wirtschaft dar, zumal das Leistungsbilanzdefizit mit der anziehenden Binnennachfrage wieder größer werden dürfte.
Quellen: Weltbank, Erste Bank, Statistisches Bundesamt, gtai

Außenhandel mit Deutschland
Die deutschen Ausfuhren in die Türkei haben 2012 stagniert – eine Folge der Konjunkturschwäche am Bosporus. Unter den deutschen Exportmärkten belegte die Türkei damit unverändert Rang 15. Neun Prozent der türkischen Einfuhren kamen 2012 aus Deutschland, das damit nach Russland und nur noch knapp vor China den zweiten Platz unter den Lieferländern verteidigte. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter waren Maschinen, Kfz und Kfz-Teile sowie Chemieerzeugnisse.
Die deutschen Importe aus der Türkei stiegen im Vorjahr geringfügig. Hier dominierten Textilien und Bekleidung vor Maschinen sowie Kfz und Kfz-Teilen. Deutschland blieb unverändert der wichtigste Absatzmakt der Türkei vor dem Iran.

Deutsch-türkischer Außenhandel © OWC

In der Rangliste der Außenhandelspartner Deutschlands, 2012:
Deutsche Einfuhr: 19. Platz
Deutsche Ausfuhr: 15. Platz