Wirtschaftsentwicklung Kasachstan: Höhere Einkommen, mehr Konsum

Die Rohstoffexporte, der private Konsum und staatlich geförderte Investitionsprojekte sorgten 2012 für ein robustes Wachstum der kasachischen Wirtschaft von fünf Prozent. Die mittelfristigen Aussichten sind positiv. Für 2013 und 2014 rechnet die Regierung mit einem Wachstum von jeweils rund sechs Prozent. Dabei sollen die Investitionen wieder stärker anziehen. Trotz Anstrengungen zur Diversifizierung bleibt die Abhängigkeit vom Rohstoffsektor groß.
Die kasachische Wirtschaft hat im vergangenen Jahr ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Das Bruttoinlandsprodukt ist gegenüber 2011 um fünf Prozent gewachsen – nach wie vor ein robuster Wert, aber niedriger als in den beiden Vorjahren, in denen das BIP mehr als sieben Prozent erreichte, und auch weniger als noch Anfang 2012 erwartet (sechs bis sieben Prozent). Den größten Beitrag zum Wachstum leistete 2012 der Konsum, dem höhere verfügbare Einkommen zugute kamen. Dank mehr Beschäftigung, einer zunehmenden Verbraucherkreditvergabe sowie höherer staatlicher Sozialausgaben legten der Groß- und Einzelhandel real um 14,6 Prozent zu. Das ressourcenreiche Kasachstan profitierte 2012 zudem von den anhaltend hohen Preisen für seine Hauptexportgüter Öl und Gas, auch wenn der Preisanstieg geringer ausfiel als in den Vorjahren. Die Exporteinnahmen stiegen nominal um 5,3 Prozent auf über 92 Milliarden US-Dollar. Weil die Einfuhren schneller wuchsen als die Ausfuhren, sank gleichzeitig der Überschuss in der Handelsbilanz um 5,5 Prozent auf knapp 48 Milliarden US-Dollar.

Statistik 2012
Bevölkerung: 16,9 Mio
Fläche: 2,7 Mio km²
Nominales BIP: 156 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 9.277 Euro
BIP-Wachstum: 5,0 %
BIP-Prognose 2013: 5,5 %
Quelle: UniCredit Research

Private Nachfrage entwickelt sich dynamisch
Die 2013 anlaufende Förderung im Ölfeld Kaschagan und der anhaltend hohe Ölpreis werden die kasachischen Ausfuhren 2013 stützen, die einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum leisten. Die Dienstleistungsbranche wird auch in diesem Jahr von der dynamischen Nachfrage der privaten Haushalte profitieren. Die Analysten rechnen auch mit einem Anziehen der Industrieproduktion und führen dies auf eine moderate Erholung bei den Krediten für die Privatwirtschaft und die von der Zentralbank 2012 beschlossene Senkung des Refinanzierungszinssatzes zurück. Die Entwicklung im Bergbau speist sich weiterhin vor allem durch ausländische Direktinvestitionen, insbesondere aus China.

Solide Staatsfinanzen
Das Defizit des kasachischen Haushalts (ohne Berücksichtigung der Erdöleinnahmen) wird weitgehend durch Überweisungen des nationalen Erdölfonds ausgeglichen. Auf diese Weise kann der Staat einen Überschuss erreichen, der sich 2013 stabilisiert. Die Solidität der Staatsfinanzen wird durch die steigenden öffentlichen Ausgaben (22 Prozent des BIP), die nach wie vor auf soziale Ausgaben sowie Investitionen zur Diversifizierung der Wirtschaft ausgerichtet sind, nicht infrage gestellt.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Deutschland ist nach Russland, China und der Ukraine mit 5,1 Prozent der Gesamteinfuhren das viertwichtigste Lieferland für Kasachstan. Mit einem Umfang von 5,9 Milliarden Euro war der bilaterale Warenaustausch 2012 allerdings rückläufig (-4,3 Prozent). Die kasachischen Lieferungen im Wert von 3,9 Milliarden Euro umfassen hauptsächlich Erdöl, Eisen- und Stahlerzeugnisse sowie chemische Produkte. Die deutschen Lieferungen im Wert von 1,9 Milliarden Euro setzen sich vor allem aus Maschinen und Kfz zusammen.
Quellen: Germany Trade and Invest, Coface, UniCredit Research, Statistisches Bundesamt

Außenhandel mit Deutschland
Kasachstan-Außenhandel_2012In der Rangliste der Außenhandelspartner Deutschlands, 2012:
Deutsche Einfuhr: 39. Platz
Deutsche Ausfuhr: 53. Platz