Ölförderung in Kaschagan kommt in Gang

Bereit für das erste Öl: Die Raffinerie Bolashak nahe Atyrau. © NCOC
Bereit für das erste Öl: Die Raffinerie Bolashak nahe Atyrau. © NCOC

ATYRAU. Am Kaspischen Meer nahe der westkasachischen Hafenstadt Atyrau wurden Anfang Juli die ersten Produktionsanlagen in Betrieb genommen, die für die Ölförderung und -verarbeitung am Ölfeld Kaschagan benötigt werden. Die Fertigstellung der Anlagen sei ein entscheidender Schritt hin zum eigentlichen Start der Ölförderung in Kaschagan, meldete das Betreiberkonsortium North Caspian Operating Company (NCOC). Schrittweise könnten nun weitere zum Projekt gehörende Anlagen in Betrieb genommen werden. Ab wann nun endgültig das erste Erdöl und Erdgas strömen wird, teilte der Betreiber allerdings nicht mit.
Das gigantische Ölfeld mit einer Fläche von rund 300.000 Hektar wurde vor über zehn Jahren vor der Küste Kasachstans entdeckt. Damals rechnete man mit Entwicklungskosten von etwa zehn Milliarden US-Dollar. Mittlerweile haben die beteiligten Unternehmen bereits mehr als 40 Milliarden US-Dollar in die Erschließung von Kaschagan gesteckt. Der Termin für die erste Ölförderung wurde mehrfach verschoben – von 2005 auf 2008, auf 2010, auf 2012. Immer wieder kam es – nicht zuletzt aufgrund der Größe und der technischen Komplexität des Projekts – zu Verzögerungen. Das Kaschagan-Ölfeld liegt fast vier Kilometer unter dem Meeresboden. Die Bohrinseln müssen aus Beton gebaut werden, da das Kaspische Meer für mehrere Monate im Jahr gefriert. Gewöhnliche Bohrinseln würden diesen Bedingungen nicht standhalten.

Erdölraffinerie Bolashak ist startklar
Gefördert wird das Erdöl und Erdgas über acht Bohrlöcher auf der künstlich angelegten Insel A. Die Bohrlöcher und das Pipeline-System sind bereits produktionsreif. Die Offshore-Produktion und die Aufbereitungsanlagen auf Insel D befinden sich indessen in den letzten Zügen der Inbetriebnahme.
Die Vorbereitungen zur Inbetriebnahme der etwa 35 Kilometer nordöstlich von Atyrau gelegenen Erdölraffinerie Bolashak wurden bereits vor einigen Wochen abgeschlossen. Sie besteht aus zwei gleichartigen Anlagen zur Entschwefelung des Rohöls und zur Veredelung des Erdöls und Erdgases. Die  Raffinerie ist zunächst auf eine Verarbeitungskapazität von 180.000 Barrel pro Tag ausgelegt, die Produktion soll in einer zweiten Stufe jedoch schrittweise auf 370.000 Barrel pro Tag erhöht werden.
Diese Produktionskapazität bezieht jedoch laut NCOC nur auf die erste Erschließungsphase. Kaschagan und die benachbarten Ölfelder im Nordkaspischen Meer beherbergen ein geschätztes Vorkommen von etwa 35 Milliarden Barrel Öl. Künftige Erschliessungsprojekte bergen also das Potenzial, die Produktionsmengen noch weiter zu steigern.

ConocoPhillips-Anteil geht an KazMunaiGas
Das Betreiberkonsortium NCOC besteht aus sieben Konsortialpartnern: Die Ölkonzerne Eni, Shell, ExxonMobil, Total und KazMunaiGaz halten je einen Anteil von 16,81 Prozent am Projekt. Weitere Eigner sind ConocoPhillips mit 8,4 Prozent und die japanische Inpex mit 7,56 Prozent. Ende 2012 wurde bekannt, dass der US-Energiekonzern ConocoPhillips aussteigen und seinen 8,4-prozentigen Anteil für rund fünf Milliarden US-Dollar an das indische Erdgas- und Mineralölunternehmen ONGC verkaufen will. Diese Transaktion bedarf jedoch der Zustimmung der kasachischen Regierung. Wie jetzt bekannt wurde, wird der kasachische Staat von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machen und den Anteil selbst übernehmen. ConocoPhillips bestätigte, dass die Beteiligung an den staatlichen kasachischen Energiekonzern KazMunaiGas geht.

Bilderstrecke: Ölfeld Kaschagan