Ausländische Banken ziehen sich aus der Ukraine zurück

Auch die Swedbank ist nicht mehr in der Ukraine aktiv © OWC
Auch die Swedbank ist nicht mehr in der Ukraine aktiv © OWC

BERLIN. Die österreichische Erste Group Bank AG hat Ende April den Verkauf ihrer verlustträchtigen Ukraine-Tochter abgeschlossen und sich damit aus dem Land zurückgezogen. Wie bereits im Dezember angekündigt, veräußerten die Wiener die Erste Bank Ukraine für umgerechnet rund 63 Millionen Euro an eine ukrainische Unternehmensgruppe, zu der auch die lokale Fidobank gehört. Grund für den Verkauf ist in erster Linie die unbefriedigende Geschäftsentwicklung der ukrainischen Tochter, die operative Verluste einfuhr und mehrere Kapitalspritzen der österreichischen Mutter benötigte. Ende vorigen Jahres beschäftigte die Erste Bank in der Ukraine 1.530 Mitarbeiter, die Bilanzsumme betrug 676 Millionen Euro. Die Erste Bank Ukraine wird nun mit der Fidobank fusioniert und unter deren Namen tätig sein.

Mit der schwedischen Swedbank hatte Anfang April ein weiteres ausländisches Kreditinstitut seinen Rückzug aus der Ukraine verkündet. Die Schweden unterzeichneten eine Vereinbarung über den Verkauf ihrer ukrainischen Tochter an die lokale Delta Bank. „Das ist unser letzter Schritt im Rahmen der Strategie, unsere Aktivitäten künftig auf Schweden und die drei baltischen Staaten zu konzentrieren,“ sagte Swedbank-Vorstandschef Michael Wolf dazu. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Aufsichtsbehörden und soll noch im ersten Halbjahr 2013 über die Bühne gehen. Bereits 2011 hatte das schwedische Kreditinstitut das Privatkundengeschäft in der Ukraine eingestellt. Allein der Rückzug aus der Ukraine wird die Swedbank nach Schätzungen von Branchenexperten über 200 Millionen Euro kosten. Über ihre Tochter Ektornet verfügt die Swedbank in der Ukraine zudem noch über Immobilien mit einem Buchwert von rund 70 Millionen Euro, die ebenfalls verkauft werden sollen.

In der Ukraine fand zuletzt ein kleiner Exodus westlicher Banken statt. Im Januar verkaufte die französische Société Générale ihre ukrainische Tochter Profinbank an die zyprische Xeronia Limited. Bereits im Sommer 2012 hatte die Commerzbank ihre Ukraine-Tochter Bank Forum an die ukrainische Smart-Holding veräußert. Der Anteil nicht-russischer ausländischer Banken an den Aktiva aller ukrainischen Banken ging zwischen 2010 und 2012 von 37 auf 20 Prozent zurück.

Ihr Ukraine-Engagement ist die westlichen Banken teuer zu stehen gekommen. Die Folgen der Finanzkrise, die ohnehin schon schwierigen Marktbedingungen und die schwächelnde Wirtschaft haben dem ukrainischen Bankensektor zugesetzt. Die Analysten von Raiffeisen Research schätzen den Anteil notleidender Kredite in einer aktuellen Analyse auf rund 30 Prozent. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise galt die Ukraine noch als Hoffnungsmarkt, in den sich die ausländischen Banken teuer einkauften. So zahlte die UniCredit-Tochter Bank Austria 2007 1,5 Milliarden Euro für die Ukrsotsbank. In den vergangenen Jahren musste der Wert der Tochter in mehreren Wellen um über 800 Millionen Euro abgeschrieben werden. Allein im letzten Jahr schrieben die Österreicher 165 Millionen Euro auf den Firmenwert der Ukrsotsbank ab. Die Erste Group hat seit dem Einstieg in der Ukraine Anfang 2007 dort insgesamt 280 Millionen Euro verloren. Der Swedbank bescherte das ebenfalls seit 2007 bestehende Engagement wohl einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

An der Fragmentierung des ukrainischen Bankensystems haben die jüngsten Eigentümerwechsel nichts geändert. 176 Banken kämpfen in der Ukraine um Marktanteile, nur unwesentlich weniger als Ende 2008. Im Vorjahr verzeichnete der Bankensektor erstmals seit drei Jahren wieder einen Gewinn in Höhe von knapp fünf Milliarden Hrywnja (rund 470 Millionen Euro). Dafür war vor allem die geringere Risikovorsorge verantwortlich, während das operative Einkommen angesichts steigender Einlagenzinsen und des schwachen Kreditgeschäfts rückläufig war. Die Raiffeisen-Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang des ausländischen Marktanteils zugunsten lokaler privater Banken. Überleben werden nach ihrer Ansicht nur ausgewählte ausländische Kreditinstitute, „die mit der volatilen Umgebung umgehen können und den Nutzen aus den Geschäftsmöglichkeiten ziehen können, der sich durch den Rückzug anderer Banken ergibt.“ ch

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